Schulunterricht

28. Dezember 2015 20:05; Akt: 28.12.2015 20:05 Print

Lehrer sollen über Transkinder sprechen

von R. Landolt - «Jugendliche, die im falschen Körper leben, outen sich noch immer selten», sagt eine Expertin. Ein flächendeckendes Handlungskonzept für Schulen ist umstritten.

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«Zu uns kommen etwa Eltern, deren Junge sich massiv wehrt, auf die Herren-Toilette zu gehen» sagt Dagmar Pauli vom Kinder- und Jugendpsychologischen Dienst der Universitätsklinik Zürich.

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Alle ein, zwei Wochen meldet sich in Zürich ein Kind oder ein Jugendlicher neu an für eine Sprechstunde über Transidentität; Buben, die sich als Mädchen fühlen, und umgekehrt. Auch beim Dachverband Transgender Network Schweiz häufen sich die Anfragen von Minderjährigen. Die Zürcher Stadtschulärztin Marina Costa fordert deshalb in der NZZ, dass Schulen flächendeckend Aufklärung zum Thema betreiben müssten.

Damit rennt sie beim Transgender Network Schweiz offene Türen ein. Ein Handlungskonzept für Schulen und Kindergärten sei nötig, sagt Tanja Martinez, zuständig für Kinder und Jugendliche bei der Organisation. «Kinder outen sich noch immer selten. Die Dunkelziffer ist hoch.» Sei ein Kind transgender und erhalte nirgends Informationen dazu, sei der Leidensdruck hoch. «Leider ist es so, dass die Akzeptanz je nach Umfeld noch stark variiert.» Es sei deshalb wichtig, dass das Thema in der Schule behandelt werde.

Bereits Vierjährige können sich in ihrem Körper unwohl fühlen

Zwei Drittel, die sich beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst der Universitätsklinik Zürich beraten lassen, sind laut Chefärztin Dagmar Pauli 13- bis 18-Jährige. Manchmal kämen aber auch Eltern mit ihren vierjährigen Kindern auf Besuch. Sie sorgten sich etwa, wenn ein Junge sich «massiv» wehre, auf die Herrentoilette zu gehen, oder wenn sich ein Mädchen komplett als Junge fühle. Es gehe nicht um Jungen, die mal mit Puppen spielten, oder Mädchen, die sich gerne bubenhaft gäben. «Wir raten den Eltern, die Kinder ihre Bedürfnisse ausleben zu lassen und sie nicht in ein geschlechtsspezifisches Korsett zu pressen.» Denn hielten Betroffene ihre Gefühle unter dem Deckel, würden sie oft depressiv und können suizidgefährdet sein.

«Bei manchen steht die Geschlechtsidentität schon früh fest. Bei anderen zeigt sich in der Pubertät, ob das Kind tatsächlich das andere Geschlecht haben will oder es nur eine Phase war.» Bei den Jüngeren könne man die Pubertät blockieren, um Zeit zu gewinnen. Ist die Identität geklärt, kann man laut Pauli hormonell vorgehen. Oute sich ein Jugendlicher, reagiere das Umfeld «sehr, sehr unterschiedlich». Insbesondere von Schulen wünscht sich Pauli deshalb mehr Offenheit. «Wir müssen die Entwicklung fördern, dass Kinder mit geschlechtsuntypischem Verhalten nicht diskriminiert werden.»

«Zeichen einer aufgeklärten Gesellschaft»

Nationalrätin Doris Fiala (FDP) pflichtet ihr bei: «Transgendermenschen erleben noch immer sehr viel Stigmatisierung, viel mehr gar als Schwulen und Lesben.» Dass sich mehr Kinder und Jugendliche Hilfe suchten, sei Zeichen einer aufgeklärten, liberalen Gesellschaft. Gegen den Vorschlag, Transidentität zum Pflichtstoff zu erklären, wehrt sich Fiala jedoch: «Ich bin dezidiert der Meinung, dass man der Schule nicht alles aufladen kann – angesichts dessen, was die Lehrer sonst bereits alles leisten müssen.» Die Lehrer sollten Transidentität situativ und individuell thematisieren, wo es angezeigt scheine.

Sebastian Frehner (SVP) meint: «Ich bin ein liberaler Mensch, und von mir aus können diese Leute tun und lassen, was sie wollen.» Aber er sei gegen eine staatliche Pflicht, auf jede Minderheit einzugehen: «Sonst fehlt der Platz für das, was der Normalfall ist.» Wenn in jedem Aufklärungsunterricht fünfzig Prozent der Zeit über Geschlechteridentität einer Kleinstminderheit diskutiert werden müsse, fehle die Zeit, sich um die Anliegen der «Normalos» zu kümmern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonny sh am 28.12.2015 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem

    Wie wär's denn, wieder Rechnen zu vermitteln, nur so als Beispiel .... Wir haben Sorgen ...

  • Patrick Wyss am 28.12.2015 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transkinder

    Wäre das nicht die Aufgabe der Eltern über Transkinder zu sprechen?

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  • Scaevola am 28.12.2015 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transgender

    Wie viele Transgenderfälle gibt es denn tatsächlich?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blödsinn am 29.12.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prüde Schweiz

    Die Schweiz ist leider noch zu verbohrt für so ein Thema. Kinder schauen sich zwar schon mit 8 Hardcore an aber die Eltern sind hald prüde, so wie es ihre Eltern damals waren. In 15 Jahren wird das Thema auch hier gesellschaftlich akzeptiert sein.

    • Chnubali am 29.12.2015 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Blödsinn

      Glaub ich nicht.. wir sind stehen geblieben. Kein Wunder.. die Leute sind so sehr mit sich selbst beschäftigt (ununterbrochen aufs Handy schauen), dass sie nicht merken das um sie herum Leben herrscht. Irrgendwann, wenn die Funkverbindung mal abbricht, werden sie feststellen dass alles zu nichte gemacht wurde ohne das es ihnen vorher aufgefallen wäre.

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  • Winglet55 am 29.12.2015 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was

    will man noch alles an die Schule delegieren? Wenn das so weitergeht wird sogar das Kinderkriegen noch an den Staat delegiert!

  • Martin Schweizer am 29.12.2015 02:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich rege mich auf!

    Ich wollte eigentlich einen Kommentar verfassen, aber ich rege mich dermassen über all die vernachlässigten, gebeutelten, gemobbten und vernachlässigten Minderheiten auf, die die ganze Zeit nach Rechten und Aufmerksamkeit der Gesellschaft hecheln. Es kann doch nicht sein, dass sich meine Kinder mit Homosexualität, Transgendern, Veganern, Religionen und anderen Spezialformen von einzelnen Personen befassen müssen, nur dass sich alle verstanden und geliebt fühlen. Ja, es kann jeder leben wie er möchte. Aber nicht jeder muss das auf biegen und brechen verstehen und gut finden!

  • J@Si am 29.12.2015 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre so einfach...

    ...Kinder von früh auf zu erklären dass es ganz viele verschiedene Menschen gibt. Ob gross oder klein, dick oder dünn, Heteros, Homosexuelle oder Transsexuelle, jeder Mensch ist einzigartig und jeder Mensch hat Gefühle. Kein Mensch ist wegen seinem Aussehen, Religion oder sonst was minderwertig. Kinder sollen lernen ohne Vorurteile ohne den Mensch zu kennen durch das Leben gehen und dies bitte von den Eltern und nicht von der Schule. Dies gehört auch zur Erziehung.

  • Eve B. am 28.12.2015 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heutzutage...

    Aufklärung ist Pflicht. Unwissenheit und Ignoranz zerstören Menschenleben.