Namensstreit

14. September 2017 05:47; Akt: 14.09.2017 17:24 Print

Ist es rassistisch, «Mohrenkopf» zu sagen?

von D. Krähenbühl - Die Firma Dubler soll ihren «Mohrenkopf» umbenennen, weil der Begriff rassistisch sein soll. Ist er das?

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Das «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» hat eine Petition lanciert mit dem Ziel: Die Firma Dubler aus dem aargauischen Waltenschwil soll ihre «Mohrenköpfe» umbenennen. Wie das Komitee schreibt, sei der Begriff eine «herabwürdigende Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person». Franziska Schutzbach, Gender-Forscherin an der Universität Basel unterstützt die Petition. Wenn wir nicht bereit seien, Sprache zu dekolonisieren, würden auch weiterhin Geflüchtete ertrinken, argumentiert sie laut der «Neuen Zürcher Zeitung».

Umfrage
Soll die Firma Dubler ihre Mohrenköpfe umtaufen?

Die Firma Dubler setzt sich zur Wehr: «‹Mohrenkopf› ist für mich eine positive Formulierung», sagt Besitzer Robert Dubler im Interview mit 20 Minuten. Im Zusammenhang mit der Süssigkeit sei der Begriff nicht rassistisch, sondern sogar positiv besetzt. Eine Umbenennung des Produkts käme unter keinen Umständen in Frage.

Auch 71 Prozent der knapp 30'000 Teilnehmer einer nicht repräsentativen 20-Minuten-Umfrage finden: Der «Mohrenkopf» hiess schon immer so und soll auch weiterhin so heissen. 25 Prozent sind der Meinung, der Name soll beibehalten werden, denn Rassismus verschwinde nicht, indem man solche Begriffe verbiete. 3 Prozent sind dagegen der Meinung, der Begriff sei rassistisch oder eine unnötige Provokation gegenüber dunkelhäutigen Menschen.

«Unangemessen, aber rechtlich unproblematisch»

Laut Gülcan Akkaya, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, verstösst der Begriff «Mohrenkopf» als solcher nicht gegen die Rassismusstrafnorm. Die Verwendung des Begriffs ist laut Strafgesetzbuch nicht strafbar und aus rechtlicher Sicht entsprechend unproblematisch. «Dennoch kann das Wort unter Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit unangemessen und verletzend sein», sagt Akkaya.

Von einem Verbot rät sie dennoch ab: «Wir können Rassismus nicht bekämpfen, indem wir gewisse Wörter verbieten.» Es sei aber wichtig, dass der Diskurs über solche Wörter geführt würde: «Wir müssen über die Bedeutung, Herkunft und Wirkung der Begriffe nachdenken.» Einen kausalen Zusammenhang zwischen der Tragödie der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und der Dekolonialisierung der Sprache herzustellen, bringe uns in der Diskussion um rassistische Diskriminierung jedoch nicht weiter, findet Akkaya.

«Als Dunkelhäutige als Sklaven gehalten wurden»

Celeste Ugochukwu, Präsident des afrikanischen Diaspora-Rates, dagegen befürwortet eine Namensänderung. Man solle dunkelhäutige Personen zwar nicht dauernd in der Opferrolle drängen, das habe auch etwas Rassistisches. Aber: «Der Name ‹Mohrenkopf› erinnert an die Zeit, als Dunkelhäutige als Sklaven gehalten wurden.» Das gelte es zu vermeiden.

Auch Patricia Purtschert, Expertin für postkoloniale Kulturgeschichte der Schweiz plädiert für einen neuen Begriff: Das «M-Wort» verweise auf eine rassistische Geschichte: «Wenn wir von Rassismus sprechen, reden wir von der transatlantischen Sklaverei, von Kolonialismus, neokolonialen Ausbeutungsformen und gegenwärtigen, rassistisch strukturierten Gesellschaften. Kurz: von enormen Verbrechen und weit reichenden Herrschaftssystemen. Und nun sollen wir nicht über eine Sprache diskutieren dürfen, die diese Gewaltverhältnisse fortsetzt?» Purtschert empfiehlt der Firma Dubler einen Wettbewerb zu lancieren, um eine neue Bezeichnung für ihr Produkt zu finden. Arbeit an der Sprache sei ein wichtiges Mittel, um Rassismus zu bekämpfen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Lang am 14.09.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Jetzt wird ein Riesen Geschrei darum gemacht. Dafür gibt es in Zürich sogar ein Café das so heisst. Soll sich das jetzt auch umbenennen? Man kann es auch übertreiben.

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  • Der ..Ohr am 14.09.2017 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsbeschaffung Mehrung Zufriedenheit

    Es freut mich dass wir in der Schweiz keine grösseren Probleme haben. Vielleicht sollten wir eine neue staatliche Organisation gründen die gezielt nach solchen "wörtlichen Verfehlungen" suchen. Sagen wir 1000 Professoren sollten zu Anfang genügen, kann dann sukzessive Ausgebaut werden, so schafft man Arbeitsplätze!

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  • Joello am 14.09.2017 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusprobleme

    Da sehen wir wieder einmal was wir für Probleme haben, dass wir solchen Quatsch diskutieren müssen. Einfach peinlich. Da es uns zu gut geht, fangen wir an uns selber abzuschaffen. Völliger Blödsinn

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara am 16.09.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schoggokuss

    Schoggokuss geht dann ? Und wieso? Weil ich mich geküsst sehen darf von einem ,,Schwarzen,,? Ist das jetzt nicht auch diskriminierend und für mich als Frau Frauenfeindlich? Oder bin ich denn schon übers Ziel hinaus geschossen??

  • Tom H. am 16.09.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schere im Kopf

    Wir erleben hier gerade live, wie man eine Schere im Kopf konstruiert. Oder wird irgendjemand noch einen Mohrenkopf essen, ohne an diese unsägliche Debatte zu denken?

  • kari burri am 16.09.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    das ende kommt

    Es ist schon Bedenklich ,wenn mann sich mit solchen KLEINIGKEITEN beschäftigt ,und unsere LEBENSGRUNDLAGE ungebremst verbaut und überrannt wird .

  • Mf am 16.09.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schoggi

    Da müsste auch Schoggi (Schokolade) umbenennt werden, ist ja auch braun, schwarz oder weiss

  • Alfred am 16.09.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch viel zu tun resp. zu ändern......na d

    Und wie sieht es mit "Pfaffen"Hut (das Wort Pfaffe gilt auch als abschätzig ) derzeit bei Migros im Angebot, aus. Dann gäbe es da noch Nonnenfürz !!! Ich finde die sehr schmackhaft