English please!

15. April 2015 09:36; Akt: 15.04.2015 15:39 Print

Jetzt kommt die Berufslehre auf Englisch

von Florian Meier - Diesen Sommer werden in Zug etwa 25 Jugendliche eine Lehre auf Englisch beginnen. Das Modell soll sich auch im Rest der Schweiz durchsetzen.

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Rund 25 Lehrlinge bekommen ab diesem Sommer die Instruktionen ihres Lehrmeisters auf Englisch. (Bild: Colourbox)

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Wer im heutigen internationalen Umfeld bestehen will, muss Englisch können. Schweizer Unis und Fachhochschulen bieten ihre Abschlüsse zunehmend auf Englisch an. Und auch die zweisprachige Maturität, in deren Rahmen Fächer wie Mathematik oder Biologie auf Englisch unterrichtet werden, hat sich längst etabliert. Jetzt erreicht dieser Trend auch die Berufslehre. Diesen Sommer werden in Zug die ersten Jugendlichen eine KV- oder Informatiklehre auf Englisch in Angriff nehmen. Das berichtet das SRF-«Regionaljournal».

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Während der Lehre soll im Betrieb fast ausschliesslich Englisch gesprochen werden. Das heisst: Die Mails der Kollegen werden genauso in der Weltsprache beantwortet wie die Telefonanrufe der Kunden. Auch der Unterricht in der Berufsfachschule findet auf Englisch statt. Dafür müssen eigens Lehrpersonen ausgebildet und Lehrmittel übersetzt werden. Ausserdem haben die Lernenden die Möglichkeit, einen vierwöchigen Sprachaufenthalt zu machen. Gesamtkosten für das neue Angebot: rund 2 Millionen Franken.

Glencore und PwC machen mit

Laut Bruno Geiger, Projektleiter beim Zuger Amt für Berufsbildung, sollen mit den mehrheitlich in Englisch geführten Lehren einerseits fremdsprachige Jugendliche angesprochen werden, die neben Deutsch ohnehin schon Englisch sprechen. «Andererseits wollen wir aber auch Schweizer Jugendliche erreichen, die besondere Freude an dieser Sprache haben.»

«Viele internationale Firmen bieten in der Schweiz kaum Lehrstellen an, weil die Betriebssprache Englisch ist und die Betreuungspersonen zu wenig gut Deutsch sprechen», so Geiger. Mit der neuen Lösung seien sie jetzt eher bereit, Lernende einzustellen. So beteiligen sich verschiedene grosse Unternehmungen wie Glencore oder PwC am Programm.

Hans-Ulrich Bigler vom Schweizerischen Gewerbeverband ist von der Idee begeistert. «Viele internationale Grossunternehmen kennen unser duales Bildungssystem gar nicht und verstehen nicht genau, was eine Berufslehre eigentlich ist.» Durch die neue Lehre kämen zunehmend internationale Top-Manager mit den Lehrlingen in Kontakt. «Das führt dazu, dass die Anerkennung eines Schweizer Lehrabschlusses bei internationalen Unternehmen im In- und Ausland steigt.» Damit stiegen auch die Chancen der Lehrlinge auf eine internationale Karriere.

Bestrebungen auch in anderen Kantonen

Auch Chantal Galladé, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Kaufmännischen Verbandes Winterthur, ist vom Zuger Projekt angetan. Sie würde es begrüssen, wenn das System auch in anderen Kantonen eingeführt würde. «Das würde der gesamten Wirtschaft nützen, denn die heutigen Unternehmungen sind auf Fachleute angewiesen, die auch Fremdsprachen beherrschen.» Tatsächlich ist der Kanton Zug nicht der einzige, der auf englische Lehren setzt: In Genf ist eine Lehre auf Englisch bereits heute möglich. Und auch in Schaffhausen werden schon bald die ersten Lehrlinge tagtäglich Englisch sprechen im Betrieb.

In Zürich gibt es für KV-Lehrlinge bereits seit 2011 die Möglichkeit, die Berufsfachschule bilingual zu absolvieren – jedoch ohne dass dabei auch im Lehrbetrieb Englisch gesprochen würde. René Portenier, der Rektor der KV Zürich Business School, spricht von einem grossen Erfolg: «Lehrlinge aus allen Branchen interessieren sich für die zweisprachige Ausbildung.» Inzwischen würden fünf Klassen in allen Fächern zum grössten Teil auf Englisch unterrichtet und 20 bilinguale Lehrer beschäftigt. «Wir waren die Vorreiter in diesem Bereich – es verwundert mich nicht, dass nun andere Kantone nachziehen.»

Bürgerliche Politiker sind skeptisch

Wenig begeistert von dieser Entwicklung ist SVP-Nationalrätin Verena Herzog. Sie befürchtet, dass der Druck auf Lehrlinge und Betriebe zunehmen wird, auf internationale Lehren zu setzen. «Unter den Lehrlingen könnte der Eindruck entstehen, dass eine Lehre auf Deutsch weniger wert ist.» Bestehe tatsächlich ein Bedürfnis, könne man solche Lehrstellen vereinzelt anbieten.

Ihr Parteikollege Jürg Stahl befürchtet, dass wegen des vielen Englisch andere Gebiete zu kurz kommen könnten. «Die Lehrlinge sollen vor allem fachliche Kompetenzen entwickeln und sich nicht ständig mit einer Fremdsprache herumschlagen müssen», sagt er.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Totti am 15.04.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    oh man...

    Ich komme gar nicht nach mit der Weiterbildung. Mein Marktwert wird immer geringer. Wenn es so weitergeht werden Kinder noch im Chindsgi Englisch lernen und Deutsch gehört der Vergangenheit an, von Schwiizerdütsch ist schon heute gar nicht mehr die Rede.

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  • Mike Schmid am 15.04.2015 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsch-Englisch.Chinesisch

    Englisch ist von gestern: die Zukunft ist Chinesisch, also sollte man die Lehre auch gleich auf Chinesisch machen, damit sich die staatlichen chinesischen Grosskonzerne in der Schweiz wohl fühlen. Aber ist ja heute schon so, viele meinen ja heute schon bei deutschen Texten es sei Chinesisch. ;-)

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  • charmin am 15.04.2015 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich..

    .. die zeit zurückdrehen könnte, würde ich die Lehre ebenfalls auf Englisch machen. So hätte mich mir viel Geld und Zeit eingespart für Englisch-Kurse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Del Piero am 16.04.2015 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nein...

    ...das soll sich hier gar nicht durchsetzen. Es zieht wohl nur noch mehr Englischsprachige an welche sich hier niederlassen wollen.

  • Walter am 16.04.2015 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf mit dieser Veramerikanisierungs

    -Diktatur. Die Leute haben nach der CH-Lehre noch genug Zeit, sich an einer Weiterbildung zu beteiligen - Arbeitsplätze werden sowieso immer mehr eine Mangel-Ware, und da schadet es nichts, Aus- und Weiterbildung mit einer längerer Ausbildungszeit oder Studium-Zeit zu verlängern.

  • aargau er am 15.04.2015 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    In welchem Land leben wir eigentlich?

    Nicht in England, Amerika, oder sonstwo. Was mir zu denken gibt ist, dass von den Ausländern verlangt wird sich zu integrieren. Wenn sie aber bei der Arbeit englisch reden müssen, lernen sie unsere Sprache gar nicht. Wo ist die Integration?

    • Tommy am 15.04.2015 22:55 Report Diesen Beitrag melden

      Planet Erde

      Wir leben aber auch auf dem Planeten Erde und nicht auf dem Planeten Schweiz. Und auf dieser Erde ist Englisch nun mal die unangefochtene internationale Umgangssprache. Da unsere Wirtschaft stark auf Export und Tourismus ausgelegt ist, sind Kenntnisse der Weltsprache unverzichtbar. Wenn Sie also nicht zu einer Bergbauernwirtschafts mit Wohlstandsniveaus wie im ländlichen Rumänien wechseln wollen, brauchen grosse Teile unserer arbeitenden Bevölkerung einfach gute Englischkenntnisse.

    • aargau er am 15.04.2015 23:20 Report Diesen Beitrag melden

      Die Weltsprache ist nicht Englisch

      Sondern Esparanto. Zudem sind Englisch sprechend nur ein kleiner Teil der Menschen der Erde. Der grösste Teil spricht Chinesisch. Portugiesisch und Spanisch ist ebenfalls noch vor Englisch. Die arrogante Sprache Englisch gehört nicht in unser Land, sondern unsere 4 Landessprachen und davon sollten wir mindestens 2 beherrschen. Englisch ist bloss Beigabe und für nicht technische oder handwerkliche Berufe nicht zwingend. Es bestehen sogar Gefahren. Im Cern sprechen sie nur gebrochen Englisch. Man stelle sich vor, dass wegen eines Missverständnisses ein schwarzes Loch entsteht!

    • Tommy am 16.04.2015 00:09 Report Diesen Beitrag melden

      @aargau er

      Nur spricht niemand Esperanto und soweit ich weiss ist es nur für europäische Muttersprachler einfach, für Chinesen oder Araber nicht (könnte mich täuschen, so oder so hat es sich nicht durchgesetzt). Englisch hat am drittmeisten Muttersprachler nach Mandarin und Spanisch. Bei Mandarin leben aber fast alle Sprecher in China+ca. 5-10 andere Länder, ausserhalb davon kann es so gut wie niemand. Englisch wird von 400Mio Leuten in Ländern gesprochen wo es keine Landessprache ist, bei Spanisch 15Mio. Franz wird (inkl. Muttersprachler) von nur 274Mio gesprochen, Deutsch von 145. Englisch von 1.2Mia!!

    • Raul am 16.04.2015 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Tommy

      Ob 5 Milliarden Chinesisch oder Isländisch sprechen, es ist Wurst. Es wird trotzdem in jedem Land die Landessprache(n) gesprochen. Wer sie nicht kann hat Pech gehabt.

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  • Jonathan Acker am 15.04.2015 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlos - Auslandaufenthalt machen

    Sorry, aber das ist gequirlter Schwachsinn. Wer in einem Grossunternehmen wie PWC oder Glencore arbeitet ist ja automatisch schon mit der Sprache konfrontiert. Aber mit seinen Schweizer Kollegen wird er dann hoffentlich schweizerdeutsch sprechen. Alles andere wäre bizarr und der Mehrwert wäre auch nicht gegeben. Wieso können diese Lehrlinge nicht einfach einen Auslandaufenthalt machen?

    • Tommy am 15.04.2015 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      2 Paar Schuhe

      Auslandaufenthalte sind hervorragend und oft auch schon fester Bestandteil der Ausbildung. Beim KV Aarau z.B. absolvieren alle Lehrlinge einen 2 wöchigen Auslandaufenthalt wahlweise in Frankreich oder Grossbritannien. Weiss aber nicht ob das an anderen KVs auch so ist. Dort lernt man aber etwas anderes als in der Schule. Sprachaufenthalte sind da um Redepraxis zu kriegen und sind vor allem auf Alltagsgespräche ausgelegt. In einer englischsprachigen KV-Lehre würde man z.B. IFRS-Accounting, also internationale Buchhaltungsstandards mit den zugehörigen englischen Begriffen, lernen.

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  • D@ni am 15.04.2015 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht zu ende gedacht....

    Warum jetzt in etwas ausbliden was eigentlich schon längst nicht mehr ein grosses thema sein sollte? gäbe es die fed nicht, wäre das thema schon längst gestorben und andere sprachen wären angesagt. ein wenig beängstigend diese entwicklung. man steigt ja auch nicht in einen zug wenn man weiss der wird in den nächsten stunden entgleisen weil die wartungen komplett fehlen. das selbe ist es mit dem englisch. da sind die ach so tollen usa, aber die stehen kurz vor dem total absturz. bitte erklärt mal diese idee. was soll das bringen? 3-4 jahre lehre und dann sind vieleicht schon am ende. was dann?

    • Martin Fehlmann am 15.04.2015 20:20 Report Diesen Beitrag melden

      English ist nicht gleich USA

      English ist die gemeinsame Sprache in Internationalem Umfeld, sowohl Business als auch Privat. Selbst wenn der Grossteil der Menschen Chinesisch spricht, wird sich dies zu unserer Lebzeit nicht ändern. Damit hat die US Wirtschaft nicht viel zu tun.

    • Martino P. am 16.04.2015 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur aber hauptsächlich

      Doch vorallem hat die US Wirtschaft damit zu tun. Ich wage schwer zu behaupten dass wenn es die USA nicht gäbe oder diese zumindest eine andere Sprache (neben der Gewalt) sprechen würde, dann wäre die Weltsprache sicher nicht die Englische.

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