Schaffhausen

01. Februar 2017 06:44; Akt: 01.02.2017 13:23 Print

Kraftwerk zerhackt Aale für Öko-Strom

Im Rhein bei Neuhausen entdeckte Dominique Lambert haufenweise zerstückelte Aale. Ausgerechnet eine Turbine für Ökostrom soll für deren Tod verantwortlich sein.

Dieses Video drehte «Petri Heil», um die Missstände zu zeigen.
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Dominique Lambert, Chefredaktor der Fischerei-Zeitschrift «Petri Heil», hat vor rund einem Monat im Rhein unterhalb einer Brücke bei Neuhausen SH einen grausigen Fund gemacht. Die zerhackten Überreste von mindestens acht Aalen lagen am Grund des Rheins.

«Wir schauten ins Wasser und bemerkten etliche schimmernde Flecken auf dem Flussgrund», sagt Lambert zur «Südostschweiz». Eigentlich habe er an diesem Tag mit seinen Mitarbeitern Aeschen fischen wollen.

Jedes Jahr viele Opfer

Weil ihn die «grausigen Bilder» nicht losliessen, ging Lambert eine Woche später wieder nach Neuhausen und lief entlang dem Fluss rheinabwärts. Wieder entdeckte er tote Tiere. Dabei machte er auch Fotos. Passanten, die ihm beim Fotografieren der toten Tiere zuschauten, berichteten ihm, dass jedes Jahr im November und Dezember Unmengen von toten Aalen im Wasser treiben. Auch Patrick Wasem, Fischereiaufseher am Schaffhauser Rhein, bestätigt die Situation gegenüber «Petri Heil»: «Es kommt jedes Jahr zu solchen Bildern, dass Aale, die durch die Kraftwerks-Turbinen zu Tode gekommen sind, im Rhein treiben.»

Wie Lambert in «Petri Heil» schreibt, sei ihm schnell klar gewesen, dass es sich hier um «Fischgeschnetzeltes» aus den beiden Kaplan-Turbinen des Kraftwerks Schaffhausen handle. Dieses befindet sich rund zwei Kilometer flussaufwärts. Wenn dann die Tiere flussabwärts ziehen, würden sie in den Turbinen verenden oder schwerverletzt überleben.

«Krasser Missstand»

«Dieser Sache musste ich nachgehen», sagt Lambert. Als Fischereifachmann habe er sich dazu verpflichtet gefühlt. «Wenn so viele Aale als Kollateralschaden der Stromproduktion sterben müssen, ist das ein krasser Missstand.»

Am meisten würde ihn aber die Tatsache aufregen, dass das Kraftwerk Schaffhausen den da produzierten Strom als «Clean Solution Ökostrom» verkaufe. Dieser sei um ganze vier Rappen pro Kilowattstunde teurer als normal produzierter Strom. Gemäss den Kraftwerkbetreibern wird einer der vier Öko-Rappen für die Natur im Rhein verwendet – beispielsweise für Renaturierungen.

Kaum ein Fisch erreicht das Meer

Für Lambert ist das Beschiss: «Diese Bezeichnung suggeriert, dass naturfreundlicher, grüner Strom produziert wird.» In diesem Fall könne man das sicher nicht behaupten.

Auf seine Anfrage hiess es beim Kraftwerk: «Das Kraftwerk Schaffhausen ist grundsätzlich mit ‹fischfreundlichen› Turbinen ausgerüstet», so Walter Vogelsanger, Leiter der Arbeitsgruppe Fischpass des Schaffhauser Kraftwerks, zum «Petri Heil». «Es ist aber eine Tatsache, dass vor allem der Aal von seinem Verhalten her durch seinen geringen Durchmesser und durch seine Körperlänge besonders gefährdet ist.»

Weiter heisst es, dass Aale sowieso wegen der nachfolgenden Kraftwerke kaum eine Chance hätten. So würde kaum ein Aal das Meer erreichen.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 01.02.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein

    Aale sind dazu noch eine gefährdete Fischart in der CH. Schade und eine Schande den Konsumenten so zu täuschen.

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  • salOme am 01.02.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grauenhaft

    da muss man etwas tun! eine fischtreppe/ kanal

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  • Fischer am 01.02.2017 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur dort...

    Das ist leider längstens bekannt. Bei der Badi in Dachsen unterhalb des Rheinfalls sieht man den Aalfriedhof ebenfalls, seit Jahren. Es ist traurig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • britta am 02.02.2017 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schaffhauser Nachrichten

    Noch weiter zurück blendet der frühere Fischereiaufseher Jakob Walter, der sagt: «Vor über 100 Jahren, als im Bodensee noch keine Aale ausgesetzt wurden, war dieser Fisch dort nur ganz selten anzutreffen.» Heute ist das anders. Die Aale schwimmen aus der karibischen Sargassosee 5000 Kilometer weit über den Atlantik, werden in Holland eingefangen und zu Hunderttausenden im Mittelrhein, im Oberrhein und eben auch im Bodensee ausgesetzt. «Das geschieht einzig zum Plaisir der Berufsfischer dort», sagt Jakob Walter. «Der Aal ist in Deutschland ein beliebter Speisefisch.»

  • Lukas Friedli am 02.02.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Alle ärgern sich hier drüber. Nur die meisten von euch werden wohl zur Überfischung der Weltmeere beitragen. Dass ist noch viel schlimmer aber interessiert keinen halt. Traurig aber wahr. Zudem geht es hier wohl darum die Wasserkraft zu verteufeln. Hat da irgendwer Interesse daran dass die Leute AKW's wollen die noch viel mehr Leid und Schaden anrichten?.

  • DasIch am 01.02.2017 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An all die Verstrahlten

    ...die hier jetzt voller Euphorie über den Umweltschutz wettern: Behaltet Eure ach so heiligen AKW - aber dann ladet den Müll von diesen gefährlichen Schrottmeilern gefälligst NICHT in meinem Kaff (Weiach) ab!!! Wenn Ihr nur an Euch denken wollt, dann kann ich das nämlich auch.

  • Raus aus u land am 01.02.2017 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom  

    Die Firma sucht eine Lösung aber ihr braucht ja dem Strom auch und jetzt dir Firma lahm legen geht auch nicht wir brauchen den Strom. Und die Liebe Tierschützer gehen mir langsam echt auf den geist .

  • BVBkusi am 01.02.2017 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was

    Geths noch