Zecken-Alarm

15. April 2013 19:04; Akt: 29.04.2013 13:37 Print

Kleine Blutsauger geniessen den Frühling

von Arno Meili - Zeckenexperte Norbert Satz rechnet mit überdurchschnittlich vielen Zecken in den Monaten April und Mai. Grund dafür ist der kalte und lange Winter.

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Die Zecken sind los: Nach einer langen Winterstarre gehen die Mini-Vampire in diesem Frühjahr in grosser Zahl auf die Jagd nach frischem Blut. (Bild: Keystone/Stephan Jansen)

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Der Frühling ist da und die Bevölkerung zieht es nach draussen. Doch Vorsicht: Auch Zecken geniessen die warmen Temperaturen. Der Arzt und Zeckenspezialist Norbert Satz erwartet diesen Frühling wieder viele Parasiten, da der kalte und lange Winter den gefährlichen Spinnentieren optimale Überlebensbedingungen bot.

Der Experte erklärt: «Zecken können die kalte Jahreszeit nur überleben, wenn sie bei tiefen Temperaturen in eine Winterstarre fallen. In diesem Zustand brauchen sie kaum Energie und können mit den Blutreserven aus dem Herbst lange durchhalten.» Wenn sie im Frühling aus der Winterstarre erwachen, besitzen sie genug Kraft, um einen neuen Wirt zu suchen. Ob es dann zu viele Erkrankungen kommt, hängt von der Witterung ab. Denn nur bei gutem Wetter halten sich auch genügend Leute zum Blutsaugen in der freien Natur auf.

Entscheidet Haut über Stechgefahr?

Dabei müssen sich nicht alle Personen gleich viele Sorgen über eine Ansteckung machen, denn die Zecken suchen sich ihre Opfer gezielt aus. Nach welchen Kriterien sie dies tun, ist bisher noch unklar. Satz geht davon aus, dass ein bestimmter Faktor der Haut über einen möglichen Stich entscheidet.

Unabhängig davon stechen die kleinen Blutsauger in den Monaten April und Mai besonders oft zu. Sie verstecken sich bevorzugt in Wäldern und Wiesen mit hohen Gräsern. Pro Meter Waldrand können dabei bis zu 20 Zecken lauern - in der gesamten Schweiz sind also Millionen von Zecken auf der Suche nach einem Wirt.

Gefahr einer Hirnhautentzündung

Gefährlich wird es für den Wirt, wenn die Zecken ihn mit Lyme-Borreliose oder der Frühsommer-Meningoenzephalitis infiziert. Jedes dritte Tier trägt den Lyme-Borreliose-Erreger in sich, der bei der gestochenen Person zu Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Übelkeit führt. Die gesamte Schweiz gilt als Risikogebiet für eine Lyme-Borreliose-Erkrankung.

Etwas kleiner ist das Risiko für eine Ansteckung mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis, die bei 10% der infizierten Personen in einer gefährlichen Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung endet. Bei rund 20-30% von diesen Patienten führt die Krankheit zu einer Invalidität oder einer Teilinvalidität - im Jahr 2012 erlitten über 20 Personen dieses Schicksal. Die Gefahr, an der Krankheit zu sterben, ist verschwindend gering und liegt bei unter einem Prozent.

«Beschämend tiefe Impfrate»

Auch bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis gilt ausser dem Tessin die gesamte Schweiz als Risikogebiet, in dem jede 1000. Zecke den Virus in sich trägt. Anders in den Hochrisikogebieten: Praktisch im ganzen Kanton Schaffhausen, im Sihltal sowie in den Gebieten rund um die Städte Winterthur und Rapperswil ist jede 100. Zecke infiziert.

Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis aber nicht mit Antibiotika behandelt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich gegen den Virus impfen zu lassen. Trotzdem sind in der Schweiz nur 17% der Bevölkerung geimpft. Für Norbert Satz völlig unverständlich: «Die Bevölkerung nimmt das Problem nicht ernst. Wir haben eine beschämend tiefe Impfrate.»

Zeckenmittel schützen nicht genug zuverlässig

Neben einer Impfung bieten vor allem lange Hosen und lange Oberteile Schutz vor den Parasiten. Ausserdem sollte der Körper nach dem Duschen mit einem Handtuch kräftig abgerubbelt werden, damit die Tiere von der Haut ablassen. Andere Schutzmittel gibt es laut Satz nicht. Auch Zeckenschutzmittel wirken seiner Meinung nach zu wenig zuverlässig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eva am 15.04.2013 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ manitu

    ich wünsche dir viel Licht und Kraft für deine Zukunft. So doof es sich evtl. anhört, aber denke positiv. Energie folgt immer der Aufmerksamkeit.

  • Katzenbesitzer am 16.04.2013 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbeugen

    Es gibt homöophatische Tropfen, welche ich meinem Kater letztes Jahr gegeben habe. Er hatte - im Gegensatz zur Behandlung mit dem chemischen Mittel - nur eine einzige Zecke. Zufall? Nützt's nüüt, schad's nüüt. Habe schon gelesen, dass diese Tropfen auch vom Menschen eingenommen werden können. Vielleicht hat Jemand Erfahrung damit? Würde mich interessieren!

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  • Andre am 15.04.2013 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Geht alle Impfen

    Auf gehts zum Doktor mit den Kindern und dann gibt es erstmal ne Ladung Quecksilber in den Arm.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zeckweck am 17.04.2013 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfen 

    Für dieses Jahr ist es zu spät zum impfen! es erfordert leider 3 Arztbesuche, erst bach der 3 Injektion ist man voll geschützt.Es muss jeder für sich entscheiden ob er sich impfen soll. Bei mir verlief alles ohne Probleme. Das ist 2 Jahre her und mich hat seither keine Zecke mehr gebissen (-: Dennoch schaue ich immer genau hin, diese Borreleose könnte mich trotz Inpfung treffen

  • P. am 16.04.2013 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Hab meinem Kater auch schon eine ausem Hals entfernt dieses Wochenende! War selbst schon (zu 99%) krank von den Parasiten!

  • max müller am 16.04.2013 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    schon drei Mal...

    in den letzten Jahren hatte ich schon drei Bisse von Borreliose Überträgern, bin immer sofort bei den ersten Symptomen (Kreisrötung) zum Arzt, dreimal Antibiotikabehandlung, teilweise Horrorschmerzen und Dauermüdigkeit - ABER - ich arbeite immer noch 100% und körperlich schwer. Borreliose hat viele Gesichter und keinen einheitlichen Krankheitsverlauf. Man kann wirklich Glück oder Pech haben. Nebst Medikamenten schwöre ich aber darauf, sich nicht einfach fallen zu lassen sondern die Erreger regelrecht rauszuschwitzen. Viel Glück und Vertrauen allen Betroffenen!

    • Beat am 16.04.2013 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      sie sind gesund

      wenn sie gleich mit antibiotika behandelt wurden dann sind sie ja auch nicht krank und können natürlich 100% arbeiten. ist mir in der kindheit sicher auch 5 mal passiert.

    • R. Lunz am 16.04.2013 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jä?

      "M. Müller: raus schwitzen!? Das ist nicht Ihr ernst, oder doch??

    • Roman am 16.04.2013 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Klar arbeiten sie noch!

      Sie wurden im 1. Stadium mit Antibiotika behandelt und sind somit absolut gesund.

    • Zecke am 16.04.2013 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zecken-Histerie

      Hatte vor 4 Jahren Borreliose, ausser nem riesigen roten "Fläcke" über den ganzen Rücken hatte ich gar nichts! 10 Tage AB hat der Doc drauf bestanden und gut wars.

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  • Chris am 16.04.2013 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Borreliose

    Ich hatte letztes Jahr eine Borreliose. Zum Glück hatte ich den typischen roten Ring, sonst hätte ich nicht einmal gemerkt, dass mich eine Zecke gebissen hat. Borreliose ist NICHT harmlos! Übrigens: Die habe habe ich mir im Garten eingefangen...

  • Claudia Schmutz am 16.04.2013 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ebenfalls von Borreliose betroffen

    Ich wurde im Juni 1998 im Thuner Strandbad von einer Zeckenlarve (von blossem Auge nicht sichtbar) gestochen. Die Wanderröte zeigte sich, ich wurde monatelang mit Antibiotika gefüttert. Die anschl. Symptome - der Borreliose und der Nebenwirkungen aller Medikamente - sowie unzähligen Therapien kann ich hier nicht alle aufzählen... Die Bakterien/Parasiten tarnen sich in den Zellen und die schulmedizinisch abgegebenen Mittel erreichen diese NICHT!!! Wir müssen erkennen, dass diese Viecher clever- und gegen Antibiotika resistent sind! Im Buch "Die verschwiegene Epidemie" steht die Wahrheit drin..