Digitale Skills

21. Juni 2018 21:21; Akt: 21.06.2018 21:21 Print

«Die Lehre muss reformiert werden»

Politiker fordern, dass Lehrlinge programmieren lernen. Experten sehen dies kritisch: Nicht in jedem Beruf sei dies sinnvoll.

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«Die Berufsbildung muss sich ändern», sagt FDP-Nationalrat Fathi Derder. Weil immer mehr Jugendliche sich für ein Studium statt eine Lehre entscheiden, fordert er: «Die Lehrlingsausbildungen müssen reformiert und häufiger aktualisiert werden.» Technisch seien diese nicht auf dem neusten Stand, Firmen würden sich etwa darüber beschweren, dass Metallbauer nicht programmieren könnten.

Kritisch sieht Derders Aussage Christoph Thomann, Präsident des Verbands Berufsbildung Schweiz. «Die Digitalisierung bringt Vorteile, wird aber auch leicht überbewertet, wenn es um handwerkliche Berufe geht.» So müsse ein Bäckerlehrling in erster Linie die Prozesse hinter dem Brotbacken verstehen und das Handwerk korrekt ausführen können. «Was, wenn der moderne Backroboter schlechtes Brot backt? Wenn der Bäcker dann nicht backen kann, helfen ihm auch Programmierkenntnisse nichts.»

«Reform eines Lehrberufs dauert Jahre»

Zwar sei es sicherlich nicht schädlich, technisch auf dem neusten Stand zu sein. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Fachkenntnisse gehen. Auch andere Fächer wie Allgemeinbildung dürften wegen der Digitalisierung nicht zu kurz kommen. Gerade in der heutigen Zeit müssten die Lehrlinge lernen, etwa Aussagen von Politikern wie Trump kritisch zu hinterfragen. «Dafür braucht es die Allgemeinbildung heute noch mehr als früher.»

Die Schweizer Berufsbildung sei beim Thema Digitalisierung noch nicht ganz up to date, aber auch nicht völlig abgehängt. «Das Problem ist, dass eine Reform eines Lehrberufes erst über Jahre entwickelt werden muss, und dann dauert es nochmals Jahre, bis die ersten Lehrlinge abschliessen», sagt Thomann. Schnell auf Veränderungen zu reagieren, sei deshalb schwierig. Es gebe jedoch zum Beispiel bei der KV-Lehre eine solche Reform. «Der Kaufmännische Bereich ist stark von der Digitalisierung betroffen. Hier wird gerade ein Plan ausgearbeitet, wie die Lehre künftig aussehen soll, denn die Anforderungen im Beruf ändern sich rasant.»

«Das ist eine Herkulesaufgabe»

Auch Daniel Zybach vom Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten sagt: «Es braucht sehr viel Zeit, den Lehrplan zu verändern.» Die Grundlagen dazu müssen von Bund, den Kantonen und Berufsverbänden abgesegnet werden und anschliessend in Berufsschulen, in überbetrieblichen Kursen und auch in den Lehrbetrieben umgesetzt werden. «Das ist eine Herkulesaufgabe, in der Regel kommt das aktuelle Berufswissen erst Jahre später in die Schulen.»

Zudem müsse für neuen Lehrstoff alter Inhalt wegfallen. «Während der Lehrzeit kann ja nur eine begrenzte Menge Wissen vermittelt werden», so Zybach. Bei der Schreinerausbildung sei zu überlegen, ob bestimmtes Grundlagenwissen wie das Zuschneiden von Furnieren von Hand entfallen könnte. Und dafür die digitale Maschinensteuerung im Lehrplan ausgebaut werde.

Bund plant bereits den «Digitalisierungs-Check»

Der Bund ist Derders Anliegen bereits zuvorgekommen. «Die Berufsbildung muss Antworten liefern auf Megatrends wie die Digitalisierung, die zunehmende berufliche Mobilität und Flexibilität, die steigenden Anforderungen und die Globalisierung», schreibt er in seinem Leitbild Berufsbildung 2030, das diesen Januar verabschiedet wurde.

Dieses sieht unter anderem auch die Stärkung der IT-Kompetenzen in allen Lehrberufen vor, genau wie eine schnellere Überarbeitung der Lerninhalte in den Lehrberufen. Dabei soll mittels eines «Digitalisierungschecks» geprüft werden, ob der Stoff den Anforderungen der digitalisierten Wirtschaft entspricht. Entsprechende Projekte zur Umsetzung dieses Plans sollen noch dieses Jahr gestartet werden.

(the/ish)