4000 Fr. für alle

05. April 2014 14:54; Akt: 04.04.2014 18:18 Print

Leiden Studis besonders unter Mindestlohn?

von Caroline Freigang - Der Gewerbeverband warnt in seiner Abstimmungszeitung, dass die Mindestlohn-Initiative zu einer weiteren Reduktion von Studentenjobs führen werde. Die Initianten widersprechen.

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Viele Studenten verdienen sich ihr Brot mit Studentenjobs. Diese könnten durch die Mindestlohn-Initiative in Gefahr geraten, sagt der Gewerbeverband. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Kellnern neben dem Studium, um die WG-Miete zu zahlen, im Büro aushelfen, um sich den Ausgang leisten zu können: Viele Studenten arbeiten neben dem Studium in Teilzeit. Doch wird es für die Jungen immer schwieriger eine bezahlte Stelle zu finden. Würde der Kampf um einen bezahlten Nebenverdienst durch den Mindestlohn noch härter? Das behaupten zumindest die Gegner der linken Initiative, über welche die Schweiz am 18. Mai abstimmt.

Umfrage
Hat eine Annahme der Mindestlohn-Initiative negative Auswirkungen auf Studentenjobs?
56 %
8 %
33 %
3 %
Insgesamt 5942 Teilnehmer

Ein Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde bedrohe die Studentenjobs, so der Gewerbeverband (SGV), der die Nein-Kampagne anführt. In diesen Tagen verschickt er an alle Haushalte eine Abstimmungszeitung , die 20 Minuten vorliegt. Darin kommen drei Studenten zu Wort, die gegen die Initiative sind. Einer davon ist Dominique Bruggmann (22), der an der Uni Freiburg eingeschrieben ist: «Durch Streichungen von Studentenjobs wären Studenten in hohem Masse von ihren Eltern abhängig», meint er. Eine Annahme der Mindestlohn-Initiative wäre aus seiner Sicht fatal.

Studentenjobs werden zuerst gestrichen

Auch Fabienne Bünzli (23), die neben ihrem Studium in einer Kommunikationsberatung arbeitet, sagt: «Mit einem Mindestlohn könnte ich meinen jetzigen Job wohl vergessen und hätte so weder den finanziellen Zustupf noch die wichtige Berufserfahrung.»

SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler,erklärt, Studentenjobs seien die ersten, die bei Annahme der Initiative von Unternehmen gestrichen würden. «Einigen Unternehmen ist der Stundenlohn von 22 Franken zu hoch, da Studenten noch keine spezifischen Qualifikationen mitbringen, andere Betriebe leiden unter dem allgemeinen Kostendruck durch die höheren Löhne.»

Mehrheit verdient schon über 22 Franken

Bei den Direktbetroffenen ist zur Mindestlohn-Debatte wenig in Erfahrung zu bringen. So gaben studentische Vertreter der Universitäten St. Gallen und Zürich an, das Thema sei ihnen politisch zu heikel. Offenbar tat sich auch der Gewerbeverband schwer, Zeugen für seine Position aus der Studentenwelt zu finden. Laut Pepo Hofstetter von der Gewerkschaft Unia hat der SGV per Aushang an Universitäten nach Studenten gesucht, die sich für die Kampagne gegen den Mindestlohn einspannen liessen. Bei der Redaktion der Abstimmungszeitung war niemand erreichbar, der diese Darstellung dementiert oder bestätigt hätte.

Thomas Zimmermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund sagt, die Aussagen Biglers und der drei Studenten seien reine Abstimmungspropaganda. «Die tun so, als würde die Schweiz zusammenbrechen, wenn ein Mindestlohn eingeführt wird. Das ist Unsinn.» Die Angst der Studenten sei unbegründet, denn «die Studenten arbeiten vor allem in Zweigen der Binnenwirtschaft, etwa im Verkauf oder in der Gastronomie. Diese Stellen werden gebraucht und werden nicht verschwinden, wenn korrekte Löhne bezahlt werden müssen.» Hofstetter von der Unia fügt hinzu: «Auch Studierende haben für ihre Arbeit einen fairen Lohn verdient.»

Die meisten verdienen sowieso schon mehr

Wie ist überhaupt die Lage derzeit: Arbeiten viele Studenten für einen Lohn unter der heiss diskutierten 22 Franken-Grenze? Nein, sagt Michel Fischer, Geschäftsführer der Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich: «Für viele Studentenjobs zahlen die Arbeitgeber schon jetzt mehr als 22 Franken pro Stunde.» In Branchen wie dem Detailhandel und der Gastronomie lägen die Löhne teilweise noch darunter. «Da könnte ein Mindestlohn Auswirkungen auf die Studentenjobs haben.» Hofstetter relativiert dies. Selbst im Gastgewerbe verdiene heute nur noch einer von fünf Angestellten weniger als 22 Franken. «Die Anpassung ist also minim und wirtschaftlich verkraftbar.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stef le chef am 05.04.2014 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzgängermagnet

    Man überlege sich mal wie viel Grenzgänger das anziehen wird. In Deutschland 1500 Euro in der Schweiz für JEDEN Job 4000 CHF = 3200 Euro

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  • Daya am 05.04.2014 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wert?

    Bin 38 und bekomme 3510.- chf ausbezahlt. Ist echt nicht viel, bin aber trozdem gegen mindestlohn. Bin der meinung gewisse angestellten sind nicht einmal 10.- chf à stunde wert. Abgesehen davon schadet das der wirtschaft langfristig. Warschenlich wird alles teuerer und dann haben 80% zu wenig lohn..

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  • Trauernder am 05.04.2014 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ich brauch keinen Mindestlohn

    Als Student bin ich froh, wenn ich für 20% 500.- als Praktikant bekomme. Wenn der Lohn so hoch steigen wird, dann nimmt mich ja niemand und dann hat es gar keinen Reiz eine Lehre zu machen oder vlt sogar ein Studium, weil jeder 4000.- kassiert. Wir fördern mit dem Mindestlohn keine Bildung sondern Ungebildete, die in der Produktion auf dem Fliessband arbeiten. Das will die SP!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sven Glauser am 07.04.2014 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr vermessen... das kann nicht gut

    gehen. Man stelle sich das nur einmal vor. 4000.- für jeden. Phu, nach 4 jähriger Lehre auf hohem Niveau bekam ich knapp über 4000.- SFR . Das Ganze hat schon kommunistische Züge. Der Lohn ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Ein Land kann keinen Lohn garantieren. Wie soll das gehen? Was passiert, wenn die Wirtschaft crasht? Was, wenn der SFR stark an Wert verliert? Wieso sollte ich mich Anstrengen, wenn ich so oder so 4000.- SFR bekomme? Es gab da mal was, das hat UdSSR geheissen. Jaaa, da war das so ähnlich. Heute gibt es die UdSSR nicht mehr. Die Kommunisten gibt es immer noch, Augen auf!

  • Wisser am 07.04.2014 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiss nicht oder Weiss nicht

    Habe mich entschieden für Weiss nicht.

  • Alex Schneider am 07.04.2014 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Benötigte Arbeitsplätze bleiben bestehen

    Und wer macht dann die Arbeit, welche die StudentInnen vorher gemacht haben? Kann der Arbeitgeber dann einfach auf diese Arbeitskräfte verzichten?

    • Arbeitgeber am 07.04.2014 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja

      Der andere Angestellte übernimmt die Mehrarbeit und bekommt mehr Lohn, ganz einfach!

    • Sven Glauser am 07.04.2014 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Frag mal...

      die Russen, wie das mit der Arbeit so war. Damals, in der UdSSR...

    • Hamlet am 08.04.2014 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Rentieren

      Wenn sich das Geschäft nicht mehr rentiert, wird es geschlossen.

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  • Mark am 07.04.2014 01:43 Report Diesen Beitrag melden

    Verkäufer verdienen mehr in Deutschland!

    Ein Verkäufer verdient Kaufkraftbereinigt in Deutschland mehr. Leider haben viele noch nicht verstanden, dass der Lohn in Deutschland usw. netto ausbezahlt wird (Steuern zahlt der Arbeitgeber!) und in der Schweiz brutto (Steuern zahlt der Arbeitnehmer!). Ein Käufer verdient gemäss mehrerer Studien mehr in Deutschland, zumal dort auch die Wohnung und das alltägliche Leben deutlich günstiger ist. Entsprechend bleibt am Schluss vielen Deutschen mehr als einem Schweizer Verkäufer. Dies nur als kleinen Anreiz zum Verständnis.

    • Luke am 07.04.2014 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Denkfehler

      Erklär mir mal wie du mit 5 Euro die Stunde auf eine höhere Kaufkraft kommst als mit 22 CHF?! Solche Aussagen kann nur jemand machen der keine Ahnung hat.

    • Jacky M. am 10.04.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Die Steuern zahlt

      schon der Arbeitnehmer - sie werden ihm nur bei der Auszahlung des Lohnes schon abgezogen. Der Arbeitgeber zahlt also lediglich für den Arbeitnehmer ein.

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  • Kurt am 06.04.2014 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Doktor SGB

    Damit bekämpft man nur ein Symptom, nicht die Ursache. Dass 3'000 Fr pro monat ein Hungerlohn sei in der Schweiz liegt einzig und allein daran dass das Preisniveau hier viel zu hoch ist. Und die Steuerabgaben steigen auch schön brav von Jahr zu Jahr.

    • Hamlet am 08.04.2014 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Lebensqualität

      Richtig. Es geht nicht um das was man verdient, es geht darum, was man sich damit leisten kann. BigMac Index ist da eine gute Idee, wie viel Zeit muss man für das gleiche Produkt arbeiten. Also von mir aus könnten alle doch 1 Mio verdienen, wenn ich aber dann wegen dem angepassten Preisniveau dennoch gleich viel Zeit investieren muss, um mir das Produkt zu leisten, hat man nichts gewonnen.

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