Datenschutz

03. Juni 2018 11:48; Akt: 03.06.2018 16:21 Print

Lehrer müssen Whatsapp-Klassenchats löschen

Seit rund einer Woche dürfen Kinder unter 16 Jahren kein Whatsapp mehr nutzen. Jetzt müssen viele Lehrer ihre Klassenchats löschen.

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Whatsapp hat vor rund einer Woche seine Geschäftsbedingungen geändert. Neu muss man mindestens 16 Jahre alt sein, um die App nutzen zu können. Davon sind auch viele Schüler betroffen, die in Klassenchats sind. Lehrer müssen diese jetzt löschen. Zuvor konnten sie schnell und unkompliziert mit ihren Schülern Infos austauschen. «Auch Hausaufgaben und Hilfestellungen dazu werden über Whatsapp-Gruppen organisiert», sagt Christian Hugi, Präsident des Lehrerverbands des Kantons Zürich zur «Sonntagszeitung». In der ganzen Schweiz ist man auf der Suche nach Alternativen, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Im Oberstufenzentrum Orpund bei Biel wurde sogar eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Philipp Wampfler ist Experte für Lernen mit neuen Medien. Er sieht den Nutzen auf zwei Ebenen: «Einerseits ist die direkte Kommunikation per Whatsapp sehr praktisch. Ich könnte mir keinen zeitgemässen Unterricht ohne vorstellen», sagt er zu 20 Minuten. Auf der anderen Seite hätten die meisten Klassen sowieso einen Whatsapp-Chat, ob da jetzt der Lehrer dabei sei oder nicht: «Es ist eine Chance für die Schulen, diese zu begleiten und die Kinder in ihrer Welt abzuholen», so Wampfler weiter. Daniel Kachel, Präsident des Verbands Sekundarlehkräfte des Kanton Zürich, rechnet damit, dass Whatsapp auch weiterhin von unter 16-Jährigen genutzt wird: «Wir haben diese Technologien nun mal. Es ist auch die Aufgabe der Schulen, den Umgang damit zu lehren», sagt er. Für den Schulalltag habe die Ankündigung allerdings keine grossen Folgen: «Ich gebe sowieso keine Hausaufgaben via Whatsapp ab», sagt Kachel. Das sei mit anderen Applikationen besser möglich. Wer weiterhin Whatsapp nutzt und unter 16 Jahre alt ist, verstösst gegen kein Gesetz, sondern nur gegen die Nutzungsbedingungen der App. «Strafbar macht man sich damit sicher nicht», sagt Rechtsanwalt Martin Steiger.

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Millionen Menschen in der Schweiz nutzen Whatsapp, es ist das grösste digitale Netzwerk. Vor einer Woche hat das Unternehmen das Mindestalter von 13 auf 16 Jahre erhöht. Das wegen der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, die auch in der Schweiz angewandt wird. Sie legt unter anderem fest, dass nur Daten von Kindern über 16 Jahren verarbeitet werden dürfen.

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Tausende Teenies dürfen den Messenger jetzt gemäss den Nutzungsbedingungen von Whatsapp nicht mehr nutzen – es sei denn, die Eltern willigten in die Nutzung ein. Sie sind noch in der Schule und viele von ihnen sind in Klassenchats, in denen die Lehrer mit ihnen kommunizieren. Die müssen jetzt gelöscht werden, wie die «Sonntagszeitung» schreibt.

Arbeitsgruppe eingesetzt

Die Lehrer konnten auf Whatsapp ihren Schülern schnell und unkompliziert Infos weitergeben. Das sei sehr geschätzt worden, sagt Alain Pichard, der am Oberstufenzentrum Orpund bei Biel unterrichtet, zu der Zeitung. «Auch Hausaufgaben und Hilfestellungen dazu werden über Whatsapp-Gruppen organisiert», sagt Christian Hugi, Präsident des Lehrerverbands des Kantons Zürich gegenüber der «Sonntagszeitung».

In der ganzen Schweiz startet jetzt die Suche nach Alternativen: So hat das Oberstufenzentrum Oplund extra eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die mit Einbezug der Eltern eine Lösung finden soll. Bis nach den Sommerferien wolle man eine Lösung präsentieren, so Pichard.

Im zürcherischen Dietlikon will Schulleiter Reto Valsecchi auf E-Mail umsatteln. Auch für Hugi ist das denkbar. Er bringt als Alternative aber auch noch andere Messenger-Apps ins Spiel – sofern die bei der Altersbeschränkung nicht nachziehen.

«Junge wissen gar nicht mehr, was SMS sind»

Einer Umstellung auf Mailverkehr mit den Schülern steht der Aargauer Schulleiter Peter Merz skeptisch gegenüber: «Mal funktioniert die Internetverbindung nicht, oder die Schüler schauen nicht nach, ob etwas gekommen ist», sagt er zur «Sonntagszeitung». Auch für SMS hat er nicht viel übrig: «Die jüngere Generation weiss schon gar nicht mehr, was das ist.»

Er hat eine andere Lösung parat. Wenn nämlich die Eltern zustimmen, dürfen auch Unter-16-Jährige Whatsapp benutzen. Darum will er einen Brief verschicken: «Darin bitten wir die Eltern um ihre Unterstützung, damit wir Whatsapp weiter nutzen können.»

(nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vmc am 03.06.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eu-Gesetze

    Links liegen lassen,weiter machen.All die Hirnverbranntengesetze der Eu ignorieren.Die würden lieber mal die richtigen Probleme lösen,gilt auch für unsere in Bern.

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  • Liter Milch am 03.06.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir waren mal ein eigenständiger Staat

    WhatsApp ist eine Amerikanische Firma und wir Nutzer sind in der Schweiz. Ich frage mich wirklich warum wir die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU befolgen müssen.

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  • John am 03.06.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OMG!

    Diese ganze Flut an Gesetzen wird immer stupider! Mail und SMS geht, Whatsapp erst ab 16? Was soll das? Wem ist da geholfen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Coco404 am 04.06.2018 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohjee

    Was hätten die den bitte in den 80er oder 90er Jahre gemacht? Früher rufte die Schule noch zuhause an wenn es änderungen gab oder ein Lehrer krank war. Heute geht wohl nichts mehr ohne dieses Whatsapp!

  • King Kong am 04.06.2018 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unzulässig

    Witzig ist ja, dass gemäss Leitfaden des Lehrerdachverbandes die Nutzung von Whatsapp zwischen Lehrer und Schüler gar nicht zulässig ist.

  • Oldaschool am 04.06.2018 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht Lernen

    kein Schüler braucht Whatsapp geschweige denn ein Smartphone.

  • Rex T. am 04.06.2018 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Benutzt einfach die Signal-App

    Signal benutzt eine richtige Verschlüsselung und man kann sogar verschlüsselt telefonieren und Video-Chatten.

  • Walti G. am 04.06.2018 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    The One And Only

    Threema benutzen, fertig. Ist übrigens auch ein Schweizer Produkt!!!