Energiegesetz

14. April 2017 07:36; Akt: 14.04.2017 07:36 Print

Leuthards Gegner warnen vor Bananen-Verbot

von A. Schawalder - Die Gegner der Energiestrategie senden allen Schweizern einen Werbeprospekt. Und stellen darin steile Thesen auf.

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Für die Gegner der Energiestrategie 2050 sieht es den Umfragewerten zufolge schlecht aus. Nun gehen sie in die Offensive: Am Donnerstag haben alle Schweizer Haushalte Post vom überparteilichen Nein-Komitee erhalten. Federführend ist die SVP, die die Wähler bereits bei vergangenen Abstimmungen immer wieder mit «Extrablättern» eingedeckt hat.

Umfrage
Fürchten Sie ein Bananen-Verbot?
18 %
27 %
17 %
27 %
3 %
8 %
Insgesamt 10256 Teilnehmer

Der aktuelle, zwölfseitige Prospekt nennt sich schlicht «Energieinfo». Das Komitee warnt darin in grellen Farben vor einer Annahme des Energiegesetzes, welches bis 2035 eine Reduktion des Energieverbrauchs um 43 Prozent vorsieht. Energieministerin Doris Leuthard und eine Mehrheit des Parlaments unterstützen die Energiestrategie.

Unter anderem listen die Gegner eine ganze Reihe an Folgen auf, mit welchen sie bei einer Annahme des Energiegesetzes rechnen. «Verbot von Bananen, Kaffee und Fleisch?», heisst es etwa. Wegen Stromausfällen drohten zudem Zugausfälle und abgesagte Fussballspiele. Auch Waschmaschinen, Staubsauger und Handys könnten nur noch eingeschränkt verwendet werden. Weiter warnt die SVP vor Benzinpreisen von bis zu 3 Franken pro Liter.

Befürworter hält Thesen für unrealistisch

Stefan Batzli, Sprecher des Vereins Schweizer Wirtschaft für die Energiestrategie 2050, findet die Beispiele völlig an den Haaren herbeigezogen: «Die Thesen entsprechen überhaupt nicht der Realität. Die alten Atomkraftwerke sind heute unzuverlässiger als erneuerbare Energien.» Die beschriebenen Zustände seien «völlig undenkbar».

Es gehe nicht darum die Energieinfrastruktur abzubauen, sondern mit einem Blick in die die Zukunft umzubauen und alte Technologien zu ersetzen. «Und schliesslich sind wir im Zentrum Europas. Wir importieren und exportieren Strom, immer schon. Engpässe gibt es deshalb keine.»

Nichts mit Bananenverbot zu tun

Auch Anthony Patt, Professor für Klimaschutz an der ETH Zürich, kann diese Negativ-Szenarien nicht bestätigen. Auf das Beispiel mit den Bananen angesprochen, ist er eher verwirrt: «Ich sehe nicht, wie die Energiestrategie zu einem Bananenverbot führen könnte.» Die Energie, die für den Transport der Banane in die Schweiz verwendet wird, fliesse nicht in die Energiebilanz der Schweiz ein.

Auch Stromausfälle im Bahnnetz oder in Fussballstadien drohten nicht: In den nächsten 30 Jahren würden neue Speichermöglichkeiten geschaffen, das Stromnetz modernisiert und angepasst, so Patt. Aber: «Würde die Schweiz mit dem heutigen Stromnetz den Strommix von 2050 erhalten, könnte es wohl zu Ausfällen kommen. Damit das nicht passiert, haben wir Swissgrid und das Bundesamt für Energie.»

Plausibler sei die Befürchtung, dass die Treibstoffpreise ansteigen werden. Denn der Bundesrat plante für die zweite Etappe der Energiestrategie ursprünglich Lenkungsabgaben – im Nationalrat hatte die Idee jedoch keine Chance. Wie sich die Preise für Treibstoffe nun entwickeln werden, ist laut Patt schwer zu sagen.

«Es wird nicht ohne Verzichte gehen»

Toni Brunner, Leiter der Gegen-Kampagne, bleibt bei seinem Standpunkt. Wenn der Energiekonsum um 43 Prozent reduziert werden soll, gehe das nicht ohne Verzichte und Einschränkungen. Dass die Lenkungsabgabe auf Benzin fürs Erste abgelehnt wurde, lässt er nicht gelten: «Damit ist die Idee einer Lenkungsabgabe alles andere als gestorben.» Wolle man die Reduktionsziele im neuen Energiegesetz erreichen, so werde man auch die Treibstoffpreise erhöhen müssen.

Auch Stromausfälle sind laut Brunner ein realistisches Szenario, da mit der Abschaltung der AKW ein Drittel der Schweizer Stromproduktion wegfalle. Aufs Ausland könne man sich nicht verlassen: «Ob 2050 aber unsere Nachbarstaaten überhaupt noch genügend Strom liefern können und ob sie ihn nicht selber benötigen, steht noch völlig in den Sternen.»

Zum Bananenverbot wird Brunner nicht konkret: «Kaffee und Bananen kommen aus weit entfernten Ländern, und die Energiebilanz dieser Produkte ist negativ.» Auf den Einwand, dass beim Gesetz die Energiebilanz von Produkten keine Rolle spiele, erklärt Brunner: «Die Umsetzung der Energiestrategie wird nicht nicht ohne Verzichte und Wohlstandsverluste gehen. Wir haben deshalb zu Recht Fragen aufgeworfen, was für Auswirkungen sie auf unser Leben haben könnte.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 14.04.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monstervorlage

    Das Problem ist doch dass das wieder einmal eine Monstervorlage ist, und die daraus resultierenden Folgen gar niemand richtig abschätzen kann. Besser wären kleinere dafür klare Etappenziele deren Folgen auch klar definiert sind.

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  • Donna M. am 14.04.2017 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treibstoff

    Das mit dem Benzinpreis von 3.- oder gar stimmt dann schon eher. Man findet halt immer Neues um Geld zu generieren. Was dann wieder Zweckentfremdet wird.

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  • Weihnachtsmuffel am 14.04.2017 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Halleluja!

    Dadurch vielleicht endlich keine unnötigen Weihnachtsbeleuchtungen mehr!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LLLL am 15.04.2017 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegner

    Die Gegner befürchten bei einem Ja, dass ihnen nicht genug Energie bleibt um die schandhaften Flyer und Zeitungen zu produzieren, die in den letzten Tagen in die Briefkästen deponiert wurden, ob man wollte oder nicht. Von alternative Energien haben die Gegner null Ahnung. Wenn ich meine Solaranlage für Strom- und Warmwasserproduktion beobachte, könnten wir die Schweiz problemlos mit Solar-, Wind- und Wasserkraftstrom versorgen. Alle anderen Aussagen sind unseriös und Angstmacherei. Deshalb am 21.05.2017 ein JA.

    • Stefan Hübscher am 16.04.2017 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LLLL

      Für diese Energiesparwut werden aber dann Produkte gebraucht (Spaarlampen, LED, Baumaterialien aus chemischen Verbundstoffen usw) die einerseits einen katastrophalen Ökologischen Fussabruck und andererseits mit ihren Schwermetallen (Blei, Queksilber...) gesundheitsschädigend, gar lebensbedrohlich sind. Hinzu kommt noch dass für seltene Erden ganze Entwicklungsländer und Schwellenländer ausgebeutet werden. Haupsache wir haben unser Gewissen rein und sparen Strom! Aber Zu welchem Preis? Denkt mal drüber nach...

    • Xsasan am 18.04.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan Hübscher

      Blei und Quecksilber? Gibts zur Genüge auch in nicht "erneuerbaren" Produkten. Schon mal überlegt, was in Ihrem Handy, Notebook, PC so alles verbaut ist? Aber da motzt man natürlich nicht. Nur beim bösen Tesla-Akku und bei Photovoltaik-Anlagen. Heuchlerisch.

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  • Stefan Hübscher am 15.04.2017 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hypothese Klima-Co2

    Es ist ein Witz in Anbetracht dessen, dass dieses Gesetz auf den Co2 Ausstoss und dessen scheinbaren Folgen, der Klimaerwärmung basieren!! Denn es ist bis heute nur eine "Annahme" oder eine "Hypothese" dass dabei das Co2 eine wesentlichen Einfluss auf die Klimaerwärmung hat. Jedes Gesetz dass aufgrund einer Annahme beschlossen wird, muss zwingend abgelehnt werden!!

    • Xsasan am 18.04.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan Hübscher

      Sie sind ein Freund von Herrn Trump, nicht wahr?

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  • Besserwisserdennje am 15.04.2017 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    40 Franken

    im Jahr finanzieren nur die Förderung erneuerbarer Energien, von 1,5Rp pro Kilowattstunde auf 2,3Rp, falls dies reicht. Massnahmen zum senken des Energieverbrauchs sind dabei nicht berücksichtigt und bevor jetzt alle losmotzen ja auch die Gegenseite lügt. Der Bürger wird sowieso ausgenommen oder wo sonst steigen die Preise wenn die Hersteller eine neue Fabrik bauen? Nirgends, also egal ob Akw oder Solaranlage wir dürfen mehr zahlen, aber meinen Segen zu grenzenlosem Kostenwachstum, welcher meinen Arbeitsplatz(hab mehr als nur n PC:) gefährdet, dazu sage ich nein. Herr Nussbaumer hat ja schon länger erklärt, dass energieintensive Betriebe, dann vielleicht ins Ausland abwandern, als ob die dort keinen Strom benötigen würden und lange Transportwege besser wären, aber hey passiert ja dann nicht hier also alles super

  • Ivo Furrer am 15.04.2017 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der Vergleich zeigt das Problem

    Wer weiss dass eine Windkraftanlage ca. 2-5 MW Leistung bringt ( bei Wind ) jedoch das KKW Beznau 1 im Vergleich dazu 365 MW wird schnell merken dass unsere KKW nicht ohne weiteres ersetzt werden können oder wollt ihr mehrere Hundert solche Windanlagen welche bei Windstille nicht ein Watt bringen.

  • Studentin am 15.04.2017 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbwissen

    Es ist interessant, wie viele in den Kommentaren über alles Bescheid wissen. Bin Geowissenschaftler. Es braucht ein klares Ja, die Initiative ist sogar zu lasch. Natürlich muss man sich einschränken, aber das tut ja keinem ernsthaft weh. Finde es wichtiger, dass man die Erde erhält und auch die nachkommenden Generationen Lebensgrundlagen haben. Aber anscheinend ist momentan im Luxus zu leben für viele wichtiger.