Bundesratswahl

13. August 2017 14:20; Akt: 14.08.2017 10:25 Print

Kandidatin Moret wechselt auf die Überholspur

Diverse Parlamentarier sagen, sie wollten eine Frau in den Bundesrat wählen. Für den Tessiner Favoriten Ignazio Cassis könnte es noch ungemütlich werden.

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Bei der FDP Schweiz sind wie erwartet drei Vorschläge für die anstehende Bundesratswahl eingegangen: Nationalrat Ignazio Cassis (TI), Nationalrätin Isabelle Moret (VD) und der Staatsrat Pierre Maudet (GE) werden von ihren Kantonalparteien ins Rennen geschickt. Der Druck für eine Frauenkandidatur steigt.

Etliche Politikerinnen und Politiker kündigten am Wochenende an, Moret zu unterstützen. Bundespräsidentin Doris Leuthard, die ihre letzte Legislatur angekündigt hat, sagte der «NZZ am Sonntag» in einem Interview, die Parteistrategen wüssten schon lange, dass sich im Bundesrat die Frauenfrage stelle.

FDP-Frauen wählen Moret

Die Konstellation bleibe dieselbe, ob sie – Leuthard – nun jetzt, in einem oder in zwei Jahren abtrete. Allerdings sei sie «schon der Meinung, dass es sich das Parlament nicht erlauben kann, eine Regierung mit nur einer Frau aufzustellen».

FDP-intern kann die Waadtländerin Isabelle Moret auf die FDP-Frauen zählen. Deren Präsidentin Doris Fiala hatte zwar nach der Bekanntgabe von Didier Burkhalters Rücktritt betont, es sei «die Stunde des Tessins».

Geschlechterfrage im Vordergrund

Doch Doris Leuthards Rücktrittsankündigung habe die Frauenfrage befeuert, sagte sie auf Schweizer Radio SRF. Es sei wichtig, dass sich die FDP-Frauen nun «ganz dezidiert hinter Isabelle Moret stellen.»

Die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro sagte der Zeitung «Schweiz am Wochenende», mit ihrer zu Gunsten Morets zurückgezogenen Kandidatur habe sie den Anspruch der Frauen unterstreichen wollen. Im Bundesrat sollten stets mindestens drei Frauen sitzen, im Jahr 2017 dürfe das kein Thema mehr sein. Da müssten die Tessiner Ansprüche zurückstehen.

Auch Landolt setzt auf Moret

BDP-Parteipräsident Martin Landolt stiess ins selbe Horn. Dem «Blick» gab er zu Protokoll, für ihn sei die Geschlechterfrage wichtiger als die regionale Vertretung. Er werde Moret wählen; eine Partei mit zwei Bundesratssitzen sollte mindestens einen mit einer Frau besetzen.

Der Anspruch des Tessins sei zwar berechtigt, sagte Landolt. Unbegreiflich sei ihm aber, weshalb die dortige FDP nicht ein Zweierticket mit einer Frau und einem Mann nominiert habe.

FDP in lateinischer Schweiz an der Spitze

FDP-Präsidentin Petra Gössi sagte in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio SRF1, ihre Partei sei in der lateinischen Schweiz die stärkste. Das stütze schon einmal den Anspruch der FDP auf einen lateinischen Sitz.

Das Tessin sei seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten. Gemäss Bundesverfassung sei in der Landesregierung den Regionen und Landessprachen Rechnung zu tragen. Jetzt müsse die Fraktion abwägen, was sie stärker gewichte. Auch sie selbst wolle eine FDP-Frau im Bundesrat. Wie man dahin komme, sei allerdings bei der gegenwärtigen Ausgangslage offen.

Mit einem Seitenhieb auf die CVP sagte Gössi, für diese Partei wäre eine Tessiner FDP-Bundesrätin die ideale Lösung: Frauen- und Tessinerproblem mit einem Schlag gelöst, könnten beim Rücktritt von Leuthard alle CVP-Männer mit Bundesratsambitionen einlaufen. In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens sagte Gössi, es sei ihre persönliche Meinung, dass eine Tessiner Kandidatur «auf das Ticket gehört».

Drei Nominierte

Die FDP gab die drei Anmeldungen für eine Bundesratskandidatur in der Nacht auf Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. In einem Communiqué vom Samstagmorgen teilte sie mit, die drei Vorgeschlagenen verfügten über langjährige Erfahrungen in politischen Spitzenämtern.

Ob es alle drei auf die offizielle Wahlempfehlung der FDP schaffen, entscheidet die Fraktion am 1. September an einer Sitzung in Neuenburg. Die Kandidaten werden an der Fraktionssitzung einzeln angehört, sagte FDP-Mediensprecher Georg Därendinger zum Vorgehen. Daraufhin entscheide die Fraktion, ob ein Zweier- oder Dreierticket präsentiert wird – und welche Namen darauf stehen.

De Quattro will in den Nationalrat

Nach dem Verzicht auf eine Kandidatur will de Quattro auf die nationale Bühne. In einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «24 Heures» vom Samstag kündigte sie an, sie wolle nach zwölf Jahren im Regierungsrat ihres Kantons 2019 für den Nationalrat kandidieren. Im Staatsrat habe sie die Anliegen, für die sie gewählt worden sei, erfüllt.

Die grosse Kammer visiert sie an, weil die Waadt im Ständerat bereits mit Olivier Français über einen FDP-Vertreter verfügt. Français hatte den Sitz 2015 von den Grünen zurückerobert.

Aussenminister Didier Burkhalter tritt nach acht Jahren im Bundesrat per Ende Oktober zurück. Über seine Nachfolge entscheidet die Bundesversammlung am 20. September.

(rub/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sepp am 13.08.2017 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    witz oder?

    was soll das ob Man, Frau, Tessiner oder Franzose ist doch egal es sollen die Fähigsten Personen in den Bundesrat. Wenn diese Frau gewählt wird muss ich mich nun Fragen ob sie gewählt wurde weil sie eine Frau ist oder die Fähigste Person. Werdet endlich erwachsen ihr Politiker.

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  • Ein Leser am 13.08.2017 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich nicht oke

    Würde ich nicht oke finden, schliesslich haben die Tessiner auch einmal einen Bundesrat verdient. Das Tessin gehört auch zur Schweiz, oder hat man das schon abgeschrieben? Die Welschen sollten keinen Anspruch auf einen Bundesrat haben.

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  • Beltran Leyva am 13.08.2017 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr Vertrauenswürdig! (Ironie)

    sieht so vertrauenswürdig aus wie all die anderen Kandidaten und der rest des Bundesrates...Politiker halt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Felix am 16.08.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ist die Politik noch glaubwürdig?

    Gibt zu denken. Anstatt in dieser schwierigen Zeit auf die Besten zu setzen, schlagen wir uns mit Frauenquoten und Wohnkantone rum.

  • Leonie Tr. am 16.08.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das Lächeln der Sphynx

    Das Foto zeigt ein Gesicht mit dem typischen, eingefrorenen und gekünstelten Lächeln freisinniger Kandidaten aller politischen Ebenen. Nimmt immer der gleiche, Partei-treue Fotograf alle diese Bilder auf ? (Oder werden sie mit einem Computer-Fotoprogramm verschöert ?) Und dann das persönliche Profil der Dame ! Eher nichts für Normalbürger mit all ihren persönlichen Sorgen. --Ob mein frecher Kommentar wohl Gnade findet und veröffentlicht wird ? in gespannt !

  • Realist am 15.08.2017 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN ZU LEUDHARD-DEPARTEMENT-WECHSEL

    Auf diesen Kuh-Handel darf man sich nicht einlassen. Wenn schon Leuthard-Rücktritt angekündigt ist, sollte kein neues BR-Departement vergeben werden. Vorallem hat sie ein Auge auf das Aussen-Departement und nach dem angekündigtem Rücktritt will sie das Tourismus-Direktorium übernehmen. So läuft der Haase und nicht anderst.

  • Myriam am 15.08.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    keine der Welschen Damen bitte!

    Bin zwar auch eine Frau, aber keine der beiden welschen Frauen kämen für mich in Frage, bitte nicht. I.Cassis wäre für mich der richtige und eine Quoten-Frau wollen wir schon mal gar nicht. Entweder Sie hat die besten Qualifikationen oder dann lieber keine Frau. Die beiden Welchen Damen haben diese Quali in MEINEN Augen einfach nicht und zudem einen 3. Waadtländer braucht es auch nicht.

  • ale c. am 15.08.2017 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quotenidiotie

    Warum muss man genau eine gewisse Anzahl Frauen/Männer im Bundesrat haben? Ich würde mich nicht entsinnen, in der Verfassung eine Grundlage dafür zu finden. Ob jetzt 7 Frauen oder 7 Männer oder 7 Transsexuelle oder was auch immer ist doch egal, hauptsache es sind qualifizierte Leute.