Waffengesetze

01. März 2018 02:09; Akt: 02.03.2018 12:47 Print

«Schweiz geht besser mit Waffen um als die USA»

Das liberale US-Waffengesetz steht nach dem jüngsten Amoklauf unter Beschuss. Amerika könnte sich an der Schweiz orientieren, sagt eine Ex-US-Polizistin.

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Nach dem jüngsten Amoklauf in Florida mit 17 Toten ist die Diskussion um die amerikanischen Waffengesetze erneut entflammt. Für die ehemalige US-Polizistin und promovierte Politikwissenschaftlerin Erin Zimmerman könnten die USA viel von der Schweiz lernen.

«Auch wenn hier der Prozentanteil an Haushalten mit Waffen ähnlich hoch ist wie in den USA, ist hier der Umgang besser geregelt und strikter», sagt die 35-Jährige. Zimmerman verweist auf den zweiten Zusatzartikel der Amerikanischen Verfassung, der es der Bundesregierung verbietet, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken.

Andere Mentalitäten

Zimmerman, die in der Schweiz lebt und an verschiedenen Unis zu sicherheitspolitischen Themen forschte, beobachtet aber auch grosse Mentalitätsunterschiede: Die Schweizer Bevölkerung habe eine ganz andere Beziehung zu ihrer Waffe: «Schweizer haben Waffen für den Schützenverein, um jagen zu gehen oder ihr Land zu verteidigen. Sie vertrauen dem Staat und möchten den nationalen Frieden beschützen.» Der amerikanische Bürger hingegen bewaffne sich, um den eigenen Frieden und sich selbst zu schützen, weil er der Regierung gegenüber skeptisch sei.

Stärkere Kontrollen in der Schweiz

Auch wenn beide Nationen für ihr liberales Waffenrecht bekannt seien, gebe es bedeutende Unterschiede: Halbautomatische Waffen beispielsweise sind in den Staaten erlaubt, genauso wie vollautomatische, die vor 1968 produziert wurden. In der Schweiz hingegen muss man Waffenimitate und Jagdwaffen melden, halbautomatische Waffen erfordern eine Bewilligung. Vollautomatische Geschosse sind hierzulande sogar ganz verboten.

«Zudem liegt es in der Schweiz am Käufer, alle Bewilligungen einzuholen, nicht wie in den USA am Händler», so Zimmerman. So würden hier die meisten Waffen nur in die Hände von Personen gelangen, denen es auch erlaubt ist, diese zu nutzen und lagern. «In Amerika werden viele Waffen auch durch Privathändler veräussert, ohne dass der Käufer auf mögliche Gefahren gecheckt werden kann.» Deshalb gebe es in der Schweiz kaum Amokläufe.

Rückgang an Selbstmorden

Trotz der strikteren Waffenregulierung hat die Schweiz die zweithöchste Anzahl an Schusswaffentoten. Das zeigt eine Studie des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) aus dem Jahr 2011. Dieser zufolge gibt es hierzulande pro Million Einwohner 7.7 Schusswaffentote. Fast 90 Prozent davon betreffen Suizide.

Seit 2007 wurde das Gesetz hierzulande nochmals verschärft, sodass Waffen zu Hause separat und ungeladen aufbewahrt werden müssen. Munition von Armeewaffen darf man in der Schweiz nicht mehr zu Hause lagern. «Dieser kontrollierte Zugang hat die Selbstmordrate sowie Morde durch häusliche Gewalt verkleinert», so Zimmerman. Die Selbstmordrate ging von 351 im 2002 auf 211 im 2015 zurück.

«Es wäre ein Fortschritt für die USA»

Grünen-Politiker und GSoA-Mitglied (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) Josef Lang stützt die Aussage Zimmermans, dass sich die USA in der Waffenregulierung an der Schweiz orientieren sollte. «In den letzten 15 Jahren wurden hier wichtige Fortschritte erzielt. Die Armee bewaffnet nicht mehr alle Rekruten und die Munition bleibt im Zeughaus. Auch die Waffenscheinpflicht war sehr zentral.» Dadurch habe sich auch die Suizidrate verringert. «Regulierte die USA so wie die Schweiz, wäre das ein grosser Schritt nach vorne», so Lang.

Jedoch gebe es auch hierzulande noch Potenzial. Einerseits müsse die Schweiz die neuen EU-Bestimmungen übernehmen, die besagen, dass halbautomatische Waffen mit Magazinen von mehr als 20 Schuss (bei Handfeuerwaffen mehr als zehn Schuss) neu als verbotene Waffen gelten. Andererseits gibt es noch immer zu viele Waffen in Schweizer Haushalten. Zudem befürchtet Lang, dass Schweizer, die sich unsicher fühlen, zum Eigenschutz Waffen tragen. «Diese Amerikanisierung wäre fatal.»

(duf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bume83 am 02.03.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher trotz Waffen

    Die Schweiz hat je 100 Personen am 3. meisten Waffen auf der Welt. Trotzdem ist die Schweiz in den Top 5 was die Sicherheit angeht. In der Schweiz muss man einiges ändern, oder verschärfen. Aber sicher nicht unser Waffengesetz.

  • Ghostrider0109 am 01.03.2018 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dringend liberalisieren

    Wir müssen das Waffenrecht dringend wieder liberalisieren, da die verschärfungen der letzten 15 Jahren fast nur aus der EU kamen. Wir konnten schon immer mit unseren Waffen umgehen. Strengere Waffenrechte treffen nur die unbescholtenen Bürger, die Kriminellen kommen immer an Waffen.

  • Aemsi am 02.03.2018 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht keinen was an

    Es geht Herr Lang und die erst recht die EU gar nichts an, was in Schweizer Haushalten abgeht, und ob es da Waffen hat oder nicht! So etwas nennt man Demokratie, das ist das schöne daran, man kann (im Rahmen des Gesetzes) machen was man will, davon hat die EU aber keine Ahnung! Diese Angst von Herr Lang kann ich nicht nachvollziehen, dass immer mehr Schweizer aus Angst eine Waffe tragen, dazu braucht es eine Bewilligung, und daran halten sich die normalen Bürger. Aber dieses Gefühl darf Herr Lang natürlich haben, soll aber andere damit in Ruhe lassen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Suymui am 02.03.2018 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohohoh

    Das ist sicherlich nicht der Hauptgrund. #Bildung #Perspektiven #Lebensstandard

  • Küde Bike am 02.03.2018 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffenerwerbsschein CH

    zur INFO : in der Schweiz Bewilligungspflicht für Revolver, Pistole, Pump Action, Halbautomatische Gewehre, Unterhebelrepetierer, nur durch Waffenerwerbsschein erhältlich. Also kein Vergleich zu USA wo im Waalmart jegliche Waffen gekauft werden können je nach Bundesstaat. So auch gesehen von Privaten auf Flohmärkten. Da könnten die Amis wahrlich noch viel lernen von uns?

  • mrblack am 02.03.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein

    Phahaha sicher übernehmen wir die EU Gesetze und machen damit das Sturmgewehr Illegal. Gehts eigentlich noch. Die tiefe Anzahl Gewaltdelikte mit Waffen trotz der hohen Anzahl Waffen zeigt doch dass es passt wie es ist. Don't take my guns!!!

  • Freshdachs86 am 02.03.2018 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es so einfach wäre...

    Dafür ist es längst zu spät. Die usa hat über jahre hinweg waffen zu leicht zugänglich gemacht, wie wollen die das heute noch kontrollieren und in den griff bekommen?

  • Aemsi am 02.03.2018 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht keinen was an

    Es geht Herr Lang und die erst recht die EU gar nichts an, was in Schweizer Haushalten abgeht, und ob es da Waffen hat oder nicht! So etwas nennt man Demokratie, das ist das schöne daran, man kann (im Rahmen des Gesetzes) machen was man will, davon hat die EU aber keine Ahnung! Diese Angst von Herr Lang kann ich nicht nachvollziehen, dass immer mehr Schweizer aus Angst eine Waffe tragen, dazu braucht es eine Bewilligung, und daran halten sich die normalen Bürger. Aber dieses Gefühl darf Herr Lang natürlich haben, soll aber andere damit in Ruhe lassen!