Todesstrafe für Analverkehr

28. Juni 2017 11:08; Akt: 29.06.2017 08:02 Print

Jungscharen hetzen gegen Schwule

von B. Zanni/P. Michel - Der freikirchliche Verband der Jungscharen verteufelt die Homosexualität. Politiker und Beratungsstellen fordern ein Verbot.

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Seit den 90er-Jahren unterstützt der Bund den BESJ, dem über 15'000 Kinder und Jugendliche angeschlossen sind, finanziell. Sie stellten gerne eine Themenkonkordanz «zeitgemässer Begriffe» zur Verfügung», kündigt der BESJ das Dossier auf seiner Website an. Mit «Hilfsmitteln» unter der Rubrik Homosexualität sollen die Leiter der Teenie-Gruppen beim Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen BESJ in den Andachten die Homosexualität aufgreifen. «Organisationen mit einem solch extremistischen Gedankengut haben in der Schweiz nichts verloren», sagt SP-Nationalrat Angelo Barrile. Es müsse verboten werden, dass Jugendorganisationen solche Aussagen verbreiten könnten. Auch SP-Nationalrat Mathias Reynard ist schockiert. Er fordert, dass auf den BESJ Druck ausgeübt wird, solch homophobes Gedankengut ab sofort nicht mehr zu propagieren. Patrick Weber, Programmleiter der Beratungsplattform Du-bist- du.ch, hält ein Verbot für den richtigen Weg. «Solch krasse Aussagen gegen die Homosexualität sind mir in der Schweiz bis jetzt noch nie begegnet», sagt er. Laut Sektenexperte Georg Schmid vertritt der BESJ eine traditionelle freikirchliche Position. «Homosexuelle Mitglieder müssen sich dort bisher zwischen ihrer Kirche und dem Ausleben ihrer Sexualität entscheiden.» Mittlerweile sei im freikirchlichen Bereich in dieser Frage aber ein Umdenken im Gang. Andere Kritiker wollen weniger strikt vorgehen. «Verbote führen nur dazu, dass radikalisiert wird», sagt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti. «Um öffentliche Gelder zu bekommen, muss sich auch der BESJ an Vorgaben halten und gewisse Aussagen überprüfen und anpassen», sagt EVP-Nationalrätin Marianne Streiff.

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Auf seiner Webseite stellt der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen BESJ den Gruppenleitern von Teenager-Gruppen allerlei Hilfsmittel zur Verfügung. Darunter auch «eine Themenkonkordanz mit zeitgemässen Begriffen», die Leiter dabei unterstützen soll, «ein Thema von der Bibel her aufzuarbeiten». Was dann unter dem Stichwort Homosexualität kommt, ist heftig: Homosexualität gehöre zu den Kennzeichen Ungläubiger, zu den Taten der Gottlosen.

Umfrage
Soll der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen BESJ verboten werden?
51 %
17 %
9 %
20 %
3 %
Insgesamt 19893 Teilnehmer

Von «schändlichen Leidenschaften» ist die Rede, der Folge von Götzendienst und davon, dass Analverkehr zwischen Männern die Todesstrafe forderte. Darunter steht ein Bibelzitat aus dem alten Testament: «Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.» Mit diesen «Hilfsmitteln» sollen die Leiter in den Andachten das Thema Homosexualität aufgreifen.

«Aufruf zu Hass gegen gewisse Menschen»

Dem BESJ sind 800 Gruppen mit über 15'000 Kindern und Jugendlichen angeschlossen. Seit den 90er-Jahren unterstützt der Bund den Verband mit Geld. Weil das Bundesamt für Sport ab 2018 keine Organisationen mehr finanziert, die vor allem religiöse Zwecke verfolgen, kämpft der BESJ zurzeit engagiert gegen die Streichung der Bundesgelder.

Politikern und Schwulenorganisationen geht die Streichung der Subventionen im Fall der Jungscharen nicht weit genug: «Organisationen mit einem solch extremistischen Gedankengut haben in der Schweiz nichts verloren», sagt SP-Nationalrat Angelo Barrile. Es müsse verboten werden, dass Jugendorganisationen solche Aussagen verbreiten könnten. «Hier wird zum Hass gegen gewisse Menschen aufgerufen.» Gleichzeitig pocht er auf ein dringend notwendiges Gesetz, das die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität bestraft.

Auch SP-Nationalrat Mathias Reynard ist schockiert. Er fordert, dass auf den BESJ Druck ausgeübt wird, solch homophobes Gedankengut ab sofort nicht mehr zu propagieren. «Kommt er dieser Forderung nicht nach, ist ein Verbot die einzige Lösung.»

«Schwerwiegende Folgen»

Patrick Weber, Programmleiter der Beratungsplattform Du-bist- du.ch, hält ein Verbot für den richtigen Weg. «Solch krasse Aussagen gegen die Homosexualität sind mir in der Schweiz bis jetzt noch nie begegnet», sagt er. Der BESJ verbreite Falschinformationen, die schwerwiegende Folgen mit sich tragen könnten. Man müsse sich einen jungen Mann vorstellen, der merke, dass er homosexuell sei. «Eingetrichtert zu bekommen, dass er etwas fühlt, was verboten ist und wofür er umgebracht werden sollte, ist fatal.»

Laut Sektenexperte Georg Schmid vertritt der BESJ eine traditionelle freikirchliche Position. «Homosexuelle Mitglieder müssen sich dort bisher zwischen ihrer Kirche und dem Ausleben ihrer Sexualität entscheiden.» Mittlerweile sei im freikirchlichen Bereich in dieser Frage aber ein Umdenken im Gang. «Über kurz oder lang kommt dieser Veränderungsprozess auch beim BESJ an.» Der BESJ war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ethik-Charta als Bedingung

Andere Kritiker wollen weniger strikt vorgehen. «Verbote führen nur dazu, dass radikalisiert wird», sagt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti. Wolle der BESJ aber weiterhin vom Bund unterstützt werden, brauche es eine Bedingung: «Der BESJ muss sich der Ethik-Charta des Bundesamts für Sport unterstellen.»

Die Charta schreibt unter Punkt eins «Gleichbehandlung für alle» vor, darunter auch für die sexuelle Orientierung. Quadranti: «Auf keinen Fall dürften öffentliche Gelder Organisationen mit derart radikalen Äusserungen unterstützen.» Dieser Meinung ist auch EVP-Nationalrätin Marianne Streiff. «Um öffentliche Gelder zu bekommen, muss sich auch der BESJ an Vorgaben halten und gewisse Aussagen überprüfen und anpassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ein schelm am 28.06.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wololo

    von mir aus soll jeder glauben was er will, aber einen leitfaden nach dem alten testament zu verfassen zeigt mal wieder dass all die modernisierungen nur augenwischerei war. da gabs doch ein handbuch für evangelisten wo ausdrücklich empfohlen hat die kinder zur züchtigung zu schlagen. ebenfalls basierend auf dem alten testament.

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  • Parteiloser am 28.06.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    "Lies" müsste man auch endlich verbieten

    Dann müsste man aber auch" Lies "verbieten.In Deutschland und in Oesterreichist haben sie das schon längst verboten.Unsere Regierung ist einfach unglaublich larsch.Auch müsste man die Moscheenvermieter publik machen.Dann würden sie es sicher lassen. Es geht ihnen nur um das Geld,nicht um unser Land.

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  • Pegasus77 am 28.06.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde es schlimm und schockierend,

    das soches Gedankengut in der Schweiz vorgelebt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erika am 30.06.2017 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hetze gegen Besj

    51%stimmten bei der Umfrage: Wer heute noch ein solches Gedankengut verbreitet, hat keine Daseinsberechtigung. Da wird ja zu Mord oder Landesverweis aufgerufen! Wo bleibt da die hochgelobte Toleranz?

  • Tweety am 29.06.2017 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Medien

    Ich finde es ja schon schockierend, wie aufgrund einer Aussage eines Einzelnen ein ganzer Verband in den Dreck gezogen werden kann. Natürlich bin ich ebenfalls gegen solch radikales Denken! Doch bezweifle ich, dass dieses in der Jungschar so verteten wird, wie hier geschildert wird. Es gibt wohl fast in jeder Organisation, in jedem Verein und in jeder Gruppe manchmal Menschen, welche noch nicht ganz in der heutigen Zeit angekommen sind und solche Aussagen machen! Das dies jetzt wegen einzelner Personen auf dem Rücken der Jungschar ausgetragen wird finde ich absolut unfair!

  • Coulter Benjamin am 29.06.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Themenkonkordanz

    Eine Hetzjagd? Also bitte. Das war eine Themenkonkordanz... Hier geht es um nichts weniger als um eine Zensur der Bibel.

  • Nach Denklich am 29.06.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich der Pfarrer und Prister

    an jungen Knaben vergehen istes nicht Gottlos?

  • Christoph am 29.06.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hetze?

    "Wer heute noch ein solches Gedankengut verbreitet, hat keine Daseinsberechtigung." => Ist das denn besser? Ich sehe keinen Unterschied. Die 50%, die hier angeklickt haben, gehören in die selbe Kategorie. Das ist Hetze in Reinform.