Kontrollen für Lohngleichheit

30. Mai 2018 15:45; Akt: 30.05.2018 15:45 Print

«Minimalistischer Schritt nach Schlag ins Gesicht»

von B. Zanni - Der Ständerat hat sich zu einem Entscheid in Richtung Lohngleichheit durchgerungen. Linke Politiker machen keine Luftsprünge.

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Bei den Löhnen haben die Männer immer noch die Nase vorn. Für gleichwertige Arbeit verdienen Frauen laut Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) 7,4 Prozent oder 585 Franken pro Monat weniger als Männer. Jährlich macht dies einen nicht erklärbaren Lohnunterschied von rund 7000 Franken aus. Am Dienstag entschied der Ständerat, dass sowohl private als auch öffentliche Unternehmen ab 100 Mitarbeitern künftig eine Lohngleichheitskontrolle durchführen und diese überprüfen lassen müssen. Vorgesehen ist, dass das Gesetz spätestens neun Jahre nach Inkrafttreten evaluiert wird und auf zwölf Jahre befristet ist.

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Damit hat sich der Ständerat zum ursprünglichen Antrag der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur durchgerungen. Noch im Februar hatte die kleine Kammer eine Vorlage des Bundesrats, die Unternehmen bereits ab 50 Mitarbeitern zu Lohnanalysen verpflichten wollte, an die Kommission zurückgeschickt und Alternativen gefordert. Das sorgte bei den Befürwortern für heftige Kritik. Sie sahen in den Forderungen einen Vorwand zur Tatenlosigkeit. Als Nächstes befindet der Nationalrat über das Gesetz.

Fehlende Sanktionen kritisiert

Luftsprünge machen linke Politikerinnen auch jetzt nicht. «Nach der Ohrfeige, die der Ständerat den Frauen in der letzten Session gegeben hat, ist das Ja nur ein überfälliger Schritt», sagt SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen. Bis zur Lohngleichheit sei es noch ein weiter Weg. «Will man wirklich Lohngleichheit schaffen, müssen auch Unternehmen ab 50 Mitarbeitern zu Lohnanalysen verpflichtet sein und Sanktionen definiert werden.» Es gebe keine Zeit mehr zu verlieren. «Es ist schon unhaltbar, dass wir im Jahr 2018 überhaupt noch für Lohngleichheit kämpfen müssen.» Die ungleichen Löhne verletzten den Gleichheitsgrundsatz fundamental und seien ein Hindernis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Auch Grünen-Nationalrätin Irène Kälin spricht von einem «minimalistischen Schritt nach einem ersten Schlag ins Gesicht aller Frauen». Der Gesetzesvorschlag gehe zu wenig weit. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Männer unserem Anliegen nicht gerecht werden wollen.» Es sei ein Hohn, dass Gegner die Lohnanalysen als bürokratisches Monster verkauften. «Dabei benötigt eine solche Analyse gerade mal einen Arbeitsaufwand von einem Tag.»

«Nichts weiter als ein neues unnötiges Regulativ»

Auch bürgerlichen Politikern werden die Lohngleichheitskontrollen nicht gerecht. «Sie sind nichts weiter als ein neues unnötiges Regulativ», sagt FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. Es werde missachtet, dass die Lohndifferenzen in den letzten Jahren zurückgegangen seien. «Den KMUs ist der Lohngleichheitsdialog gelungen», sagt der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands. Habe eine Mitarbeiterin den Eindruck, dass sie weniger verdiene als ihr Kollege, könne sie jederzeit Lohnverhandlungen führen. «Die Frage ist nicht, ob Löhne gerecht sind oder nicht, sondern wie man seine Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt verkauft.»

Auch SVP-Nationalrat Mauro Tuena lehnt Lohngleichheitskontrollen ab. «Es ist klar: Für die gleiche Leistung gibt es den gleichen Zapfen», sagt Tuena. Dafür müsse kein Bürokratieapparat aufgebaut werden. Lohngleichheit könne bereits heute vor Gericht eingeklagt werden. «Schwarze Schafe gibt es leider immer. Aber der allergrösste Teil der Firmen bezahlt Frauen und Männern gleiche Löhne für den gleichen Job.» Frauen, die Lohndiskriminierung erleben, seien ihm noch nie begegnet. Passe ihnen der Lohn nicht, hätten sie dieselben Gründe wie die Männer. «Jeder findet doch, dass er ein paar Franken mehr verdient hätte.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 30.05.2018 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ammenmärchen

    Nichterklärbare Lohnungleichheit ist in den meisten Berufen ein Ammenmärchen. Oder warum soll dann jemand noch einen Mann einstellen, wenn er für weniger Geld die gleiche Leistung, Erfahrung und Flexibilität kriegt? Kann mir das Frau erklären?

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  • Realist am 30.05.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leistung zählt

    Wenn Frauen für die absolut gleiche Leistung im Job weniger Lohn bekommen, warum werden dann überhaupt noch Männer eingestellt?

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  • Kommentator am 30.05.2018 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Statistiken

    Solange die Statistiken so schwammig sind, kann nicht mehr erwartet werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jerry92 am 31.05.2018 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Branchenabhängige Unterschiede

    Dass ein typischer Frauenberuf wie Coiffeuse weniger verdient wie ein typischer Männerberuf wie Mechaniker hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Eine Mechanikerin verdient mehr als ein Coiffeur! Das ist abhängig vom Beruf. Dad hat nichts mit der Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau zu tun!

  • Peter Schwarz am 31.05.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn durch Gesetz statt Leistung ?

    Gesetze speziell für Frauen ohne geschlechtsspezifischem Grund sind keine Gleichberechtigung. Gesamtwirtschaftlich findet sogar eine enorme Umverteilung zu Gunsten der Frauen statt. Gleiches recht heisst, das dass Geschlecht eben keine Rolle spielt. Was ist, wenn der freie Markt einfach objektiver ist als gewisse Frauenrechtlerinnen und einem das Ergebnis einfach nicht passt ? Der wirklich grosse Lohnunterschied besteht übrigens bei gleicher Leistung zwischen privat und öffentlichem Bereich. ( 30 % beim KV !) Genau desshalb weil der Markt hier eben gerade nicht spielt.

  • Peter J. Müller am 31.05.2018 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das will sie bewusst nicht

    Warum kann sich eine Bundesrätin auf nicht korrekte Lohnerhebungen des BFS abstützen? Die korrekte Lohnstudie die sie selber bei der Uni St. Gallen in Auftrag gegeben hat, übergeht sie bewusst. Mit der korrekten Lohnstudie von der Uni St. Gallen braucht es keine Lohnkontrollen. Aber das will die Bundesrätin bewusst nicht!!!

  • Peter J. Müller am 31.05.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank der Umverteilung

    Dank der Umverteilung erhalten die Frauen jedes Jahr über eine Vielzahl von Gesetzen und Kassen 15 bis 20 Milliarden Franken von den Männern. Das haben die SP Politikerinnen transparent gemacht.

  • Peter J. Müller am 31.05.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie sollen selber schauen

    Es kann nicht sein, dass die Männer für die jährlichen Mehrkosten der Frauen aufkommen müssen. Die Frauen sollen selber schauen, dass sie ihre Mehrkosten in den Griff bekommen.