Medi «Champix»

01. Juli 2013 11:34; Akt: 10.07.2013 13:16 Print

Krankenkasse zahlt für Anti-Rauch-Pille

Das Raucher-Entwöhnungs-Medikament Champix wird ab sofort kassenpflichtig. Bei starken Rauchern übernimmt nun die Krankenkasse die Therapiekosten.

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Starke Raucher und solche, die an den Folgen des Rauchens Leiden dürfen eine von der Krankenkasse finanzierten Therapie mit dem Medikament Champix in Anspruch nehmen. (Bild: Colourbox)

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Starke Raucher können sich künftig von der Krankenkasse eine Therapie mit dem Medikament Champix bezahlen lassen, um mit Rauchen aufzuhören.

Der Bund nimmt das Mittel nach einem Rechtsstreit per sofort auf die Spezialitätenliste auf.

In einem ersten Anlauf verweigerte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dem US-Pharmakonzern Pfizer die Kassenpflichtigkeit für Champix. Das Bundesgericht pfiff den Bund aber 2011 zurück und verlangte eine vertiefte Prüfung. Dies führte nun zur Aufnahme auf die Spezialitätenliste, wie das BAG am Montag mitteilte.

Damit die obligatorische Krankenversicherung für eine Champix-Therapie aufkommt, müssen aber mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Nur starke oder sehr starke Raucher sowie Patienten mit einer Raucherkrankheit erhalten laut BAG eine 12-wöchige Therapie bezahlt.

Internationaler Test

Ausschlaggebend für die Einteilung als starker Raucher ist das Resultat eines international anerkannten Fragebogens zur Rauchgewohnheit (Fagerström-Test). Gefragt wird dabei unter anderem nach der Anzahl gerauchter Zigaretten pro Tag.

Wer an Folgekrankheiten des Rauchens leidet - etwa chronischer Bronchitis, Herz-Kreislaufkrankheiten oder an einer Krebserkrankung -, kann sich die Therapie auch vergüten lassen, wenn er kein starker Raucher ist. Ausserdem ist eine Beratung und Unterstützung durch einen Arzt notwendig. Eine Wiederholung der Therapie ist frühestens nach eineinhalb Jahren möglich.

Das Bundesgericht hatte im August 2011 festgehalten, dass Nikotinsucht eine Krankheit sein kann, wenn aus medizinischer Sicht eine Behandlung der Sucht angezeigt ist. Es forderte das BAG auf, Bedingungen zu formulieren, unter denen eine Sucht nach Tabakwaren medizinisch behandelt werden muss. Vorab müsse es einen Mindestabhängigkeitsgrad festlegen.

Einstelliger Millionenbetrag

Für die obligatorische Krankenversicherung dürfte die Aufnahme des Mittels Kosten im Rahmen eines einstelligen Millionenbetrags pro Jahr verursachen, sagte Andrea Frey, Leiterin Sektion Medikamente beim BAG, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Eine 12-wöchige Behandlung kostet laut BAG 344 Franken. Es handelt sich um das erste Rauchentwöhnungsmittel auf der Spezialitätenliste.

Champix wird in Studien mit Nebenwirkungen wie Depressionen in Verbindung gebracht, was bis zu Suizidversuchen geführt haben soll. In Frankreich wird die Therapie seit 2011 nicht mehr bezahlt. Wirkungen und Nebenwirkungen seien vor dem Entscheid abgewogen worden, teilte das BAG dazu mit. Der Arzt sei verantwortlich, über Nebenwirkungen zu informieren und diese zu überwachen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nico tin am 01.07.2013 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wow danke!

    Danke 20min für den Input. Nach x Versuchen heute gleich zum Arzt und hab die Pillen für 8 Wochen umsonst (bzw 10% Selbstbehalt) bezahlt bekommen. Ansonsten wäre der reguläre Preis 450Fr gewesen!

  • Ernst erhu am 01.07.2013 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn!

    Wahrscheinlich kommt jetzt noch die Verhütung für noch nicht Volljährige. Ein absoluter Verhältnisblödsinn ist, dass wichtige Hilfsmittel, wie Brillen, nicht mehr mitfinanziert werden, dabei kann ich ja nichts, dass ich Brillenträger wurde. Beim Rauchen ist es doch etwas anders. Den 'Kampf' gegen Süchte und für das Vergnügen bezahlt die Allgemeinheit, für sehr wichtige Hilfsmittel aber nicht mehr.Würde dies mit der Einheitskrankenkasse ändern? Oder wären wir dann wieder gleich weit?

  • Krankenkasse am 02.07.2013 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn, aaaaber!

    Arbeite selbst bei einer Krankenkasse und auch ich verstehe das nicht... Es gäbe deutlich sinnvolleres, aaaber... Suchttherapien für Alkoholabhängige werden ja auch bezahlt, die manchmal nötige Psychotherapie sowie der Spitalaufenthalt auch. die daraus eventuell entstehenden Folgeerkrankungen auch. Ebenfalls eine selbstverschuldete Sucht...

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.Marcel am 02.07.2013 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Schwer abhängig -- gering abhängig....alles Schwachsinn. Es hat nur mit Wille und vor allem der Einstellung zu tun....zudem ist nachgewiesen dass rauchen den Körper nur geringfügig abhängig macht. mit der richtigen Einstellung macht der wirklich kaum zu spürbare Entzug sogar Spass...alles wie so vieles im Leben ist Kopfsache.... Die Tabakindustrie hat mit Ihrer Gehirnwäsch ganz Arbeit geleistet.....

  • Krankenkasse am 02.07.2013 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn, aaaaber!

    Arbeite selbst bei einer Krankenkasse und auch ich verstehe das nicht... Es gäbe deutlich sinnvolleres, aaaber... Suchttherapien für Alkoholabhängige werden ja auch bezahlt, die manchmal nötige Psychotherapie sowie der Spitalaufenthalt auch. die daraus eventuell entstehenden Folgeerkrankungen auch. Ebenfalls eine selbstverschuldete Sucht...

  • Fabi am 02.07.2013 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch

    Es ist schon komisch was unsere Krankenkasse alles bezahlt und was nicht. Mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben hätte ich Schützbezüge für die Bettwäsche gebraucht, die nicht günstig sind, die Krankenkasse zahlt aber nichts dazu. Eine Allergie kann man sich nicht aussuchen, aber ob man raucht oder nicht raucht ist jedem seine eigene Entscheidung. Das BAG dürfte bitte einmal mit gesundem Menschenverstand entscheiden. Wobei allgemein die Bundesämter nie viel überlegen. Aber diese Entscheidung finde ich eine Frechheit und von der Solidarität in diesem Land habe ich die Nase langsam voll.

  • Nico tin am 01.07.2013 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wow danke!

    Danke 20min für den Input. Nach x Versuchen heute gleich zum Arzt und hab die Pillen für 8 Wochen umsonst (bzw 10% Selbstbehalt) bezahlt bekommen. Ansonsten wäre der reguläre Preis 450Fr gewesen!

  • Walter V am 01.07.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasse zahlt

    Es ist erstaunlich, da zahlt die Krankenkasse Anti-Suchtmittel. Ist jemand aber unverschuldet an Diabetes erkrankt, muss er die zur Kontrolle notwendigen Teststreifen (über 400 im Jahr) selber berappen. Diese Politik von Bundesrat Bérset in nicht zu verstehen.

    • Fabi am 02.07.2013 08:50 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstverantwortung abgeschafft!

      Hallo, Solange wir Politiker haben, die der Pharmabranche in den A... kriechen und eine Bevölkerung, die alles hin nimmt, wird es in Zukunft nicht besser. Die jungen Frauen haben mehr abtreibungen, also sollen sie gratis die Pille bekommen. Jemand der zuviel raucht, zahlt die Krankenkasse der Entzug. Die Selbstverantwortung wird abgeschafft, die Allgemeinheit zahlt ja!

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