Kantönligeist

04. Januar 2015 20:11; Akt: 04.01.2015 21:44 Print

Kantonale Autonummern abschaffen ist «absurd»

Der Vorschlag des Vereins Regio Basiliensis, in der Schweiz nur noch überregionale Kontrollschilder zu verwenden, stösst auf breite Ablehnung.

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Kantonale Kennzeichen sollen laut einem Vorschlag zugunsten von überregionalen Kennzeichen ersetzt werden. (Bild: Keystone/Gabriele Putzu)

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Die Organisation Regio Basiliensis lobbyiert in der Region Basel für grenzüberschreitende Kooperationen und gibt laut eigenen Angaben «Impulse in den für die Region zentralen Themen, insbesondere im Bereich Wirtschaft, Verkehr und Bildung». Ihr neuster Vorschlag: die kantonalen Autokennzeichen abzuschaffen und durch überregionale Kontrollschilder zu ersetzen.

So soll beispielsweise in der Nordwestschweiz (Solothurn, Aargau und beide Basel) das Kennzeichen NWCH eingeführt werden. Entscheidend soll sein, wie die Gebiete gesellschaftlich und wirtschaftlich miteinander verknüpft sind. Der Präsident der Vereinigung der Strassenverkehrsämter, Ernst R. Anderwert, kann über diesen Vorschlag nur den Kopf schütteln: «Das ist ein Witz. Ich sehe den Sinn der Sache nicht.»

Ziffern auf Nummernschilder verkleinern

Anderwert führt mehrere Bereiche auf, in denen ein solches Vorhaben für mehr Probleme sorgen würde – statt sie zu lösen. So glaubt er nicht, dass die kantonalen Ämter zusammengelegt würden könnten. «Das wäre politisch nicht durchsetzbar und würde zudem immense Kosten aufwerfen.» Die Strassenverkehrsämter arbeiten laut Anderwert zum Teil mit verschiedenen Systemen, um ihre Administration zu erledigen. «Die Zusammenlegung beim Bund würde für einen Informatik-Aufwand sorgen, der kaum zu rechtfertigen ist.»

Ebenfalls nicht berücksichtigt bei diesem Vorschlag würden die Einnahmen durch die Autokontrollschilder-Auktionen, die gutes Geld in die Kassen der Kantone spülen. Auch wenn dies der Verein Regio Basiliensis gar nicht erwähnt, sagt der Chef des Thurgauer Strassenverkehrsamts: «Oft wird bei solchen Vorschlägen das Problem der zu kleinen Nummernschilder kolportiert, also dass zum Beispiel in Zürich bald siebenstellige Nummern notwendig seien.»

Dieses Thema müsse zwar bald angegangen werden, aber die Lösung dürfte einfach sein. «Die heutigen Geräte sind technisch so weit fortgeschritten, dass auch kleinere Ziffern lesbar sind. So wären wir bei der Länge der Nummern gegen oben offen», sagt Ernst Anderwert. So sehr er sich den Kopf zermartert: «Ich finde keinen einzigen Vorteil bei diesem Vorschlag.»

«Autosteuer für Kantone zu wichtig»

Ähnlich geht es SP-Nationalrat Roger Nordmann, Vizepräsident beim Verkehrsclub Schweiz (VCS). «Die kantonalen Ämter zugunsten einer eidgenössisch verwalteten Stelle aufzuheben, wäre absurd.» Die kantonale Autosteuer sei für die Kantone als Einnahmequelle viel zu wichtig – diese dem Bund zu übertragen nicht realistisch.

Nordmann stört sich zwar auch am Kantönligeist – etwa im Bildungs- oder im Spitalbereich. Er wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit der Kantone. «Aber bei den Autokennzeichen anzusetzen, ist der falsche Weg.»

(num)