Rasanter Wandel

02. März 2016 05:41; Akt: 02.03.2016 05:41 Print

Littering ist den meisten Jugendlichen egal

von G. Brönnimann - Die Schweiz ist bekannt für Sauberkeit und Ordnung. Die meisten Einwohner möchten, dass das so bleibt. Doch Littering ärgert nicht mehr alle.

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Die Liebe der Schweizer zu totaler Sauberkeit ist längst ein Klischee: Schon in «Asterix bei den Schweizern» (1970) verbrachten die Helvetier die meiste Zeit mit putzen. Noch heute staunen Touristen aus nah und fern über die Sauberkeit im Land. Aber das Markenzeichen scheint bedroht: Littering, das Herumliegenlassen von Kleinmengen von Abfall aller Art, erhitzt Schweizer Gemüter seit Jahren.

Die Unsitte wird mit Kampagnen, Putz-Equipen und neuen Abfallkonzepten an allen Fronten bekämpft. Bussen für Abfall-Kleinsünder, in vielen Kantonen längst Realität, sollen bald landesweit eingeführt werden. Doch verbreiten die Massnahmen auch den gewünschten Willen zur Sauberkeit in der Bevölkerung? Eine repräsentative Studie lässt darüber Zweifel aufkommen.

Littering stört signifikant weniger

Es handelt sich um die Schweizerische Sicherheitsbefragung 2015 im Auftrag der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten, die am Montag veröffentlicht wurde. Sie stellte nicht nur einen Rückgang bei Straftaten fest: Auch beim Thema Littering gibt es im Vergleich zur Sicherheitsstudie 2011 eine signifikante Veränderung.

Zwar geht die Studie nicht der Frage nach, ob Littering zu- oder abgenommen hat. Aber eine der Fragen lautet: «Gibt es störende Sachen auf der Strasse? Wenn ja, was?» Darauf haben 2011 noch 51,8 Prozent «Littering (Herumliegen von Abfällen)» genannt. Ein Ärgernis, weit grösser als «Drogenabhängige, -Handel» (38,8 Prozent). Auch bei den Befragten, die jünger als 26 Jahre waren, empfanden 38,7 Prozent Littering als störend. Ganz anders wenige Jahre später: Littering stört 2015 nur noch 41,7 Prozent der Schweizer. Der Grund: Während die älteren Befragten Littering immer noch als relativ störend empfanden (nur leichte Abnahme), ist das Thema für die unter 26-Jährigen nur noch halb so brisant: 20 Prozent empfinden Littering noch als «störend». Das ist nur noch jeder fünfte junge Schweizer.

«Vielleicht hat man sich ans Littering gewöhnt»

Warum diese markante Abnahme? Rechtsprofessor Martin Killias, der Studienleiter der Sicherheitsstudie, sagt: «Ein Grund für das anhaltende Littering kann sein, dass viele Lebensmittel unterwegs konsumiert werden. Die Verpackungen oder Getränkedosen sieht man ja an jedem Wiesenrand, an jeder Strasse herumliegen.» Über den signifikanten Wandel bei den Jugendlichen könne man nur spekulieren. Killias: «Vielleicht hat man sich irgendwie ans Littering gewöhnt.»

Greifen denn die vielen Präventionskampagnen nicht? Killias sagt, das Problem liege darin, dass man es nicht mit Sicherheit wisse: «Das ist ein allgemeines Problem von Präventionskampagnen: Wir stellen zwar – auch in unserer Studie – eine Beachtung von Kampagnen fest, aber ob sie auch etwas Positives bewirken, weiss man nicht eigentlich.» Er schlägt vor, dass es Studien zu Präventivkampagnen brauche. Auch, so Kilias, um diese zu verbessern: «Man muss sich schon fragen, ob man nicht auch präventive Kampagnen auf ihre Wirksamkeit untersuchen müsste – da sie viel kosten, wäre das sogar gut eingesetztes Geld.»

«Massnahmen und Studien zeigen Wirkung»

«Uns war das so nicht bewusst», sagt Marco Buletti, Leiter Sektion Abfallbewirtschaftung beim Bundesamt für Umwelt Bafu, über die veränderte Einstellung zum Littering bei jungen Schweizern. Erklären könne man es womöglich mit «mittlerweile noch weiter veränderten Konsumgewohnheiten – mit noch mehr Mahlzeiten, die unterwegs eingenommen werden». Buletti hält aber fest: «Wir erhalten unverändert viele Anfragen zum Thema Littering, das Thema beschäftigt die Bevölkerung unvermindert stark.» Und: «Es gibt nicht das eine, heilige Lösungsmittel: Die Mischung aus Information, Sensibilisierung, Repression und Einbeziehung der Produzenten ist am erfolgreichsten.»

Immerhin, so Buletti, wird das Littering-Problem in der Wahrnehmung der Leute nicht grösser – Ziel sei, es langsam zu senken. Das betont auch Yves Gartner (siehe Interview) von IG saubere Umwelt (IGSU), der auch 20 Minuten angehört: Die Littering-Situation sei trotz mehr Unterwegskonsum und Bevölkerungszuwachs stabil geblieben – das sei positiv zu werten und zeige, dass die «Massnahmen und Kampagnen durchaus Wirkung zeigen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Craro am 02.03.2016 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massnahme

    Jeder der erwischt wird, wie er Abfall irgendwo in eine Wiese wirft, sollte zur Strafe einen Monat lang ohne Lohn und mit der Aufschrift "ehemaliger Abfallsünder" auf der Leuchtweste, an den Strassenrändern in der Region Abfall einsammeln gehen. Am besten sollte er seine Eltern gleich auf die Tour mitnehmen. Denn die haben die Erziehung verbockt!!

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  • Sehnsucht 67 am 02.03.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    definitiv

    Der Titel sagt alles vom Artikel. Ja es ist den Jugendlichen sowas von egal. Ein gutes Beispiel ist die Chinawiese die jedes Wochenende zugemüllt wird obwohl grosse Abfall Tonnen gleich daneben stehen. Im Migros räumen sie das Tablett nicht weg nach dem Essen. Im Mc Donalds wird alles stehen gelassen und nicht weg geräumt etc etc. noch fragen?

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  • 20Std am 02.03.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild USA?

    Ich hab sonst mit den Amis nicht viel am Hut. Aber bereits vor dreissig Jahren beeindrucke mich das Schild Littering = 1000$ Auf dem Lake Powell galt dies auch für Zigarettenstummeln und Kaugummi! Mal vorbehaltlos zu übernehmen! Es ist störend wie ich als Taucher im Thunersee usw. leere Büchsen anschauen muss. Autobahnen und sogar Strassen durchs Weideland von Nutzvieh voller Abfall.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geissenpeter am 02.03.2016 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    nicht nur Ausländer sondern auch Schweizer müssen sich in der Schweiz integrieren. Wir sehen dass viele Jugendliche Dank FB & Co sich eher dem US Lifestyle anpassen. Wenn Eltern ihre Kinder nicht richtig erziehen können muss der Staat dafür sorgen. Bussen nützen nichts v.a. wenn sie so klein sind. Bussen rauf und Schulfach einführen!

  • kylo ren am 02.03.2016 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Littering 

    Muss zugeben, dass ich das ganz anders erlebe! Bei uns in der Schule ernte ich immer schon böse Blicke, wenn ich nur mit der PET-Flasche vor dem normalen Abfall stehe. Wahrscheinlich liegt es einfach an meinem Umfeld, bin aber echt dankbar, dass es meinen Freunden nicht egal ist! Und den Abfall draussen liegen lassen, macht hier wirklich keiner. Vielleicht ein, zwei Papierchen. Die werden dann aber in den Pausen von den Erstklässlern eingesammelt. Finde ich super.

  • Kerrigan am 02.03.2016 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansteckend

    In einer Bar der Region steht die Aufschrift, man möge doch bitte Abfall und Gläser an der Theke deponieren und nicht am Tisch lassen. Einmal hab ichs liegen lassen und erntete dafür von Freunden einen mahnenden Blick. Seit dem mach ich es genauso und es wirkt. Andere die dabei sind, bringen es nun auch nach vorne. Eine Art Gruppenzwang, nur positiv. Und es verbreitet sich rasch. Man will in der Runde nicht der Assi sein, der dem Personal mehr Arbeit aufbürdet und Müll hinterlässt.

  • Calisto am 02.03.2016 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Finde es einfach nur traurig! Zu Hause wirft man den Müll ja auch gleich in den Abfall, dann sollte das draussen auch gehen!

  • Dr. Evil am 02.03.2016 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pranger

    Man könnte vielleicht den Abfallsündern einen Abfallkübel umbinden. Damit müssten sie dann eine Woche lang rumlaufen, auf belebten Strassen und Plätzen. Vielleicht noch mit einem Schild: "Ich war ein Schmutzfink, jetzt mache ich sauber!" oder so etwas in dieser Art. Diese Person würde ihr blaues Wunder erleben. Und es würde die Passanten motivieren, ihren Abfall gleich - mit Schwung! - beim Schmutzfink zu deponieren. Win-Win!