Vergessen oder Angst

12. September 2016 09:53; Akt: 12.09.2016 17:41 Print

Jeder Zehnte schwänzt die Aushebung

Viele junge Schweizer verlegen, vergessen oder verlieren das Aufgebot des Militärs oder gehen nicht – aus Angst. Das kann bis zu 1000 Franken kosten.

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Wenn junge Schweizer volljährig werden, flattert bald die Einladung zum Orientierungstag und dann zur zwei- bis dreitägigen Rekrutierung ins Haus. Was bis jetzt aber kaum bekannt war: Viele Aufgebotene gehen gar nicht. «Für uns ist das ein Problem», sagt Giordano Elmer, Kommandant des Rekrutierungszentrums Monte Ceneri im Tessin.

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Gemäss seiner Erfahrung gibt es unter anderem einen Grund, weshalb die Jungen Fernbleiben. «Viele haben Angst, zu uns zu kommen.» Alfred Widmann, Kreiskommandant Basel-Stadt, sagt dazu: «Es kommt heute vor, dass Jugendliche, die während ihres ganzen bisherigen Lebens in einem Einzelzimmer geschlafen haben, Mühe haben, in einem 4-Bett-Zimmer zu übernachten.»

Aufgebot vergessen, verlegt oder verloren

Laut Daniel Bosshard, Kreiskommandat Zürich, sei es aber vor allem Nachlässigkeit. «Sie haben den Termin nicht oder falsch eingetragen, das Aufgebot verlegt oder verloren, oder die Rekrutierung einfach vergessen.»

Wie viele das sind, wird nicht schweizweit erhoben, da das Aufbieten der Stellungspflichtigen Sache der Kantone ist. Aufgrund von Stichproben bei einzelnen Kantonen lässt sich aber sagen: Etwa 10 Prozent erscheinen beim ersten Mal gar nicht.

In städtischen Gebieten ist die Zahl höher

So sind 2015 im Kanton Zürich 5’844 Stellungspflichtige aufgeboten worden. 1053 haben die zwei Tage unentschuldigt nicht angetreten. Das sind 18 Prozent und liegt im langjährigen Mittel. Ein Viertel wird nachträglich noch dispensiert, weil sie einen guten Grund haben, wieso sie die zweitägige Rekrutierung verpasst haben. «Etwa wegen Lehrabschluss- oder Maturaprüfungen, Krankheit oder Verletzung», sagt der Zürcher Kreiskommandant Daniel Bosshard.

Er weiss, dass der Kanton Zürich mit 13 bis 15 Prozent Unentschuldigten eine ziemlich hohe Quote aufweist. «Wir haben sehr viele städtische Gebiete, dort ist die Zahl jener, die nicht zur Rekrutierung kommen, leider immer höher.»

Ein erstes Fernbleiben kostet 200 Franken

Dies bestätigt eine Nachfrage im Kanton Basel Stadt, wo ebenfalls ungefähr 10 bis 15 Prozent der Stellungspflichtigen bei der ersten Rekrutierung nicht erscheinen. Im Kanton Bern sind es 10 %, während der Kanton Luzern 7 %, das Tessin 5 %, der Kanton Baselland 3 - 4 % und der Kanton St. Gallen nur 2.3 % Säumer haben.

Was wohl den wenigsten bewusst ist: Ihr Nichterscheinen kommt sie teuer zu stehen. Beim ersten Mal zahlen sie in der Regel eine Busse von 200 - 300 Franken und beim zweiten Mal 300 - 400 Franken. Wer auch beim 3. Aufgebot nicht erscheint, erhält 500 - 600 Franken aufgebrummt – also insgesamt 1000 Franken und mehr.

Am Schluss richtet die Militärjustiz

«Es gibt nur wenige Rekrutierungspflichtige, die so einen Termin zweimal verpassen», sagt Martin Büsser, Kreiskommandant Basel-Landschaft. Dies liegt auch daran, dass die Säumer in der Regel zur Einvernahme aufgeboten und zum Fernbleiben befragt werden.

Wer auch beim vierten Mal nicht erscheint, wird der Militärjustiz übergeben. Büsser: «Das sind aber nur eine Handvoll Fälle.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni F am 12.09.2016 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    wenn die Pflicht ruft

    spielen die Jungs zu Hause Call of Duty.

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  • roger am 12.09.2016 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    wer nicht erscheint

    wird der Truppengattung mit dem höchsten Bedarf zugeordnet - Problem gelöst.

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  • Nachdenker am 12.09.2016 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Anders herum

    Mir wurde vergessen das Aufgebot zur Aushebung zu zustellen... habe dann extra da angerufen und gefragt warum alle gleichaltrigen ein Aufgebot bekommen haben nur ich nicht. Als Dank musste ich mir anhören ich hätte den Brief absichtlich verloren obwohl das definitiv nicht stimmt. Dann wurde mir Zeit und Ort genannt und als ich da war wurde mir angekreidet das ich keine Schulzeugnisse mitgebracht hatte... wurde mir nicht gesagt am Telefon aber da hiess es dann; Das steht im Brief den Sie bekommen haben. Somit lernte ich früh wie das Militär funktioniert und was ich davon halten soll ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 13.09.2016 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll oder nicht?

    Und noch dies: Wer wird bei Umweltkatastrophen gerufen und hilft den armen Mensche in absoluter Not? Wer hilft z.B. am Schwingerfest, dass es durchgeführt werden kann und eine Tradition - die auch Touristen mögen - nicht auch noch verschwindet? Fängt mit 'A' an und hört mit 'e' auf. Aber dies sind ja unsinnige Sachen oder doch nicht? ....

  • Waterpolo1s am 13.09.2016 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Land hat eine Armee ......

    Man kann für oder gegen die Armee sein . verschiedene Meinungen sind zu akzeptieren. Etwas zum Nachdenken: Jedes Land hatte eine Armee . die Frage ist nur welche . die eigene oder eine fremde ......

  • JudithJudith am 13.09.2016 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist nicht viel verlangt, dann schätzt ihr wieder d

    Was ist den los mit den Schweizer- Männer ? Ist es so schwer den Dienst und Pflicht für die Schweiz zu erbringen. Auch wenn ihr keine Lust dazu habt. Nicht alle Pflichten sind lustig. Verwöhnte Schweizer ? Nur das machen worauf man Lust hat ? Männlich ist die Einstellung nicht . Nicht böse gemeint

  • Waterpolo1s am 12.09.2016 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kameradschaft :-))))

    Wir waren im WK-Kadervorkurs und jedesmal wollten die gleichen Soldaten auch freiwillig kommen-s'Militär isch ja so en Seich ;-))Wir waren am Klöntalersee und waren in einem Haus untergebracht.Es viel mir auf,dass es draussen keinen geschützen Unterstand gab.Ich erwähnte dies und die handwerklich geschickten Mannen brachten die Idee einen für die bald kommenden Soldaten zu bauen.Gesagt getan:Ich organisierte Holz usw. und die Mannen gingen mit vollem Eifer ans Werk,machten keine Pausen und dann stand der Unterstand in seiner vollen Pracht da :-)) Kameradschaftlich für die Kameraden!!!

  • sven specker am 12.09.2016 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ausmusterung

    ich würde niemehr dahin gehen es war zwar amüsant und aufregend aber wen von 25 Männern nur 2 als Tauglich gesprochen werden kann etwas nicht stimmen und dan geben sie einen Grund an wie Du treibst zuwenig Sport in der Freizeit... so hätte ich die 2Tage lieber für ferien genutzt...