Abfall-Studie

28. Januar 2014 13:04; Akt: 28.01.2014 15:42 Print

Jeder Schweizer wirft 31 Kilo Lebensmittel weg

von Christoph Bernet - Das Bundesamt für Umwelt hat in den Kehrichtsäcken der Nation gewühlt. Noch immer landen viele verwertbare Stoffe in der Kehrichtverbrennung – vor allem Lebensmittel.

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Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat den Inhalt von 16,5 Tonnen Kehrichtsäcken aus 33 Schweizer Gemeinden untersucht. Die Analyse der Zusammensetzung des Kehrichts zeigt: Ein Fünftel der Ware, die Herr und Frau Schweizer in den Müllcontainer werfen, könnte wiederverwertet werden – insgesamt 340'000 Tonnen.

Der Löwenanteil des Hauskehrichts machen mit knapp einem Drittel die biogenen Abfälle aus. Dazu gehören neben Gartenabfällen vor allem Nahrungsmittel. Erstmals hat das BAFU den Anteil der Nahrungsmittel im Kehricht erhoben. Ergebnis: Fast ein Sechstel des untersuchten Hauskehrichts bestand aus Lebensmitteln. Die 250'000 Tonnen entsprechen jährlich über 31 Kilogramm weggeworfenen Nahrungsmitteln pro Kopf. «Das sind verschwendete Lebensmittel», sagt Michael Hügi vom BAFU.

Hoher Lebensstandard führt zu viel Abfall

Zusammen mit den Abfällen der Landwirtschaft, der Industrie und der Gastronomie werden in der Schweiz pro Jahr über 2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verschwendet. Die Anstrengungen des Bundes und der Lebensmittelindustrie, das so genannte Food Waste zu reduzieren, zeigen noch keinen Erfolg: Der Anteil biogener Abfälle ist innerhalb von 20 Jahren von 23 auf 33 Prozent gestiegen.

Die Menge des Hauskehrichts betrug im Jahr 2012 1,6 Millionen Tonnen. Das sind knapp 8 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Bezogen auf die Pro-Kopf-Abfallmenge liegt die Schweiz laut Hügi europäisch auf einem Spitzenrang. Die gute Konjunktur der letzten 40 Jahre habe zu einem stetigen Wachstum der Siedlungsabfälle geführt. «Der hohe Lebensstandard in der Schweiz führt dazu, dass die Leute viel konsumieren und entsprechend viel wegwerfen», sagt Hügi.

Trotzdem stehe das Entsorgungswesen in der Schweiz ökologisch gut da. Es sei gelungen, das Wachstum der Siedlungsabfallmenge durch eine Steigerung bei der Wiederverwertungsquote weitgehend aufzufangen, sagt Hügi. «Ungefähr die Hälfte der Siedlungsabfälle wird rezykliert, die andere Hälfte wird in Kehrichtverbrennungsanlagen umweltverträglich und unter Energienutzung verbrannt.

Shampoo-Flaschen zurückgeben

Als Antwort auf die «Initiative für eine Grüne Wirtschaft» der Grünen, die im Herbst 2012 eingereicht wurde, hat der Bundesrat einen Aktionsplan beschlossen. Damit sollen Rohstoffe effizienter genutzt und die Schliessung von Stoffkreisläufen verbessert werden.

Ein Ziel dabei sei die Reduktion des Anteils an wiederverwertbarem Abfall. Insbesondere Kunststoffverpackungen sollen vermehrt zurückgegeben werden, sagt Bernhard Hammer vom BAFU. Hier soll der Detailhandel eine wichtige Rolle spielen – zunächst auf freiwilliger Basis. Solange die gesteckten Ziele erreicht werden, brauche es keine Verordnung vom Bund.

«Wir wollen nicht in Sammelwut ausbrechen», sagt Hammer, aber dort, wo eine Wiederverwertung ökologisch Sinn macht, solle den Konsumenten zukünftig neben den PET-, Milchflaschen- und Batteriesammelstellen auch Behälter für leere Plastikverpackungen zur Verfügung stehen. Ein Pilotversuch der Migros zeige, dass dieses Angebot von den Konsumenten geschätzt werde. «Schliesslich bedeutet das keinen grossen Zusatzaufwand», sagt Hammer. Denkbar sei auch, bestehende Sammelstrukturen der Gemeinden für die Rückgabe von Plastikverpackungen zu nutzen.

Weniger Abfall dank Sackgebühren

Einen grossen Einfluss auf die anfallende Abfallmenge hat das Kostenmodell. Die durchschnittliche Abfallmenge in den 33 untersuchten Gemeinden liegt bei 184 Kilogramm pro Kopf. In den 24 Gemeinden mit einem verursachergerechten Gebührensystem liegt die Menge im Schnitt 80 Kilogramm tiefer als in Gemeinden ohne Sackgebühr. «Die Studie bestätigt erneut, dass die Sackgebühr ein Erfolgsmodell ist und die erwünschte Lenkungswirkung erzielt», sagt Michael Hügi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freddi Frisch am 28.01.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    auch umgekehrt

    Leider landet nicht nur viel Essen auf dem Müll sondern viel Müll als Essen auf unseren Tellern! Mit Plastik kontaminierte Fische, Antibiotikaverseuchtes Fleisch, mit Pestizinden versetztes Gemüse, Getränke mit Weichmachern aus der Plastikflaschen, genmanipulierte Esswaren mit unbekanntem Ausgang auf Organismen und Umwelt, künstliche Süssstoffe und demnächst auf ihrem Teller: Nahrung aus dem 3D Drucker - Bon Apetit!

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  • Silke am 28.01.2014 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haltbarkeit?

    Was mir schon seit Jahren auffällt und mich nachdenklich macht,ist wieso vor allem Früchte aber auch zum Teil Gemüse so schnell fault...mit was werden die betreffenden Lebensmittel behandelt..,? Ich mag mich erinnern das dies früher anders war ..,..

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  • Eglifisch am 28.01.2014 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner

    Wie wäre es mit mal etwas kleineren Portionen in den Regalen??? Wir sind eine zunehmende Singelgesellschaft. Die Portionen in den Verpackungen bleiben sich immer gleich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Konsument am 30.01.2014 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Mutter ist daran gestorben

    sie warf nie etwas weg. Ein Poulet wurde ihr zum Verhängnis. Sie hatte es gegessen, als es im Kühlschrank schon verdorben war, und sie ist daran gestorben. Ich esse nie etwas das abgelaufen ist, auch wenns noch geniessbar wäre. Ich denke die das Ablaufdatum rechnen mit Stunden.

  • sandro.s am 29.01.2014 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    ich nicht

    nicht jeder. ich nur ca 2 kilo die restlichen 29 schmeisst ein aderer für mich weg

  • Ueli am 29.01.2014 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ein bisschen bei sich selbst schauen

    Also beim Durchlesen dieser Kommentare staune ich schon. Wie unsensibel zum Teil mit dem Thema umgegangen wird. Zu grosse Packungen, Müll ist Privatsache, wenn ich Gebühr bezahle darf ich wegwerfen was ich will, andere (Grossverteiler und Restaurants) werfen mehr weg, usw. usw. usw. Typisch unsere Gesellschaft. Es ist einfach auf andere zu zeigen anstatt mal selber etwas zu tun. Unter dem Strich ist es halt wohl so, dass unsere Lebensmittel schlichtweg zu billig sind - erst recht wenn sie im Ausland gekauft werden. Dort (im Ausland) finden sicher unsere Jungen auch Lehrstellen....

  • Päde am 29.01.2014 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Dekadenz der Moderne

    Wir können uns in der Schweiz glücklich schätzen, dass wir seit Jahrzehnten keinen Krieg erlebt haben. Essen wegzuwerfen ist einfach ignorant. Aber wir leben in einer ignoranten Kultur, die konsumiert ohne sich Gedanken zu machen und sich nur darüber aufregt, dass der Müll "Privatsache" sei. Diese Kommentare sind absolut überflüssig und zeigen, wie beschränkt das Denken von vielen ist. Oder wie viele meinen, dass sie ihren Senf zu einem Thema dazug geben müssen, ohne dass sie ihr Verhalten selber Hinterfragen - Lemmlinge!

  • Keller Pascal am 29.01.2014 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Produzieren und konsumieren

    Ein Problem ist sicher das wir sehr viele Dinge die einfach nicht mehr so schön aussehen in den Müll werfen. Auch weil viele Leute nicht wissen das nur ein Mindesthaltpbarkeitsdatum auf der Packung steht und nicht ein Ablaufdatum wird zu vieles viel zu früh entsorgt. Gerade bei Fleisch und Milchprodukten haben die wenigsten noch einen gesunden Menschenverstand. Dazu kommt aber auch das in der Produktion ein zu grosser Überschuss vorhanden ist. Oft weil einfach die Gesetzlichen bestimmungen verhindern das auch alles in die Läden kommt. Regelungen wie Gröse von Kartoffeln und Obst usw usw