Kuckuckskinder

16. Juni 2014 06:09; Akt: 16.06.2014 08:17 Print

Jedes Baby soll zum Vaterschaftstest

von N. Glaus - Keine betrogenen Väter und keine zweifelnden Kinder mehr: In Zukunft soll bei jeder Geburt automatisch ein Vaterschaftstest erfolgen. Das fordert eine Selbsthilfegruppe.

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«Heute wird alleine das Interesse der Mütter geschützt.» Diese Einseitigkeit sei unhaltbar, sagt Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes der Schweizer Männer und Väterorganisationen. (Bild: colourbox.de)

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Experten schätzen, dass in jeder Schulklasse mindestens ein Kuckuckskind sitzt. Deshalb fordert Ludger Pütz, Gründer des «Kuckucksvaterblogs» und einer Facebook-Selbsthilfegruppe auf Facebook, dass der Staat bei der Geburt jedes Kindes einen Vaterschaftstest durchführt. Damit soll sichergestellt werden, dass alle Kinder erfahren, wer sie sind und woher sie kommen: «Scheinväter und Kuckuckskinder entwickeln eine Beziehung zueinander und, eines Tages, kommt – warum auch immer – die Wahrheit zu Tage und alles steht in Frage.» Dies würde eine emotionale Katastrophe auf beiden Seiten auslösen, erklärt Pütz. Zudem hätten leibliche Väter nahezu keine Möglichkeiten, ihre Kinder zu sehen, wenn bereits ein anderer Mann als gesetzlicher Vater eingetragen ist und die Kindsmutter den Kontakt verbietet.

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«Damit wären viel Streit und Diskussionen aus der Welt»

Oliver Hunziker, Präsident des Vereins verantwortungsvoll erziehender Väter und Mütter (VeV), würde die automatischen Vaterschaftstests begrüssen: «Damit wären viel Streit und Diskussionen aus der Welt.» Heute müssten Männer ihre Beziehung riskieren, um herauszufinden, ob sie wirklich der Vater eines Kindes sind. «Wenn der Mann von sich aus etwas unternimmt, um die Vaterschaft zu prüfen, schürt dies Misstrauen.» Wenn der Staat aber jedes Baby testen würde, gäbe es dieses Misstrauen nicht mehr, ist Hunziker überzeugt.

Heute herrscht laut Hunziker ein grosses Ungleichgewicht. Legal habe der Mann keine Möglichkeit, von sich aus die Vaterschaft zu prüfen. Die Mutter – «die vielleicht nicht ehrlich ist» – sei die Einzige, die darüber entscheiden könne, erklärt Hunziker.

Momentan dürfen in der Schweiz nur Vaterschaftstests durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten – Mutter und Vater - damit einverstanden sind. Ist das Kind bereits 15 Jahre alt, muss auch dieses einwilligen (siehe Box). Heimliche Vaterschaftstests sind verboten und werden als Offizialdelikt verfolgt. Vaterschaftstests, die nicht richterlich angeordnet sind, sind zudem vor Gericht nicht zugelassen. Bekommt ein Ehepaar ein Kind, dann wird automatisch der Ehemann als Vater anerkannt.

Vaterschaftstest auch ohne Einwilligung der Mutter

Von einem Ungleichgewicht redet auch der Präsident des Dachverbandes der Schweizer Männer und Väterorganisationen, Markus Theunert: «Heute wird alleine das Interesse der Mütter geschützt.» Diese Einseitigkeit sei unhaltbar.

Jeder Mann müsse zu jedem Zeitpunkt das Recht auf Abklärung haben, ob er der biologische Vater ist oder nicht. Trotzdem: Ein staatlich verordneter, automatischer Vaterschaftstest bei der Geburt erachtet Theunert als übertrieben. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, jedem die Wahrheit aufzuzwingen: «Wenn die Beteiligten nicht zweifeln, dann gibt es auch keinen Grund, dass der Staat eingreift.»

Ein vertraulicher Vaterschaftstests sei demnach die bessere Lösung. Wenn der Mann einen konkreten Verdacht hat oder ein ungutes Gefühl, dann soll er auch ohne Einwilligung der Mutter einen Vaterschaftstest durchführen können. Damit würde er für sich selber Gewissheit erlangen.

«Jeder muss für sich selber Verantwortung übernehmen.»

Als «unnötig und übertrieben» bezeichnet Anna Hausherr vom schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter die Forderung der automatischen Vaterschaftstests: «Jeder Mann hat heute die Freiheit, selber zu entscheiden, dass er nicht Vater werden will.» Wer kein Kind will, könne dies mit Verhütungsmitteln verhindern. In diesem Sinne müsse jeder für sich selber Verantwortung übernehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lisa am 16.06.2014 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so Väter, wehrt euch

    Richtig, die Seele der Kinder soll geschützt und die Rechte der Väter gewahrt werden, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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  • n Nandos am 16.06.2014 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vaterschaft

    Ja, aber sicher wird auch Zeit dafür Väter nicht länger misbrauchen für Unterhalt. Was müssen das für Mütter sein. Kriminelle oder was.

  • Ananja am 16.06.2014 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Der getretene Mann

    Vaterschaftstest JA!Ich find es krass, wie Frauen auf Gleichberechtigung im Lohn bestehen und wie in den Urteilen den meisten Frauen recht gegeben wird (ausser der Mann ist reich)! Der Mann ist der Samen Spender und wird legal von der Frau ausgeschöpft. Wenn ein Mann zahlen müsste und eh die Kinder nicht hat, dann muss ein Vaterschaftstest her und ich bin für ein neues Gesetz. Und ich bin nicht dafür, dass man für Kinder bezahlen muss, die man eh nicht hat!! Mehr Menschenrechte für den, der das Kind bezahlen muss. Wie unmenschlich wenn man ein Kind hat und dann im Existensminimum lebt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tammy am 16.06.2014 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    ähm, was soll das

    Mit einem automatischen Test unterstellt man jeder Frau, dass sie potenziell ihren Partner betrogen hat. Gut legen wir gleich eine Datenbank an, dann kann der richtige Vater auch gleich gefunden werden und wir sehen wer auch betrogen hat. Kriminalistisch ist das auch gleich ein Traum, denn irgendwann ist jeder in der Schweiz Geborene mit seiner DNA im System.

  • Mami am 16.06.2014 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber früh als spät

    Ich war so stinksauer als mein damaliger Freund ein Vaterschaftstest gleich nach der Geburt wollte. Es sah so aus, als hätte ich mit jedem was gehabt, dabei war es gerade umgekehrt. Für mich ging das in diesem Moment gar nicht, doch heute bin ich froh darüber, denn das Kind ist noch ein Baby und realisiert es nicht. So gibt es nie Diskussionen und Zweifel darüber auch nicht vor dem Kind, welches sich davon stark unerwünscht vorkommen würde...

  • Mutter am 16.06.2014 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    (K)ein Problem

    Vaterschaftstest gleich nach der Geburt... Ja, wieso nicht...? Jedoch nach Jahren in welcher eine so starke Bindung entstanden ist, zu Erfahren dass der Vater nicht der leibliche ist, schadet beiden, Kind und Vater...aber wenn Antworten gesucht werden, sollte man auch das Recht dazu haben.

  • Ghino di Punta am 16.06.2014 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr geeherte Frau

    Hausherr. Bevor ich mindestens 250000.- Chf in 20 Jahren rausgeben sollte wurde ich im Zweifelsfall gerne wissen ob das Kind meins ist oder nicht. Sollte es so nicht sein soll gefaelligst der Erzeuger sich damit beschaeftigen und falls verheiratet noch gegenueber eine Dritte gerade stehen. Das heisst Verantwortung fuer die eigene Taten uebernehmen. Alles andere ist nur leeres bla bla.

  • Frau Schlau am 16.06.2014 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Väter, wehrt euch endlich!

    Der Staat ist an so einer Lösung nicht interessiert.Dem Staat geht es nicht darum, dass Kinder ihren Vater haben. Es geht lediglich darum, jemanden zu haben, der den Unterhalt des Kindes sichert.Das ist die einzige Rolle, die Väter vor dem Staat einnehmen. Es würde die Gemeindekassen ziemlich belasten, wenn zig Kinder mit unbekanntem Vater durchgefüttert werden müssten. Als Frau finde ich es beschämend, wie mit Vätern in der Schweiz umgegangen wird. Dass ein Vater nicht mal selbst bestimmen kann, einen Vaterschaftstest machen zu lassen, kann mit nichts entschuldigt werden. Väter wehrt euch!