Schweizer Militär

09. Februar 2018 14:17; Akt: 09.02.2018 14:22 Print

Jeder elfte Rekrut steht politisch ganz rechts

von D. Krähenbühl - Schweizer Rekruten verorten sich oft weit rechts oder links im politischen Spektrum. In der Rekrutenschule mässigen sich aber viele.

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Bei einer Umfrage der Militärakademie an der ETH antworteten 9 Prozent der Schweizer Rekruten, dass sie sich «ganz rechts» im politischen Spektrum einreihen, 5 Prozent «ganz links». Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt der Anteil aller 18- bis 29-Jährigen bei nur 1,7 («ganz rechts») und 0,4 Prozent («ganz links»). Dass die Armee politisch rechts eingestellte Personen anziehe, sei darauf zurückzuführen, dass Rechte eine Affinität für militärische Prinzipien (Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Führungsprinzip) hätten, begründet Tibor Szvircsev Tresch, Militärsoziologe an der Militärakademie (Milak) an der ETH die Ergebnisse. Gegen Ende der Rekrutenschule schätzten sich allerdings immer weniger Personen als «ganz rechts» oder «ganz links» ein. Szvircsev Tresch führt das auf die «Integrationsleistung» der Rekrutenschule zurück: «Während der RS können Vorurteile abgebaut werden, weil man sich während dieser Zeit gut kennen lernt und auch kennen lernen muss.» Dass überproportional viele Personen ins Militär kommen, die sich am rechten politischen Rand verorten, überrascht SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Aber junge Männer sind halt oft Draufgänger und in ihren politischen Positionen noch nicht so gefestigt» erklärt er die Ergebnisse. Trotzdem sehe er keinen Grund, Alarm zu schlagen. «Die Umfrage am Schluss der RS zeigt, dass die militärische Ausbildung eine Lebensschule ist und Wirkung zeigt», sagt Hurter. In der RS sei es möglich, seinen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen. Für GSoA-Sekretär (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) Lewin Lempert ist die Armee selbst schuld an dieser Entwicklung. «Vorfälle mit rechtsextremen Soldaten sind mittlerweile keine Einzelfälle mehr, sondern haben System.» Die Armee stehe in der Pflicht, diese extremen politischen Tendenzen gar nicht erst aufkommen zu lassen und die Präventionsmassnahmen auszubauen. Mit nicht einmal einer Vollzeitstelle in der Armee-Fachstelle für Extremismus dürfte das aber schwierig werden, sagt Lempert. Den Vorwurf der GSoA lässt Daniel Reist, Chef Kommunikation Verteidigung, bei der Armee nicht gelten: «Die Besetzung der Fachstelle Extremismus in der Armee reicht zur Genüge, das haben unsere Erfahrungen gezeigt.» Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass die Bemühungen der Armee in die richtige Richtung gehen würden.

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9 Prozent der Schweizer Rekruten reihen sich bei Beginn der RS im politischen Spektrum «ganz rechts» ein, 5 Prozent «ganz links». Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt der Anteil aller 18- bis 29-Jährigen bei nur 1,3 («ganz rechts») und 0,4 Prozent («ganz links»). Dies zeigte eine bisher unveröffentlichte Umfrage der Militärakademie (Milak) an der ETH Zürich bei 1291 Rekruten einer Sommer-RS. Klare Unterschiede gibt es zwischen Schweizern und Secondos. So reihen sich 54 Prozent der Schweizer ohne Migrationshintergrund im politischen Spektrum «rechts» oder «ganz rechts» ein. Bei den Secondos sind es lediglich 34 Prozent.

Dass die Armee politisch rechts eingestellte Personen anziehe, sei darauf zurückzuführen, dass Rechte eine Affinität für militärische Prinzipien (Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Führungsprinzip) hätten, sagt Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch, der die Studie durchgeführt hat. «Wer eher links tickt, tritt eher nicht in die Rekrutenschule ein, sondern wählt den Zivildienst als Alternative.»

«In der Rekrutenschule rücken sie nach links»

Gegen Ende der Rekrutenschule schätzten sich allerdings immer weniger Personen als «ganz rechts» oder «ganz links» ein. Szvircsev Tresch führt das auf die «Integrationsleistung» der Rekrutenschule zurück: «Während der RS können Vorurteile abgebaut werden, weil man sich während dieser Zeit gut kennen lernt und auch kennen lernen muss.» Er habe aber nicht damit gerechnet, dass sich die Rekruten am Ende der Rekrutenschule linker einstufen würden als zu Beginn. «Dieser Linksdrall ist fast schon ironisch für die Armee, der man vorwirft, eine rechte Institution zu sein», sagt Szvircsev Tresch.

Dass überproportional viele Personen ins Militär kommen, die sich am rechten politischen Rand verorten, überrascht SVP-Nationalrat Thomas Hurter, der die Umfrage hinterfragt. «Junge Männer sind halt oft Draufgänger und in ihren politischen Positionen ‹am Ausprobieren›», erklärt er die Ergebnisse. Trotzdem sehe er keinen Grund zur Besorgnis. «Die Umfrage am Schluss der RS zeigt, dass die militärische Ausbildung eine Lebensschule ist und Wirkung zeigt», sagt Hurter. In der RS sei es möglich, seinen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen. «Umso schlimmer ist es, dass sich viele Junge vor dem Militärdienst drücken wollen und den Weg in den Zivildienst wählen», sagt Hurter.

«Vorfälle mit rechtsextremen Soldaten haben System»

Für Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), ist die Armee selbst schuld an dieser Entwicklung. «Vorfälle mit rechtsextremen Soldaten sind mittlerweile keine Einzelfälle mehr, sondern haben System.» Die Armee stehe in der Pflicht, diese extremen politischen Tendenzen gar nicht erst aufkommen zu lassen und die Präventionsmassnahmen auszubauen. «Mit nicht einmal einer Vollzeitstelle in der Armee-Fachstelle für Extremismus dürfte das aber schwierig werden.» Dass die politische Ausrichtung am Schluss der Rekrutenschule weniger extrem rechts ausgeprägt ist als zu Beginn, sei kein Verdienst der Armee: «Wenn Menschen zusammenkommen, haben extreme Positionen immer einen schwereren Stand.»

Armee-Sprecher Daniel Reist betont: «Die Besetzung der Fachstelle Extremismus in der Armee reicht zur Genüge, das haben unsere Erfahrungen gezeigt.» Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass die Bemühungen der Armee in die richtige Richtung gingen. «Durch die Arbeit im Team schwächen sich extremistische Tendenzen bei Einzelnen wohl ab, was wir natürlich sehr begrüssen», sagt Reist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tamara am 09.02.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Links Aussen

    Und jeder 5 Student steht politisch ganz links

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  • pater007 am 09.02.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Wenn ich die Willkommenspolitik mit unserer "er hat doch eine 2. und 3. und auch noch 4. Chance verdient" Mentalität anschaue, so wundert mich das nicht

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  • Ueli am 09.02.2018 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, und?

    Das wundert mich nicht. Das liegt doch in der Natur der Sache.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Res Zaugg am 12.02.2018 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wow.....

    Was für eine Erkenntnis! Wahrlich!! Und ja...über 90% der Journalisten sind entweder Mitglied der SPS oder sind dieser Gesinnung zugeneigt. Wäre doch auch mal einen Bericht wert?

  • Adi am 12.02.2018 02:24 Report Diesen Beitrag melden

    Papirschweizer

    Logisch weil von 10 Rekruten 9 Papirschweizer sind

  • Johnny Begood am 11.02.2018 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Prozentrechner

    Wahnsinn, jeder elfte Rekrut? Danke für den Steilpass! Wo lassen sich die übrigen 91 % der Rekruten politisch einordnen?

  • Almir am 11.02.2018 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    verharmloser SVP

    Wenn die RS eine Moschee wäre würde der gleiche SVPler Zeter und Mordio schreien.

  • J. J. am 11.02.2018 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitzli Hirn wär gut.

    ich bin für gesunden Menschenverstand & gegen Gewalt... Rassismus, wie auch Beschädigung fremden Eigentums finde ich bescheuert... radikal links wie auch radikal rechts ist für mich einfach nur Hirntot.