Kritik an «Top Secret»

29. Dezember 2017 09:28; Akt: 29.12.2017 10:11 Print

«Man diskutiert ja auch nicht über Penisgrössen»

Feministinnen reagieren ungläubig darauf, dass im Quiz «Top Secret» der Brustumfang von Schweizer Models abgefragt wurde. Die Juso fordern eine Entschuldigung von SRF.

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Am Mittwochabend wurde das Festtags-Special der SRF-Quizshow «Top Secret» mit den prominenten Kandidaten Peter Reber (68, rechts), Annina Frey (36) und Nicole Berchtold (39) ausgestrahlt. Als Moderator Roman Kilchsperger (47, links) die Frage «Welches dieser Schweizer Models hat den grössten Brustumfang?» vorlas, war aus dem Publikum und von Reber ... ... verhaltenes Lachen zu vernehmen. Sonst rief die Frage jedoch keine sicht- oder hörbaren Reaktionen hervor. «Es kommt ein bisschen drauf an, in welchem Jahr. Diese Models nehmen ja immer wieder ein bisschen zu und ein bisschen ab. Das ist noch schwierig, noch tricky.» «Wir haben es vermessen. Kurz vor Weihnachten haben wir es vermessen.» «Hast du das in dem Fall gemacht? War das deine Aufgabe?» «Ich habe sie wegdelegiert. Wegen des Familienfriedens unter dem Bäumchen.» Die beiden «Glanz & Gloria»-Moderatorinnen Frey und Berchtold schliessen als Erstes die eigentliche Top-Antwort (also die richtige Antwort) «Patricia Schmid» aus. «Wieso schaue ich (eigentlich) ‹Glanz & Gloria›? Da geht es doch um genau diese Leute. Da weiss man doch, ob eine 92 (Zentimeter) oder 115 hat oder so.» lacht. «Man hat sie (die Brüste, auf den gezeigten Fotos) aber auch nicht gut gesehen, muss ich zu ihrer (Frey und Berchtold) Verteidigung sagen.» «Wie seid ihr denn auf sie (Patricia Schmid) gekommen?» «Weil sie sehr, sehr schlank ist.» «Also so einen richtigen Mops hab ich jetzt da auch nicht gesehen.» «Es gibt ja schon Unterschiede. Sie ist wirklich eines der sehr dünnen Models, ich hätte jetzt nicht damit gerechnet, dass sie den grössten Brustumfang hat.» «Patricia Schmid» und «Manuela Frey» als Antworten sind bereits weggefallen. «Laura oder Ronja?» «Ich habe noch nie... *macht eine Bewegung, als würde sie die Brüste einer anderen Frau betasten*, ich weiss es nicht.» «Können wir diese Handbewegung nochmals haben?» macht sie nochmals und dazu Quietschgeräusche. «Also wir Frauen ... mir ist das (mit den Brüsten) nicht gleich bewusst (wie wahrscheinlich Männern).» «Ronja ist ja auf den Laufstegen international unterwegs, was Laura Zurbriggen nicht ist, sprich: Ronja ist sicher schlanker als Laura. Sie arbeitet ja auch für die ‹Vogue› und so. Weil ich selbst als Model gearbeitet habe, weiss ich lustigerweise, dass Ronja relativ grosse Brüste hat.» «Du hast gerade von den Umkleidekabinen gesprochen, Annina. Wenn man sich da umzieht, dann schaut man als Model ein bisschen, was die anderen so haben, oder?» «Laura Zurbriggen» als Antwort fällt ebenfalls weg. «Wir wissen ja bereits, welches die Top-Antwort war (‹Patricia Schmid›). Sie hat am meisten Oberweite, also am längsten Oberweite ... ja, nämlich die ... ... idealen 90 (Zentimeter) – das ist ja immer noch so, 90-60-90, das ist mir geblieben; trotz all der Vorlieben, die sich in den letzten Jahrzehnten und so geändert haben.» «Das war schon ein bisschen eine sexistische Frage, nicht?» «Der Brustumfang ist schon sexistisch? Wirklich?» «Ja, also diese Damen auf den Brustumfang zu reduzieren.» «Bist du so ein verstockter, alter Mann? Das habe ich ja gar nicht gewusst.» Entsetzt reagieren Schweizer Feministinnen auf die Sendung. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello etwa traute ihren Augen nicht, als sie sich die Sequenz anschaute: «Allein dass man mitten in der #MeToo-Debatte auf die Idee kommt, eine solche Frage zu stellen, macht mich sprachlos.» Laura Zimmermann, Co-Präsidentin Operation Libero, ist ebenfalls konsterniert: «Als Frau verurteile ich die Szene.»

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Im grossen Festtagsspecial der Quiz-Show «Top Secret» mit Liedermacher Peter Reber und Moderatorinnen von «Glanz & Gloria» stellte Roman Kilchsperger eine gewagte Frage: Reber musste den Brustumfang von Schweizer Models wie Laura Zurbriggen oder Ronja Furrer korrekt einordnen. Insgesamt fünf Minuten lang wurde so zur besten Sendezeit über die Oberweite der Models verhandelt.

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Entsetzt reagieren Schweizer Feministinnen auf die Sendung. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello etwa traute ihren Augen nicht, als sie sich die Sequenz anschaute: «Allein dass man mitten in der #MeToo-Debatte auf die Idee kommt, eine solche Frage zu stellen, macht mich sprachlos.» Die sexistischen Sprüche des Moderators hätten das Ganze noch verschlimmert und seien «dicke Post». Sie attestiert Roman Kilchsperger mangelnde Sensibilität: «Er wollte lustig sein. Es war aber nicht lustig.»

«High five mit Peter Reber!»

Hochachtung zeigt sie vor der Reaktion von Peter Reber: «Es gibt eben auch die guten Männer. Er ist in einer Live-Sendung und er hat den Mut, hinzustehen und zu sagen: ‹Das geht nicht!› High five mit Peter Reber!» Die Reaktion von Roman Kilchsperger, der Reber auslache, sei hingegen symptomatisch für die ganze Sexismusdebatte: «Das ist ein häufiges Muster, wenn jemand den Mut hat, gegen sexistische Aussagen aufzustehen.»

Laut Funiciello bieten die Juso Anti-Sexismus-Kurse unter dem Motto «How not to be a sexist ass***» für Männer an. Dort lernten sie, was Gleichberechtigung heisse. «Herr Kilchsperger darf sich sehr gern anmelden. Wir geben ihm liebend gern Nachhilfe.» Auch eine Entschuldigung seitens SRF sei angebracht.

«Sexismus am TV ist unangebracht»

Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero, würde sich ebenfalls wünschen, dass die Sendung nicht so ausgestrahlt worden wäre: «Sexismus am TV ist unangebracht.» Als Frau verurteile sie die Szene. «Die Frage ist etwa so deplatziert, wie wenn Herr Kilchsperger in der Sendung 15 Minuten lang über die Penisgrössen von SRF-Moderatoren sprechen würde. Das wiederum macht er ja auch nicht.»

Die Leiterin der Kampagne gegen No Billag glaubt nicht, dass der Ausrutscher einen Einfluss auf die Diskussion um die Abschaffung der Empfangsgebühr hat: «Es geht am 4. März nicht um einzelne Sendungen und auch nicht nur um die SRG, sondern grundsätzlich um die Zukunft des Mediensystems.» Man könne sich bei der SRG-Ombudsstelle über die Frage beschweren. Bei einer Annahme der No-Billag-Initiative gäbe es hingegen keine unabhängige Beschwerdeinstanz mehr.

Ins gleiche Horn stösst Funiciello: «Die Szene ist jenseits und genügt dem Bildungsauftrag von SRF nicht. Diese Macho-Kultur gibt es aber überall.» Aus der peinlichen Szene einen Zusammenhang mit der No-Billag-Initiative zu konstruieren, sei darum falsch: «Auf den italienischen Sendern von Silvio Berlusconi muss man Glück haben, um nur schon eine bekleidete Frau zu sehen.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • momo27 am 29.12.2017 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drama

    Ich verstehe nicht, wieso man da so ein Drama drum macht. Diese Frauen arbeiten in einem Beruf, wo es nun mal um ihren Körper und die Masse geht. Man kann als Frau auch überall Sexismus sehen. Über so kleinkarierte Menschen, kann man nur den kopfschütteln. Ach ja, ich bin eine Frau, und mir ist das ganze Gelaber über Sexismus langsam peinlich. So nimmt man die richtig ernsten Sachen, wo Menschen sexuell ausgebeutet werden nicht mehr ernst.

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  • Jan am 29.12.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat nichts mit sexismus zu tun, aber...

    mit dem Niveau der Sendung!

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  • Hellvetia am 29.12.2017 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man kann..

    aus jeder mücke einen elefanten machen! das ganze theater um sexismus ist nur noch peinlich!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 29.12.2017 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    #Me Too

    Was eher befremdend ist wie sich SRF rausredet, wo doch alle eine so tolle Bildung besitzen. Fakt ist dass es hier um eine Quiz-Sendung geht und nicht um eine Model-Agentur. Wie blöd muss man eigentlich sein um diese grundsätzlich andersartigen Bereiche auseinander halten zu können. Wenn ihr keine normalen Fragen mehr zusammen bringt dann stampft die Sendung einfach ein.

  • Wiwa am 29.12.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam diese Sexismusdebatte

    Die Diskussion von fanatischen Frauen, jede noch so unbedeutende Äusserung eines Mannes als Sexismus zu bezeichnen, finde ich einfach nur noch mühsam. Wenn man dann aber schaut, was für Frauen das sind, kann man davon ausgehen, dass sich wirklich kein Mann ernsthaft für sie interessiert. So versuchen sie halt sonst Aufmerksamkeit zu erhaschen

  • Zino am 29.12.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Roman

    Ist Roman Kilchsberger noch tragbar für SRF? Er trägt Wasser auf die Mühlen der No/Billag Initiative.

  • Edelweiss am 29.12.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    #UndDafürZahlIBillag

    Mit hohen Löhnen, einem Monopol etc. kann man sich eben alles erlauben. Ja zur No Billag, Ja zur Medienfreiheit

  • Al Z. am 29.12.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehl am Platz

    Na ja, Herr Kilchsperger hat anscheinend nichts begriffen. Überrascht mich bei diesem Typ eigentlich keine Sekunde - nicht gerade professionell!