Zu sauberes Wasser

24. Juni 2013 12:02; Akt: 24.06.2013 12:22 Print

Immer weniger Schweizer Fische gehen ins Netz

Die Berufsfischer bangen um ihre Existenz: Weil die Schweizer Seen zu sauber sind, gehen die Fischbestände zurück. Die Fischer fordern mehr Netzfläche und weniger Gewässerschutz.

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Die Zahl der berufsfischer nahm in der Schweiz von 598 im Jahr 1975 auf 310 im Jahr 2010 ab. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Des Schwimmers Freude ist des Fischers Leid: Weil die Schweizer Seen in den letzten Jahren immer sauberer wurden, gibt es in ihnen immer weniger und immer kleinere Fische. Vor allem Brienzersee, Thunersee, Verwaldstättersee, Walensee und Bodensee weisen derzeit zu tiefe Phosphorwerte auf. Dieser ist ein lebensnotwendiger Nährstoff für kleinste Organismen im See, von denen sich die Fische ernähren. «Eine zu tiefe Phosphorkonzentration führt zu einer Hungersnot, Bestände und Fangerträge gingen mancherorts katastrophal zurück», sagte Silvano Solcà, Präsident des Schweizerischen Berufsfischerverbandes, gegenüber dem «Landboten».

Die Bodenseefischer haben innerhalb eines Jahres (2011/2012) über ein Drittel weniger Fische gefangen. Viele der 310 Berufsfischer, die es heute noch schweizweit gibt, sind deswegen auf einen Nebenerwerb angewiesen. «Die Berufsfischerei ist existenziell gefährdet», sagt Roland Seiler, Zentralpräsident des Schweizerischen Fischereiverbands.

Fischer planen Kampagne

Die Bodenseefischer fordern deshalb mehr Netzfläche, Verbandspräsident Solcà will das Übel jedoch an der Wurzel packen: Die Gewässerschutzmassnahmen sollen aufgrund der zu tiefen Phosphorkonzentration in den Schweizer Seen gelockert werden. «Wir hoffen, dass wir bereits im Herbst zusammen mit dem Fischereiverband eine Sensibilisierungskampagne starten können», sagt er.

Auf politischer Ebene ist eine Motion des Berner SVP-Nationalrats Erich von Siebenthal hängig, die den Bundesrat auffordert, dass in den Kläranlagen beim Brienzersee im Sinne eines Pilotversuchs weniger oder keine Phosphate mehr zurückgehalten werden. Solche Pläne sind unter Biologen jedoch höchst umstritten, weil sie einen starken Eingriff ins ökologische Gleichgewicht bedeuten.

(lua)