Jugendstudie

20. Oktober 2015 15:06; Akt: 20.10.2015 15:06 Print

Junge Männer setzen auf Gefühle statt Macht

von B. Zanni - Eine neue Studie zeigt: Junge Männer legen mehr Wert auf Gefühle als auf Geld und Macht. Autoritäre Entscheide seien nicht mehr gefragt, sagen Experten.

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Buben und junge Männer verfolgen heute ähnliche Ziele wie ihre weiblichen Kolleginnen. (Bild: Colourbox.com)

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Die Karriereleiter emporklettern, Chef einer Firma werden und ein dickes Auto fahren: Immer weniger Heranwachsende malen sich ihre Zukunft so aus. In der neuen Shell-Jugendstudie halten nur 33 Prozent der jungen Leute Macht und Einfluss für ein erstrebenswertes Ziel. 78 Prozent ist es wichtiger, sich bei Entscheidungen auch nach Gefühlen zu richten, als einen hohen Lebensstandard zu haben. Und gegenüber einem hohen Einkommen haben für die Befragten Fleiss und Sicherheit Priorität. Für die Studie wurden Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren befragt.

«Die Welt wird weiblicher», schrieb die «Zeit»-Autorin Parvin Sadigh als Reaktion darauf. Dies gelte nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Arbeitswelt. Früher hätten sich Frauen, die Karriere machen wollten, den Männern anpassen müssen: «60 Stunden in der Woche arbeiten, cool auftreten im Meeting.» Heute habe diese zur Schau gestellte Männlichkeit zunehmend ausgedient. Die Jugend wolle ohne diese «Ellbogenmentalität» durchs Leben gehen.

Geschlechterneutrale Erziehung

Sascha Neumann, Professor für Bildungsforschung an der Universität Freiburg, überrascht der männliche Wertewandel nicht. Er führt dies auf die geschlechterneutrale Erziehung zurück. «Heute schreiten die Eltern zum Beispiel nicht mehr ein, wenn der Sohn mit Puppen spielen will.» Neumann geht davon aus, dass das mehrheitlich weibliche Personal der Kinderkrippen und Schulen das Denken der Jungen ebenfalls beeinflusst.

Einen weiteren Grund sieht der Professor in der Entwicklung der Gesellschaft. «Autoritäre Entscheide und Befehle, die als typisch männlich gelten, werden nicht mehr ohne Weiteres akzeptiert.» Stattdessen arbeiteten die Menschen konsensorientiert. Dass Karriere zu machen bei den jungen Männern keine Priorität hat, deutet er zum Teil als Wohlstandseffekt. «Sie glauben, durchaus auch ohne Karriereambitionen später genug Geld zum Leben haben zu können.»

In den sozialen Medien spielten Emotionen eine grosse Rolle und die Medien würden Ereignisse schneller skandalisieren. Ihm fällt zudem auf, dass junge Männer in den Casting-Shows ein «weibliches» Verhalten an den Tag legen. «Sie reagieren emotional, zeigen sich euphorisch und vergiessen Tränen.»

«Die Buben sind unter Druck»

Männervertretern bereitet diese Entwicklung Sorgen. Michel Craman, Präsident des Männervereins Mannschafft, vermutet, dass die Jungs sich nur so verhielten, weil sie aus Angst vor Vorwürfen unter Druck stehen. «An den traditionellen Männern haftet schnell das Bild des Machos, der nur über Fussball redet und sich zuhause nach der Arbeit auf die faule Haut legt.»

Craman hat den Eindruck, dass die Gesellschaft die Buben in ein Schema drängt, das ihnen nicht entspricht. «Die Buben werden verweichlicht.» Er verstehe nicht, warum sie mit Puppen spielen müssten. «Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau.» Laut Craman ist der männliche Nachwuchs heute verunsichert. «Die Männer haben während der Emanzipation der Frau verschlafen, ihre Rolle neu zu definieren.» Es sei an der Zeit, dass sie sich zum gemeinsamen Handeln solidarisierten.

Gleichstellung ist in weiter Ferne

Sascha Neumann leitet aus den Studienergebnissen nur Positives ab. Die Gesellschaft bewege sich auf der Ebene der Werte eher auf eine Angleichung der Geschlechterrollen zu. «Je egalitärer mit dem Geschlecht umgegangen wird, umso mehr Freiheit bedeutet dies letztlich für Frauen und Männer.»

Auch Craman ist ein Anhänger der Gleichstellung. Er sieht aber noch viel Handlungsbedarf. «Das Ziel ist erst erreicht, wenn der Vater der Tochter einen Radwechsel beibringt genauso wie die Mutter den Sohn das Kochen lehrt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Assi Toni am 20.10.2015 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Egal wie Manns macht...

    Mann machts verkehrt rum. Die Frauen wollen einerseits einen Mann der Gefühle zeigt und zulässt, handkehrum dann wieder einen der das Geld verdient, Sicherheit gibt und alles kann. Versteh da mal einer warum Männer verunsichert und immer mehr Frauen in unserer Generation unzufrieden sind.

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  • Hr. Gauss am 20.10.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Verweichlicht?

    Warum wird nun wieder von 'verweichlicht' gesprochen? Ist doch tiptop wenn Knaben mit denjenigen Spielzeugen spielen dürfen, welche sie am interessantesten finden. Ebenfalls finde ich es gut, wenn man eine Karriere zumindest hinterfragt und es ist absolut okay, wenn man sich dagegen entscheidet - es gibt anderes im Leben, jeder so, wie es ihm passt. Wenn ich den Artikel lese scheinen mir die Jugendlichen nicht verweichlicht worden zu sein, sondern schlicht mehr Wert auf das Leben - das Hier und Jetzt - zu legen, sowie nicht einfach alle stupide akzeptieren zu wollen. Klingt doch alles gut.

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  • Jules am 20.10.2015 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    110%?

    Komische Studie bei der 110% befragt wurden. ;) Traue nie einer Studie welche du nicht selbst gefälscht hast.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 21.10.2015 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich...

    ...ist es logisch, dass sich ein Homosexueller darüber freut, wenn die Männerwelt weiblicher wird. Aber sonst? Aus welchem Grund sollte mich das freuen? Na gut, vielleicht deshalb, weil die Konkurrenz kleiner wird.

  • D.B. am 21.10.2015 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Froh

    Bin ich froh, dass mein Sohn (11) nicht mit Puppen spielt und nie mit Puppen gespielt hat! Dabei haben wir es ihm nicht verboten.

  • Jean-Pierre Wüthrich am 21.10.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung ist ein MUSS

    Wenn man nur eine Lehre macht und danach Geld verdient, ist es in der heutigen Zeit vielleicht Gut und Recht, aber wenn man älter ist, hat man das Nachsehen. Ich bildete mich erst mit 45 zum Buchhalter mit Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis, weil ich war damals lange Zeit arbeitslos und da ist man sonst weg vom Fenster.

  • humsie am 21.10.2015 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern dich

    Nun ja kann man halten davon was man will aber besser wirds werden;) Wir sind technologisch schon so weit dass die männliche kraft überflüssig wird in den meisten Bereichen.. Auch muss Mann nicht mehr seine Familie alleine ernähren... Antiautoritär finde ich sehr gut vieleicht findet dann mal endlich ein Wandel in der Gesamten Arbeitswelt Politik und Gesellschaft statt! Wäre zu begrüssen dass alle am selben strang ziehen und dieses obenherab verschwindet in die Geschichtsbücher.. Wird eh höchste Zeit dass sich die Menscheit grundlegend ändert wen sie fortbestehen will..

  • andere zeiten am 21.10.2015 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    wird auch zeit

    ich will keinen geldautomaten, ich will einen partner haben! mir ist lieber, WIR verdienen ein paar tausender weniger, dafür haben wir zeit füreinander. wir schmeissen gemeinsam den haushalt, wir sind füreinander da, wir akzeptieren unsere macken und haben spass zusammen. meine eltern hatten eine typische hausfrau-berufstätiger ehemann beziehung, sprich er war für uns kinder kaum da. das will ich nicht, ich will dann mal nicht alleine mit den gofen zuhause hocken während er arbeitet. ich hab dafür ja auch mehr "männliche" aufgaben übernommen, da darf er auch ein wenig "weiblicher" sein!

    • DAB+-Autoradio-Fachmann am 21.10.2015 15:23 Report Diesen Beitrag melden

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      @andere Zeiten. Ich teile Deine Meinung zu 100 %. So ist es gut.

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