Drogen

09. März 2018 22:01; Akt: 10.03.2018 10:48 Print

Kokain-Konsum hat sich innert 5 Jahren verdoppelt

von Stefan Ehrbar - Eine neue Abwasser-Studie der ETH Zürich zeigt: Kokain erobert die Schweizer Städte. Die Droge kommt in der breiten Bevölkerung an.

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Kokain wird zur Alltagsdroge. Fast vier Gramm Strassenkokain pro 1000 Einwohner wurde im letzten Jahr in Zürich täglich konsumiert, wie die Ergebnisse der Abwasser-Analyse des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction für das Jahr 2017 zeigen. Noch vor fünf Jahren waren es erst etwa 1,76 Gramm pro 1000 Einwohner.

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Zürich liegt im europaweiten Vergleich von 60 Städten auf Platz zwei. Nur in Barcelona wird mehr gekokst. Auch in anderen Schweizer Städten hat Kokain an Beliebtheit gewonnen. In Basel verdoppelte sich die Konsummenge in derselben Zeitspanne auf etwa 2,24 Gramm Strassenkokain pro 1000 Einwohner pro Tag, in Bern wurde eine Verdoppelung auf 2,12 Gramm registriert und in St. Gallen fast eine Vervierfachung auf etwa 3,28 Gramm. Wird Kokain geschnupft, liegt die mittlere Dosis laut Sucht Schweiz bei 20 bis 50 Milligramm, gespritzt wird Kokain in einer durchschnittlichen Dosis von 10 Milligramm.

ETH misst Kokain-Werte

Die Schweizer Werte wurden vom Wasserforschungsinstitut der ETH (Eawag) erhoben. Der verantwortliche Ingenieur Christoph Ort sagt, messtechnisch gehe er von einer Genauigkeit von +/- 20 Prozent aus. Analysiert werden Proben von Kläranlagen während einer Woche im Frühling, in der keine Ferien sind oder spezielle Anlässe stattfinden.

Gemessen wird die Konzentration von Benzoylecgonin im Wasser – ein Umwandlungsprodukt, das im Körper nach dem Konsum von Kokain entsteht. Kokain, das etwa bei einer Razzia in die Kanalisation geworfen wird, kann die Ergebnisse nicht verfälschen.

«Stellen eine Zunahme des Konsums fest»

«Wie viel Kokain im Abwasser gemessen wird, hängt direkt vom Konsum ab», sagt Ort. «Über die letzten Jahre stellten wir eine Zunahme des Gesamtkonsums in mehreren Städten fest.» Ob der Grund die zunehmende Reinheit des Kokains sei oder ob mehr Leute konsumierten, könne man an den Abwasser-Proben nicht ablesen.

Lars Stark, Arzt beim Zentrum für Suchtmedizin (Arud), sagt, die Abwasseranalysen seien ein recht aussagekräftiges Instrument. Allerdings bedeuteten die Werte nur, dass diese Menge hochgerechnet auf die Bevölkerung konsumiert werde.

Auch Party-Touristen erfasst

Es würden auch Partygänger und Pendler erfasst, die in der jeweiligen Stadt konsumierten. Zürich etwa sei ein grosses Zentrum des Nachtlebens, sagt Stark. Wie sich der Konsum der Bevölkerung der jeweiligen Städte selbst entwickelt hat, lässt sich anhand der Werte nicht abschliessend ermitteln.

Trotzdem: Kokain ist in einer relativ breiten Bevölkerungsschicht angekommen. Der Psychologe und Kokainforscher Boris Quednow sagt in der WOZ, Kokain werde von Handwerkern, Hausfrauen, Lehrern und Köchen in allen sozialen Schichten konsumiert. Besserverdienende bildeten keinen Schwerpunkt. Mit Blick auf Zürich sagt Quednow der Zeitung, Kokain sei von einer Droge der High Society zu einer «Volkdsroge» geworden – eine Entwicklung, die die Zahlen auch für andere Städte nahelegen.

4,2 Prozent konsumieren Kokain

Laut dem Suchtmonitoring Schweiz konsumieren 4,2 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren mindestens einmal im Leben Kokain. Zu den häufigsten Konsumenten gehören 20- bis 34-Jährige und Männer. Die Zahlen wurden über telefonische Befragungen ermittelt, in denen die tatsächliche Zahl unterschätzt werden kann.

Obwohl seit 2006 im Durchschnitt weniger als ein eindeutig auf Kokain zurückzuführender Todesfall pro Jahr registriert wird, ist die Droge nicht unproblematisch. Bei chronischem Konsum drohen eine psychische Abhängigkeit und Langzeitrisiken wie Angststörungen, psychische Störungen mit paranoiden Wahnzuständen oder Depressionen, wie das Portal saferparty.ch schreibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mehlfresser am 09.03.2018 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin es nicht gewesen

    Mein eigener Verbrauch ist konstant bei 0 geblieben. Da muss jemand das Doppelte konsumieren.

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  • Rörich Ueli am 09.03.2018 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogen

    Der Anfang vom Ende wer von dieser Droge abhängig wird.

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  • no name am 09.03.2018 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kokain

    ... ist absolut nicht zu unterschätzen! Leider spreche ich aus Erfahrung, es fügt dem Körper erheblichen schaden zu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Talwärts Piste gut am 10.03.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nur zu - macht es legal!

    Koks ist salonfähig, jedoch eine harte Droge und ein Gift das die Nerven kaputt macht, schwerste psychische Abhängigkeit verursacht. Und da wird tatsächlich darüber siniert, ob man diesen teuflischen Schnee legalisieren soll!? Cannabis wir seit Jahrzehnten verteufelt und man ist immer noch geächtet und es ist strafbar, wenn man ein Kräutchen raucht!

  • Martin S. am 10.03.2018 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Gott sei Dank" nur Kokain!

    Wenn man durch Zürich läuft und z.B. an den bekannten Orten, wie z.B. den K&A (Kontakt- und Anlaufstellen) nach Metamphetamin fragt, wird man sogar von Dealern gleich den Aufpassern gemeldet und man fliegt raus! Ein gutes Zeichen, die User wollen zwar Heroin und Kokain, aber bei Meth hört der Spass auf. Ich weiss sogar von Leuten die auf der Strasse eine eingefangen haben "nur" weil sie nach Methamphetamin gefragt haben!

  • Broetli am 10.03.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it

    Bestes Beispiel, wie ein Verbot absolut nichts bringt - ausser entgangene Steuern.

  • Feline X am 10.03.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Relativ

    Naja, ab und zu etwas konsumieren schadet ja auch niemanden und kann das Leben bereichern.

  • Anti alles am 10.03.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als ihr denkt

    Ich selbst (m,25) habe noch nie konsumiert, jedoch kam die droge in den letzten 5 jahren in meinen kollegenkreis. Leider ist koks sehr verbreitet wie ich festgestellt habe und ich lebe nicht in der stadt sondern auf dem land in einer 3000ew gemeinde. Kiffen ist längst nicht mehr schlimm, also wird nach etwas krasserem gesucht...