Fleischwirtschaft

12. Oktober 2016 13:56; Akt: 12.10.2016 13:56 Print

Initiative will Massen-Tierhaltung verbieten

von J. Büchi - Glücklichere Tiere per Volksentscheid: Die Pläne einer Schweizer Denkfabrik irritieren Bauern und Fleischwirtschaft.

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Mit ihrer Forderung nach veganen Kantinen-Menüs sorgte die Denkfabrik Sentience Politics vor zwei Jahren in Basel und Zürich für Furore. Nun wird die Stiftung erstmals auf nationaler Ebene politisch aktiv: Mit einer Volksinitiative will sie die «Abschaffung der Massentierhaltung» erzwingen. Dies geht aus einer Ausschreibung hervor, mit der die Gruppierung einen Kampagnenleiter für das Projekt sucht.

Umfrage
Sollen die Tierschutzvorschriften in der Schweiz verschärft werden?
65 %
12 %
22 %
1 %
Insgesamt 7824 Teilnehmer

«In der Schweiz werden jährlich über 60 Millionen nichtmenschliche Tiere gezüchtet und getötet», heisst es darin. Für die Mehrheit der Tiere sei dies mit «enormem Leid» verbunden. Die Initiative wolle deshalb alle Haltungsformen verbieten, «die den Grundbedürfnissen der Tiere nicht gerecht werden». Adriano Mannino, ein Mitgründer des Think-Tanks, bestätigt auf Anfrage: «Ein juristisches Team arbeitet derzeit intensiv am Initiativtext, Ziel ist eine Lancierung im nächsten Jahr.» Bereits wird auch per Crowdfunding Geld gesammelt.

«Tiere erleiden Höllenqualen»

Der Profitdruck in der Fleischwirtschaft führe heute etwa dazu, dass Millionen von Küken in ihren ersten Lebenstagen qualvoll vergast und geschreddert würden, kritisiert er. Bis zu 18'000 Hühner lebten zusammen in einem Stall. Beim Schlachten schliesslich passierten wegen des Zeitdrucks Fehler: Mannino verweist auf eine deutsche Studie, wonach über vier Prozent der Rinder nach dem Bolzenschuss noch bei Bewusstsein sind. In Einzelfällen atmeten Schweine gar noch, wenn ihnen im Brühbad die Borsten abgezogen würden. «Diese Tiere erleiden Höllenqualen. Das ist Tierquälerei – eine unnötige Schädigung leidensfähiger Lebewesen.»

In kleineren Betrieben mit weniger Tieren könnte die Tierwürde eher gewahrt werden, ist der studierte Philosoph überzeugt. Wie der Begriff der «Massentierhaltung» im Initiativtext definiert werden soll, kann er jedoch noch nicht sagen. «Wir wollen dem Gesetzgeber hier einen gewissen Spielraum lassen. Denkbar wäre, dass die Mindeststandards so heraufgesetzt würden, dass sie den heutigen Anforderungen an Label-Höfe entsprächen.»

«An der Realität vorbei»

In der Schweiz ist die maximale Zahl an Nutztieren pro Betrieb schon heute klar begrenzt (siehe Box). CVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter sagt: «Genau das ist ja ein Markenzeichen der Schweizer Landwirtschaft.» Im Gegensatz zur EU oder zu den USA dürften «Hennen und Sauen bei uns nicht zu Riesenherden zusammengepfercht» werden. Die Initianten zielten mit ihrer Forderung an der Realität in der Schweiz vorbei.

Werde die erlaubte Anzahl Tiere pro Betrieb weiter reduziert, verschärfe dies den Wettbewerbsnachteil der Schweizer Produzenten und mache getätigte Investitionen wertlos, gibt Ritter zu bedenken. «Die Folgen wären höhere Preise für Schweizer Eier und Fleisch – der Konsument würde auf günstigere Produkte aus dem Ausland zurückgreifen, die unter deutlich schlechteren Bedingungen hergestellt wurden.» Darauf verweist auch Proviande. Bis der Initiativtext vorliegt, will sich die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft aber noch nicht im Detail zur Forderung äussern.

«Utopisch»

Sympathien für das Anliegen hat Nationalrat Bastien Girod (Grüne). Auch er warnt jedoch vor der Gefahr eines «Tierschutz-Dumpings» durch Import-Fleisch. Wenn, dann müssten die Mindeststandards auch für Produkte aus dem Ausland gelten. Auch die Interessen der Schweizer Bauern müssten gewahrt werden: «Wir können nicht verlangen, dass Landwirte jedes Mal einen neuen Stall bauen, wenn die Tierschutzvorschriften angepasst werden.»

Der Schweizer Tierschutz STS schliesslich begrüsst es, wenn die Initiative eine Diskussion zum Thema Tierwohl lostreten kann. Sprecherin Helen Sandmeier bezeichnet die Forderung jedoch als «utopisch».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GR am 12.10.2016 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierhaltung weltweit

    Befürworte ich dann aber bitte kein Geflügel mehr in unseren Verkaufsläden von unseren Nachbarstaaten , denn da geht die Post erst richtig ab, das zum Thema EU und Tierhaltung

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  • marc am 12.10.2016 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    notwendig

    es wäre echt an der zeit in diesem Bereich endlich umzudenken. Massentierhaltung ist eins der grossen Übel unserer Zeit

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  • Bruno W. am 12.10.2016 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Bio/ weniger Antibiotika

    Gut so! Es ist Zeit dafür. Ich kaufe konsequent nur Bio aus der CH, lieber etwas weniger Fleisch, dafür tut es auch mir besser, ohne Antibiotika und Stresshormonen, und den Tieren sowieso!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zoe. am 13.10.2016 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn jeder

    Einbisschen mehr geld ausgeben würde fürs essen, anstatt für sonstigen schnickschnack gebe es sowas gar nicht mehr. Ich kauf immer freilandeier und schau immer woher das fleisch, eier, milch herkommt. Ist zwar etwas teurer, aber das ists mir wert. Aber für die meisten muss ja alles billig sein, da man ja immer das neueste habdy, laptop, auto usw braucht.

  • Dave am 12.10.2016 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schwachsinn

    wenn so ein gesetz kommt, dann können wir gleich zur eu gehen. denn denkt mal an die folgen. schweizer fleisch wird teurer. noch mehr leute gehen im aussland einkaufen da es ja billiger ist und die wirdschaft bricht auseinander. ganz geschwige due bauern werden auch aufgeben.

  • Florian. am 12.10.2016 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreislauf

    Trotzdem ist das verlangen nach dem Fleisch da (Huhn oder Schwein). Es nimnt ja nicht ab. Sobald es ein solches Gesetz gibt, wird einfach das Fleich aus der EU importiert, die diese Gesetze nicht haben. Dann kommts auf gleiches raus ...

  • xxxxx am 12.10.2016 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Alle wollen bessere Tierschutzhaltungen...und gleichzeitig weniger für Fleisch bezahlen

  • Feinschmeckerin am 12.10.2016 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das Mass aller Dinge

    Ich bin ein riesiger Fleisch-Fan, aber was da so abgeht.. Bis vor einem Jahr ass ich deshalb nur noch Wöchentlich einmal Fleisch, inzwischen verzichte ich sogar vollkommen darauf. Ich brauch das nicht - und wenn ich mal Lust bekommen sollte, dann nehm ich was. Die Frage ist immer das "MASS" des Konsums.