Gesellschaftsproblem

08. Juli 2014 17:55; Akt: 08.07.2014 17:55 Print

Kinder haben Stress wegen Smartphones

Schon für Kinder ist ein Leben ohne Smartphone undenkbar und sie sind immer und zu jeder Zeit erreichbar. Die Kleinen stehen unter grossem Druck und sind erschöpft.

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Laut Social-Media-Pädagoge Philippe Wampfler sei der Druck bei Kindern hoch, auf Plattformen wie WhatsApp und Instagram sofort auf Nachrichten und Posts zu reagieren. (Bild: Keystone)

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«Bei uns sind in letzter Zeit vermehrt Anrufe von Kindern eingegangen, die sich über ständige Erschöpftheit beklagten», heisst es im Jahresbericht des Sorgentelefons. Die Kinder hätten Mühe, sich über längere Zeit zu konzentrieren, fühlten sich ausgelaugt und klagten über ein stetes Unbehagen.

Die anrufenden Kinder hätten erst seit kurzem ein eigenes Smartphone und seien sehr stolz auf ihr Gerät. Im Gespräch habe sich aber gezeigt, dass ein Teil des Erschöpftseins mit dem Smartphone zu tun hatte, heisst es weiter.

Jugendliche müssen das Filtern lernen

Social-Media-Pädagoge Philippe Wampfler bestätigt: «Das ist tatsächlich ein Problem.» Auf Plattformen wie WhatsApp und Instagram, die bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind, sei der Druck hoch, sofort auf Nachrichten und Posts zu reagieren. «So zeigt man, dass einem die Beziehungen wichtig sind», so Wampfler gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Die Zugehörigkeit zu einer Chat-Gruppe sei für Kinder eine soziale Verpflichtung und Hausaufgaben keine Ausrede, um nicht zu antworten. «Dann heisst es gleich: Was ist dir wichtiger, die Schule oder ich?», sagt Wampfler. Bei diesen Chats handle es sich um eine extrem schnelle Interaktion. «Das ist wie ein Rauschen, aus dem die Jugendlichen herausfiltern müssen, was für sie wirklich wichtig ist», so der Pädagoge. Er schätzt, dass etwa die Hälfte der Viertklässler und 90 Prozent der Sechst- und Siebtklässler ein Smartphone besitzen.

«Was man vorlebt, wirkt stärker»

«Es muss erst noch in den Kinderköpfen verankert werden, dass es normal ist, dass nicht alle jederzeit antworten können», sagt Medienwissenschaftlerin Sarah Genner. Sie bezeichnet den Stress mit den Smartphones als gesamtgesellschaftliches Problem. «Kinder sind aber stärker exponiert. Sie müssen erst noch lernen, mit Versuchungen und Gruppendruck umzugehen. Kinder, die neu ein Smartphone besitzen, sind damit rasch mal überfordert», so Genner.

Für sie müssen Eltern und Lehrkräfte klare Regeln aufstellen: «Die Forschung zeigt, dass Kinder und Jugendliche Beschränkungen befürworten.» Wichtig sei vor allem auch die Vorbildfunktion der Eltern: «Was man vorlebt, wirkt stärker als das, was man sagt.»

(saw)