Während Ferien im Tessin

25. Juli 2017 05:45; Akt: 26.07.2017 10:19 Print

Leuthard beim Einkaufs-Tourismus ertappt

Bundespräsidentin Doris Leuthard wurde beim Einkaufen in einem grenznahen italienischen Dorf gesichtet. Politiker üben Kritik.

Bildstrecke im Grossformat »
Doris Leuthard geniesst zurzeit einige freie Tage in ihrem Ferienhaus im Tessiner Dorf Gambarogno. Dabei wurde sie in der grenznahen italienischen Gemeinde Maccagno beim Einkaufen beobachtet, wie die Tessiner Zeitung «Giornale del Ticino» schreibt. Das brachte ihr Kritik von anderen Politikern ein. Etwa von SVP-Nationalrat Werner Hösli: «Als Bundesrätin hat sie eine Vorbildfunktion. Da kann sie den Weg nach Locarno, das auch nicht weit weg ist, auf sich nehmen.» «Wenn die Leute nicht mehr in der Schweiz einkaufen, müssen die Läden hierzulande schliessen. Gerade kleine Geschäfte in Dörfern wie Gambarogno leiden darunter.» Leidtragende seien am Schluss die ansässigen Bewohner, sagt Hösli. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin hingegen nimmt ihre Bundesrätin in Schutz: «Frau Leuthard kann einkaufen, wo sie will.» Anders als etwa in Deutschland zahle sie in Italien Mehrwertsteuer und könne diese nicht zurückfordern, wenn der Einkauf weniger als 155 Euro gekostet hat. Auch dass Leuthard den Tessiner Lädeli geschadet hat, glaubt Riklin nicht. «Ich sehe es im Tessin selbst: Viele Lebensmittelgeschäfte haben vor Jahren geschlossen, weil auch die Tessiner nach Italien fahren. Frau Leuthard hat wahrscheinlich keine grosse Auswahl.» Leuthard selbst ging am Rande ihrer 1.-August-Ansprache in Lugano auf das Thema ein: «Die Einkäufe in Italien? Das ist eine Bagatelle», sagte sie zu RTS. 50 Euro im Ausland auszugeben, stelle für die Schweizer Wirtschaft kein grosses Problem dar.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 500 Millionen Franken an entgangener Mehrwertsteuer kostet der Einkaufstourismus den Bund, hinzu kommt der entgangene Umsatz der Schweizer Geschäfte. Nun wurde auch Bundespräsidentin Doris Leuthard beim Einkaufen in Grenznähe erwischt. Leuthard geniesst zurzeit einige freie Tage in ihrem Ferienhaus im Tessiner Dorf Gambarogno. Dabei wurde sie in der grenznahen italienischen Gemeinde Maccagno beim Einkaufen beobachtet, wie die Tessiner Zeitung «Giornale del Ticino» online schreibt und mit einem Foto belegt. Die Umweltministerin habe einen für den Wocheneinkauf gefüllten Einkaufswagen vor sich hergeschoben. «Eieiei, ehrwürdige Doris, warum kaufst du denn in Maccagno ein?», titelte das Blatt dazu.

Umfrage
Was halten Sie davon, dass Doris Leuthard in den Ferien in Italien einkauft?
50 %
16 %
33 %
1 %
Insgesamt 25386 Teilnehmer

Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) bestätigt, dass die Bundespräsidentin im italienischen Dorf eingekauft hat. Dieses liege direkt in der Nachbarschaft ihres Tessiner Feriendomizils. Es sei der am nächsten liegende Supermarkt, so das Uvek.

«‹Geiz ist geil› hat den Bundesrat erreicht»

SVP-Ständerat Werner Hösli kritisiert das Vorgehen Leuthards. «Als Bundesrätin hat sie eine Vorbildfunktion. Da kann sie den Weg nach Locarno auf sich nehmen, das auch nicht weit weg ist.» Es sei falsch, den Einkaufstourismus der Schweizer zu kritisieren, und dann selbst im grenznahen Ausland einzukaufen. «Die ‹Geiz-ist-geil›-Mentalität hat offenbar den Bundesrat erreicht.»

Diese habe Folgen für die Schweiz. «Wenn die Leute nicht mehr in der Schweiz einkaufen, müssen die Läden hierzulande schliessen. Gerade kleine Geschäfte in Dörfern wie Gambarogno leiden darunter.» Leidtragende seien am Schluss die ansässigen Bewohner.

«Frau Leuthard kann einkaufen, wo sie will»

CVP-Nationalrätin Kathy Riklin hingegen nimmt ihre Bundesrätin in Schutz: «Frau Leuthard kann einkaufen wo sie will.» Anders als etwa in Deutschland zahle sie in Italien Mehrwertsteuer und könne diese nicht zurückfordern, solange der Einkauf weniger als 155 Euro gekostet habe – was bei einem Einkaufswägeli voller Lebensmittel wohl der Fall sei. «An dem Einkauf in Maccagno ist also nichts auszusetzen.»

Auch dass Leuthard den Tessiner Lädeli geschadet hat, glaubt Riklin nicht. «Ich sehe es im Tessin selbst: Viele Lebensmittelgeschäfte haben vor Jahren geschlossen, weil auch die Tessiner nach Italien fahren. Frau Leuthard hat wahrscheinlich keine grosse Auswahl.» Zudem gebe es in Italien Produkte, die man bei uns nicht finde. «Saftige Tomaten und spezielles Olivenöl aus dem Mittelmeerraum kann man in der Schweiz nicht kaufen.»

Der Bürgermeister von Gambarogno, Tiziano Ponti, ist über Doris Leuthards Einkaufsgewohnheiten nicht empört. «Frau Leuthard wird auch immer wieder in den lokalen Läden beim Einkaufen gesichtet.» Dass Einheimische in Italien einkaufen würden, sei sowieso an der Tagesordnung. «Das ist bei uns seit fast 40 Jahren so. Man findet in den Italienischen Läden nunmal viele Dinge, die es bei uns nicht gibt.»

(laz/the)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Naund am 25.07.2017 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht!

    Sie ist dort im Urlaub und kauft im nächstgelegenen Supermarkt ein! Das ist völlig normal und hat nichts mit Einkauftourismus zu tun!!! Herr Hösli würde wahrscheinlich seine Frau schicken, damit er sagen kann; er(!) sei nicht im näheren Ausland shoppen gegangen! Ich lachmichweg! Wir wissen nicht, ob sie ihre Ware verzollt hat, wahrscheinlich ist die Grenze offen... naja, niemand wird einen Umweg auf sich nehmen!!! Also lasst Frau Leuthardt Ferien machen und kehrt vor eurer eigenen Tür!!!!

    einklappen einklappen
  • Maler50 am 25.07.2017 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur ruhig Blut!

    Auch ein Bundesrat ist nur ein normaler Mensch. Es gibt wohl kein einzigen Schweizer wenn er denn in der Nähe der Landesgrenze in den Ferien weilte nicht im Ausland eingekauft hätte. Also lasst die Kirche im Dorf sein!

  • Werner T. am 25.07.2017 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    nicht so schlimm

    Schlimmer ist, dass sie mit ihrem Tesla alle 8 Jahre eine neue Batterie braucht. Die Batterieherstellung produziert ca. 17,2 Tonnen Co2. Ein Benzin-Auto kann dafür ca. 8 Jahre lang tanken und herumfahren, die Co2 Bilanz ist dieselbe....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • L T am 25.07.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haben wir keine anderen Probleme.

    Bin absolut kein Fan von dieser Bundesrätin, aber wo Sie einkauft ist doch wirklich egal. Es wurde schon ein mal ein SVP Politiker tagelang deswegen von den Medien in allen Zeitungen zerrissen. Übrigens gibt es auch Ausländer die über die Grenze kommen und bei uns spezielle Sachen einkaufen. Solche Schlagzeilen sind nicht die Druckerschwärze Wert.

  • StefanWillibald am 25.07.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatsache!!!

    Nicht diesselben Lebensmittel!! vielleicht ging sie ja nur für einen Wein oder so...absolut ungerechtfertigt diese Kritik!!

  • mySenfy am 25.07.2017 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel wichtiger ist doch die Antwort auf die Frage

    Wie ist sie zum Supermarkt gekommen? Mit den ÖV? Hoffentlich nicht mit einem Diesel Fahrzeug!

  • Axel K. Winterheld am 25.07.2017 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha!

    Mit einen solchem Monstereinkommen.

  • Sulejka am 25.07.2017 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsere Bundespräsidentin

    jetzt wird eine riesen Story gemacht, weil unsere Bundespräsidentin ennet der Grenze eingekauft hat tztztz Bünzli-Schweizer das ist sowas von ätzend..