320 Betrugs-Fälle

22. Mai 2012 19:08; Akt: 22.05.2012 23:24 Print

Kampf gegen IV-Betrug bringt 100 Millionen

Im letzten Jahr konnte die Invalidenversicherung hochgerechnet 100 Millionen Franken sparen, indem sie 320 Betrügern auf die Schliche kam.

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Provokative Werbekampagne der Invaliden-Versicherung aus dem Jahr 2009. (Archivbild) (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Die Betrugsbekämpfung der IV zahlt sich aus: Hochgerechnet rund 100 Mio. Franken konnte sie letztes Jahr einsparen, weil sie in 320 Fällen betrügerischen IV-Bezügern auf die Schliche kam. In 30 Fällen wurde Strafanzeige erstattet.

Seit gut vier Jahren betreiben alle IV-Stellen ein Betrugsbekämpfungs-Management. Letztes Jahr leiteten sie 2520 Dossiers an ihre Spezialisten zur näheren Abklärung weiter. Hinzu kamen 1400 Fälle, die Ende 2010 noch nicht abgeschlossen waren, wie das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) am Dienstag mitteilte.

2250 der Dossiers konnten letztes Jahr abschliessend bearbeitet werden, 260 davon nach einer Observation. In 320 Fällen konnte ein Betrug nachgewiesen werden.

270 komplette Renten eingespart

Für die betroffenen IV-Bezüger hatte dies eine Herabsetzung oder Aufhebung der Rentenleistung respektive die Nichtzusprache einer Neurente zur Folge. Damit konnten insgesamt umgerechnet 270 ganze Renten eingespart werden.

Daraus resultiert eine hochgerechnete Gesamteinsparung der IV von rund 100 Mio. Franken. 2010 konnten so 80 Mio. Franken eingespart werden, im Jahr davor 66 Millionen. Berechnet werden die Einsparungen auf der Basis des durchschnittlichen Betrages einer ordentlichen IV-Rente und der Bezugsdauer bis zum Erreichen des AHV- Rentenalters.

In 42 Fällen haben die IV-Stellen unrechtmässig bezogene Leistungen zurückgefordert. Nach Auskunft des BSV geht es hier um Fälle, in denen eine Rückzahlungsforderung Erfolg haben könnte. Gegen 30 Personen wurde Strafanzeige erstattet, weil sich Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergaben.

Die Kosten für die Betrugsbekämpfung beliefen sich letztes Jahr auf rund 7,3 Mio. Franken (6,8 Mio. Franken für Personal, 0,5 Mio. Franken für Observationen). 2010 betrugen die Kosten 7,15 Mio. Franken.

Erneut weniger IV-Renten

Wie das BSV weiter bekannt gab, hat die Zahl der gewichteten IV- Renten mit 238 800 gegenüber dem Vorjahr erneut abgenommen, und zwar um 1,4 Prozent. Bei der Gewichtung der Renten werden ganze Renten einmal gezählt, Dreiviertelsrenten 0,75-mal, halbe Renten 0,5-mal, Viertelsrenten 0,25-mal.

2006 war mit 257 500 gewichteten Renten ein Höchstbestand erreicht worden. Seitdem hat sich der Bestand um 18 700 Renten zurückgebildet.

2011 wurden ferner 500 gewichtete Neurenten mehr zugesprochen als 2010. Laut BSV ist dieser Zuwachs primär demographiebedingt. Die Bevölkerung zwischen 18 und 63/64 Jahren hat zugenommen, wodurch die Zahl der Neurenten leicht angestiegen ist. Der Anteil der Neurentner an der Gesamtzahl der IV-Versicherten in der Schweiz hingegen blieb mit 0,3 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr stabil.

Das Defizit der IV konnte von 1,7 Mrd. Franken im Jahr 2005 auf rund eine Milliarde im Jahr 2010 abgebaut werden. Mit der Zusatzfinanzierung über die Mehrwertsteuer wird das Defizit von 2011 bis 2017 durch erhöhte Einnahmen ausgeglichen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 23.05.2012 01:04 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine krasse Summe!

    Das sind dann ja fast 0.01% der Schulden, die die IV hat. Alle Achtung! Obs das denn wert war? Vielleicht käme man ja doch weiter, wenn man mal analysieren würde, warum hier plötzlich alle krank werden, anstatt ein paar winzig kleine Tröpfchen in einen Vulkan zu schütten!

  • Thomas Harder am 23.05.2012 05:06 Report Diesen Beitrag melden

    Es rentiert !

    Kosten 7.3 Mio CHF, Einsparung 100 Mio CHF. Weiter so ! Danke !

  • Roger Landolt am 23.05.2012 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nur in 10% Strafanzeige?

    "320 Fällen betrügerischen IV-Bezügern auf die Schliche kam. In 30 Fällen wurde Strafanzeige erstattet" Wieso gerade mal in 10%? Ist Betrug nicht immer strafbar? Sie schaden schliesslich auch allen die die IV wirklich benötigen und wirklich Anspruch darauf haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Landolt am 23.05.2012 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nur in 10% Strafanzeige?

    "320 Fällen betrügerischen IV-Bezügern auf die Schliche kam. In 30 Fällen wurde Strafanzeige erstattet" Wieso gerade mal in 10%? Ist Betrug nicht immer strafbar? Sie schaden schliesslich auch allen die die IV wirklich benötigen und wirklich Anspruch darauf haben.

  • F.B. am 23.05.2012 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne und staune

    270 ganze renten eingespart entspricht einem Betrag von 100 Millionen. Die ergibt im Durchschnitt pro Rente den Betrag von 370'000 Franken. Da gibt es wohl nichts mehr zu kommentieren.

  • Wilfried am 23.05.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Betrugsbekämpfung macht so oder so Sinn

    In etwa stehen den Kosten der Betrugsbekämpfung von ca. 7 Mio., Einsparungen von rund 60 bis 100 Mio. gegenüber. Das ist toll. Ich würde aber selbst dann eine Betrugsbekämpfung befürworten, wenn netto nichts rauskommt. Denn erstens ergibt sich eine abschreckende Wirkung die nicht bezifferbar ist und zweitens komme ich mir als arbeitender Steuerzahler weniger verschaukelt vor....

  • Thomas Harder am 23.05.2012 05:06 Report Diesen Beitrag melden

    Es rentiert !

    Kosten 7.3 Mio CHF, Einsparung 100 Mio CHF. Weiter so ! Danke !

  • Martin am 23.05.2012 01:04 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine krasse Summe!

    Das sind dann ja fast 0.01% der Schulden, die die IV hat. Alle Achtung! Obs das denn wert war? Vielleicht käme man ja doch weiter, wenn man mal analysieren würde, warum hier plötzlich alle krank werden, anstatt ein paar winzig kleine Tröpfchen in einen Vulkan zu schütten!