Jugendpsychiatrie

31. Dezember 2017 22:58; Akt: 03.01.2018 14:07 Print

Mädchen werden häufiger stationär behandelt

von T. Mathis - 60 Prozent der stationär behandelten Jugendlichen sind weiblich. Grund ist die Selbstgefährdung. Buben werden eher erzieherisch betreut.

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2528 Kinder und Jugendliche wurden 2015 stationär in einer Klinik psychologisch behandelt, wie eine Studie des Spitalverbands H+ zeigt. Davon waren knapp 60 Prozent Mädchen und 40 Prozent Buben. Fast vier von fünf waren länger als sieben Tage in der Psychiatrie.

Dass Mädchen häufiger stationär behandelt werden, ist für Chefärztin Dagmar Pauli nicht erstaunlich. Die Kinder- und Jugendpsychiaterin leitet die Jugendabteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und hat täglich mit jungen Patientinnen zu tun. «Bei Mädchen treten Suizidgedanken und Depressionen häufiger auf, insbesondere während und nach der Pubertät», so Pauli. Buben würden eher an Aufmerksamkeitsstörungen leiden, was in den meisten Fällen ohne stationären Aufenthalt behandelt werden könne.

«Mädchen suchen schneller Hilfe»

Zudem würden junge Frauen psychologische Schwierigkeiten eher zeigen als Buben. «Mädchen suchen schneller Hilfe», so die Psychiaterin. Im Spital blieben Jugendliche nur dann, wenn eine konkrete Gefahr bestehe und die psychische Störung sehr gravierend sei. Eine stationäre Behandlung dauere zwischen einigen Tagen und mehreren Monaten.

Raphael Eisenring, stellvertretender Chefarzt bei den Psychiatrischen Diensten Aargau, sieht den Grund für die unterschiedliche Häufigkeit ebenfalls bei den Krankheitsbildern: «Mädchen zeigen in der Pubertät vermehrt Störungen, deren Behandlung einen Spitalaufenthalt nötig macht, unter anderem auch zu ihrem Schutz.» Beispiele dafür seien Suizidgedanken, Selbstverletzung und verschiedene Formen von Essstörungen mit Gewichtsverlust.

«Es gibt eine Unterversorgung»

Der Anteil von Mädchen mit stationärer Behandlung ist grösser, obwohl Buben laut internationalen Studien häufiger psychisch erkranken. Sie legen eher oppositionelles Verhalten, Unruhe sowie verbale oder physische Gewalt an den Tag. Im Unterschied zu jungen Frauen werden sie deshalb öfter erzieherisch betreut oder gar jugendstrafrechtlich belangt.

Eisenring kritisiert, dass die Schweiz im Bereich der Jugendpsychiatrie deutlich unterversorgt sei und es insbesondere zu wenig ambulante Behandlungsplätze gebe. Die Grund dafür sei hauptsächlich, dass psychische Erkrankungen bei Jugendlichen nach wie vor stigmatisiert würden. Das wirke sich auch auf die Gesellschaft aus: «Unbehandelte oder zu spät behandelte psychische Erkrankungen sind einer der häufigste Gründe für Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit und im Zusammenleben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Scherenschleifer am 31.12.2017 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Rettet die Jugend !!

    Dass ist der Spiegel unserer egoistischer und geldgeilen Gesellschaft wo es für einander kein Platz gibt, nur importierte a la hollywood verpackte Lebensweise. Die junge Menschen tun mir Leid, falsche Werte brutales verbales Verhalten von ebenfalls jungen Mitmenschen sowie unerträglicher Leistungsdruck und vorallem Socialmedia. Rettet unserer Jugend und beginnt endlich diese auch zu erziehen. So geht es nicht weiter!

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  • Edith am 31.12.2017 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Eltern vermasseln die Kinder

    Sehr richtig, Jugendliche mit schwierigen Eltern brauchen rechtzeitig alternative Muster um zu einem kraftvollen, glücklichen und erfüllten Leben zu finden. Daher braucht es Unterstützung von positiven Vorbildern.

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  • Frau Meier am 01.01.2018 01:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behandlung

    Bei mir wurden psychische Probleme aufgrund von Gewalt durch die Eltern nicht behandelt in meiner Jugend. Man musste die Fassade aufrecht erhalten. Heute kämpfe ich mühselig darum, wieder gesund zu werden. Bitte bringt eure Kinder oder Schützlinge in eine Behandlung, bevor es zu spät ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 32 am 02.01.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Ernesto Che Guevara am 01.01.2018 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wird noch schlimmer

    Naja was soll man in einem System erwarten, wo das Kapital und nicht der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Zukunft wird noch schlimmer werden. Vive la Revolution!

    • marko 32 am 02.01.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ernesto Che Guevara

      Krass

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  • xena89 am 01.01.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :(

    frauen richten tendenziell die wut gegen sich, männer gegen aussen. die spaarmassnahmen sind ein trauriges thema. eine klinik hat ein budget würde dieses für sinnvolle bereiche eingesetzt und nicht etwa für usm- möbel die all 5 jahre erneuert werden oder kaffemaschine für 10,000 fr pro station, währe das personalproblem auch schon gelöst.

  • Louise am 01.01.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Medizin

    Wir brauchen eine neue Medizin. Die üblichen Psychopharmaka sind Gift für Körper, Geist & Seele und richten häufig mehr Schaden an, als dass sie nützen. Bei mir zum Beispiel zeigte sich als Nebenwirkung "dementartige Vergesslichkeit" nach 2 Jahren Lorazepam 1mg (Angstlöser) (niedrigdosiert) täglich. Dies stand NICHT auf der Packungsbeilage! Das habe ich im Nachhinein in einem online Forum erfahren.

  • Feiveline am 01.01.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kind wieder Kind sein lassen

    In unserer Gesellschaft ist es wichtig alke Teends mitzumachen. Besonders die Mädchen, wie erst in den ketzten Tagen diskutiert, mit 12 schon die Haare wegwachsen usw. Zum Ballett, Reiten, Golfen usw. Medienaktuell, wenn man nicht mitgalten kann, ist man nicht Gesellschaftsfähig, der das fördert, sollte dann auch die Psyscholoigischen Kosten tragen, die Eltern, besonders Mütter, die sind für diese Erziehung zuständig, sind meist überfordert, lassen alles zu. Wir müssten schon wieder Mal zu den Grundwerten eines Kindes zurückkehren und nicht den Computer als(Babysitter)benutzen.

    • Schneefrau am 02.01.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      ja, aber

      Zum zweiten Teil Ihrer Aussagen: Habe beide Kinder mit viel Natur, viel draussen sein, wenig Konkurrenz erzogen. (Schule und Ufzgi natürlich schon, das muss man ja, wie man auch im Erwachsenenleben nun mal dies und das muss.) Eine Frau, die für die Kesb arbeitet, sagte zu einem meiner beiden Kinder: "Hast du denn keine Playstation?" --- Ja, tönt absurd und wenig glaubwürdig. Aber genau so war's! Inzwischen haben beide die Lehre erfolgreich abgeschlossen. Und gestalten ihre Freizeit immer noch mit eher wenig Medienkonsum, dafür mit Freude an der realen Welt.

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