Fall Hefenhofen

13. August 2017 05:20; Akt: 13.08.2017 06:12 Print

Kantonstierärzte stossen an ihre Grenzen

Ein Ostschweizer Bauer soll während Jahren seine Tiere gequält haben. Der Vorfall bringt nicht nur ans Licht, dass es an Ressourcen mangelt.

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Am Montag wurden die Pferde von Ulrich K. von Hefenhofen TG ins Kompetenzzentrum Veterinärdienste und Armeetiere nach Sand bei Schönbühl evakuiert. Insgesamt nahm die Armee 93 Pferde auf. «In der Schweiz ist wohl keine andere Institution in der Lage, ­innert eines Tages 93 Pferde aufzunehmen und zu betreuen», sagt Kommandant Jürg Liechti. In der Obhut der Schweizer Armee sollen die Tiere in den nächsten zehn Tagen wieder zu Kräften kommen. Was dann mit ihnen passiert, ist Sache des Kantons Thurgau. Verängstigte Fohlen rennen aus dem Transporter. Zum Teil waren die Fohlen und... ...ausgewachsenen Pferde in einem sehr verwahrlosten Zustand. 47 Train-, 20 Veterinärdienst- und 4 Hufschmiedrekruten kümmern sich bei der Ankunft um die Tiere. Unter anderem wird den Pferden eine Nummer auf den vorderen rechten Huf gebrannt, damit die Tiere rasch auseinandergehalten werden können. Zudem musste geklärt werden, welche Fohlen zu welcher Stute gehören. Dieses Pferd wird mit einem Leckerli aus dem Transporter gelockt. Die Polizei sichert die ersten Tiere vom Hof von Ulrich K., der wegen der Quälerei von Pferden unter Verdacht steht. (8. August 2017) Militärangehörige halfen bei der Evakuation mit. Ein Angehöriger der Armee führt ein Pferd zum Transporter. Die 93 Pferde wurden verladen und ... ... per Lastwagen abtransportiert. (8. August 2017) Abgeriegelt: Der Hof von Ulrich K. Von April bis Juli hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert. (Archiv) Die Tiere seien oft zu schwach gewesen, um zu fressen, so die Ex-Mitarbeiterin – rund ein Dutzend Pferde verendete. (Archiv) Zudem sei den Tieren verschimmeltes Brot verfüttert worden, so die Ex-Mitarbeiterin. (Archiv) Beim Pferdehof und auch in Frauenfeld fanden Mahnwachen und Kundgebungen statt. Am Montag überreichten Tierschützer der Regierung eine Petition mit rund 13'000 Unterschriften. (7. August 2017) Die Polizei hatte bereits am Montag den Hof des Pferdehändlers in Hefenhofen TG durchsucht. (7. August 2017)

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Regelmässig würden Kantonstierärzte auf Bauernhöfen Missstände feststellen, sagt Tierschützerin Vanessa Gerritsen gemäss dem «SonntagsBlick». Doch sie gelangten nicht an die Öffentlichkeit. Anders als beim Fall Hefenhofen, der seit einer Woche zu reden gibt. Der mutmasslicher Tierquäler befindet sich seither in Fürsorgerischer Unterbringung, seine Tiere sind in Sicherheit.

Zahlen zu Verurteilungen wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz würden die Aussage der Tierschützerin belegen. Gemäss Bundesamt für Veterinärwesen seien 2016 weit über 2000 Schuldsprüche verzeichnet worden, fünf Jahre zuvor seien es noch weniger als die Hälfte gewesen.

Zu wenig Mittel vorhanden

Der Fall Hefenhofen bringt auch ans Licht, dass Kantonstierärzte an ihre Grenzen stossen würden, wie Reto Wyss, Präsident der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärzte, im «SonntagsBlick» sagt: «Die Ressourcensituation ist insgesamt angespannt – es werden massiv Überstunden geleistet, um alle Fälle möglichst angemessen bearbeiten zu können.» Und Gerritsen ergänzt, dass es den Ämtern an Mitteln fehle, und sie fordert: «Die Politik muss dafür sorgen, dass sie diese bekommen.»

Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag» ergaben zudem weitere Mängel beim Vollzug von Kontrollen für den Tierschutz. So würden in manchen Kantonen Bauern andere Bauern kontrollieren, während in anderen Ländern diese Aufgabe Verwaltungsangestellte machen würden.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nei Nei am 13.08.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammern auf hohem Niveau

    Dieser Artikel nimmt Leute in Schutz, die von unser aller Steuergelder mit sehr gutem Lohn bezahlt werden!! Das kann und darf nicht sein. Jeder Kantonstierarzt kann Hilfe anfordern, sollte er an seine Grenzen stossen. Das ist absolut keine Entschuldigung für solche "Missstände", wie im Fall im TG!

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  • Evita77 am 13.08.2017 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuschel

    Mich stört, dass der Tierquäler irgendwo in eine Klinik eingewiesen wurde. Das ist wohl die Taktik seines Anwalts. Sie werden auf psychisch krank und überfordert plädieren und das Gericht verdonnert ihn dann zu einer Reittherapie und Kuschelseminaren.

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  • Peter Müller am 13.08.2017 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Recht

    Hier hat das sogenannte Recht den gesunden Menschenverstand verhindert.Wer schweigt,stimmt zu, das durfte ich schon in der Schule lernen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 15.08.2017 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so schlimm wie's tönt.

    Wobei nur wenige Verstösse wirkliches Tierleid mit sich bringen! Da kann eine Pferdeboxe auf einer Seite 10cm zu schmal sein, aber das Pferd hat uneingeschränkten Zugang zu einem Paddock = Verstoss. Ein Kuhläger hat 2cm zu wenig = Verstoss. Dass aber diese Kühe jeden Tag auf der Weide oder mind. im Laufhof sind, wird nicht mitangeschaut. Leider gibt es viel zuwenig Anzeigen für "privaten" Kleintierbesitz. Viele Hunde würden gerne mehr raus. Viele Meerschweinchen, Hamster etc hätten gerne einen grösseren Käfig.

  • Doris K am 15.08.2017 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Mangelerscheinung

    Hier lag das Problem ja nicht bei der Anzahl Kantonstierärzte, sondern an den zahlreichen Möglichkeiten, mit immer neuen Rechtsmitteln seine Anordnungen zu hintertreiben. Ueberfluss gebirt eben seine ganz eigenen Mangelerscheinungen. Und unter solchen leiden wir in diesem Land ja jeden Tag immer mehr.

  • Elsbeth Ferrari am 14.08.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    arme Pferde

    Ich hoffe E.Kessler erreicht etwas. Dieser Fall ist kaum zu verstehen. Warum kann so etwas in der geordneten Schweiz passieren. Es ist eine Schande!!!

  • Reiter am 14.08.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Armee

    An dieser Stelle sei gedankt an die immer wieder professionellen Dienste der Schweizer Armee am Volk. Sei es in einer Katastrophensituation wie auch wenn Ressourcen nötig sind. Bravo guter Job gemacht.

  • marcel am 14.08.2017 05:15 Report Diesen Beitrag melden

    aha, die Kohle nehmen sie...

    aber können keine entscheidungen treffen. wie war das nochmals mit der riesigen verantwortung die sie tragen müssen und daher ein solchen aberwitzigen lohn heim tragen ?... lohn retour für die letzten 10 jahre !