Sexueller Missbrauch

26. Februar 2018 12:19; Akt: 26.02.2018 12:19 Print

«Er verschickte täglich Dick Pics an 20 Mädchen»

von S. Schreier - Eine Jugendliche wurde von ihrem angeblichen Freund sexuell ausgebeutet. Ein Bekannter erzählt, wie der «Loverboy» vorgeht.

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Die jugendliche Schweizerin Melanie* wurde Opfer eines «Loverboys». Zuerst bezirzte Simon* sie und schenkte ihr seine Aufmerksamkeit. Doch schnell wurde die Beziehung grob. Simon würgte sie beim Sex, bis sie ohnmächtig wurde und schlug sie, schreibt die «NZZ am Sonntag», die den Fall publik machte.

Danach soll er sie zunehmend isoliert und befehligt haben. Im Sommer 2017 habe er sie aufgefordert, mit anderen Männern zu schlafen. Als Beweis sollte sie ihm ein Video vom Akt schicken. «Warum soll ich das tun?», fragte Melanie. Das sei normal, antwortete ihr Freund. «Das machen alle. Du liebst mich doch. Oder nicht?» Mindestens drei Mal sei Melanie der Aufforderung nachgekommen. Einmal habe ein Mann ihr nach dem Sex 200 Franken geben wollen. Sie lehnte ab. Simon sagte: «Schade, das hätte meine Fahrt zu dir finanziert.»

«Loverboy»-Fälle nehmen in der Schweiz zu

Im Juli 2017 wurde Melanie von einem Bekannten des Mannes darauf aufmerksam gemacht, dass dieser anderen Mädchen dasselbe antue. Daraufhin habe sie sich ihrer Mutter anvertraut. Eine Strafanzeige machte die junge Frau nicht. Rechtsberater haben ihr davon abgeraten. Auch Geld floss nicht. Ein Vertreter der Fachstelle Act212 sagt der Zeitung, wäre es so weitergegangen, hätte Simon wohl andere Männer für Sex mit Melanie bezahlen lassen. Die Zahl der «Loverboy»-Fälle in der Schweiz steige, so die Fachstelle.

20 Minuten hat mit dem ehemaligen Geschäftspartner von Simon gesprochen: «Er wollte in meine Online-Firma investieren», sagt Marco*. «Bei einem Treffen im Juni 2017 erhielt ich Einsicht in seinen Facebook-Account.» Marco habe sich das Profil angeschaut und sei erschrocken: «In den Chats stiess ich auf verstörende und perverse Nachrichten, Bilder und Videos. Er chattete mit jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren.» Daraufhin brach er den Kontakt zu Simon ab.

«Er chattet mit zehn Mädchen gleichzeitig»

Marco wollte den betroffenen Mädchen aber helfen. Viele von ihnen kontaktierte er: «Ich versuchte zu erklären, was Simon mit ihnen macht und auf was für einen Menschen sie gerade reinfallen.» Auch mit Melanie gab es Kontakt: Er erzählte ihr, dass Simon mit vielen anderen Mädchen dieselbe Masche abziehen würde und sie sich Hilfe holen solle. Das habe Melanie den Anstoss dazu gegeben, den Kontakt zu Simon abzubrechen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete.

Simon chattete gemäss Marco mit rund zehn Mädchen gleichzeitig. Pro Tag verschickte er Dick Pics an etwa 20 Mädchen, drei bis vier davon antworteten. Marco sagt, er wolle mehr tun, die Bilder und Videos mit pornografischen Inhalten an die Polizei weiterleiten. «Aber ich mache das nur, wenn ich das Einverständnis der Mädchen habe. Viele wollen diesen Schritt nicht machen. Und das respektiere ich.»

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Wurden Sie auch Opfer der «Loverboy»-Masche oder kennen Sie eine Betroffene? Melden Sie sich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andi am 26.02.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    keine anzeige?

    was sind denn das für rechtsberater, die von der anzeige solcher verbrechen abraten?

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  • Artemide68 am 26.02.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nation?

    Was sind das für kranke Kerle? Wenn ich so was lese, frage ich mich, was ist aus gewissen Menschen geworden.

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  • jogiundbubu am 26.02.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    ..kann's nicht nachvollziehen..

    da bleibt bei mir die Frage offen, weshalb machen das die Girls mit? Haben sie sowenig Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl?..Mit Lieb kann das doch nun wirklich nichts zu tun haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jenny am 26.02.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Marco!

    Danke Marco! Schön, dass du nicht wegschaust.

  • Doni am 26.02.2018 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Hat sich wohl nicht strafbar gemacht

    Der Grossteil seiner "Missetaten" wird von ihrer Einwilligung gedeckt sein. Der Rest versandet dann beim Erbringen der Beweise.

  • Barni am 26.02.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schonen?

    Warum die rechtlichen schritte nicht sofort vornemen. Soll man solche Perwerslinge noch schonen? Ist da wieder einmal unser Rechtssistem ungenügend? Möglichst kompliziert!

  • Peter am 26.02.2018 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    selbst schuld?!

    Kann nicht ganz verstehen wieso diese Loverboys gleich dutzende am Start haben. Obwohl sie die Frauen wie Dreck behandeln und gleichzeitig so manch passabler Kerl wenig Chancen hat bei Frauen

  • Hope am 26.02.2018 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckend

    Sehr viele geben einen Kommentar ab, ohne die Komplexität dahinter zu verstehen. Es ist leicht zu verurteilen. Ich würde es begrüssen, wenn Sie sich erst schlau machen, bevor man wie Hyähnen über die Mädchen/ Frauen herfällt. Jeder kann manipuliert werden, nur nicht jeder kennt deinen manipulations Code. Es steckt so viel mehr hinter diesen Ereignissen als nur mangelnder Selbstwert. Da können Traumata, Gutgläubikeit, Naivität, Verliebtheit und und und dahinterstecken. Es wäre schön, wenn mehr Mitgefühl und Menschlichkeit hier zu lesen wäre und das Gesetz mit dem Täterschütz aufhören würde.

    • Heinz Meier am 26.02.2018 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Und am Ende

      ist wohl wieder die Zeitgeschichte oder die gesamte Gesellschaft schuldig an solchen Verfehlungen. Ich denke nur eine konsequente Verfolgung bringt Ordnung in die Gesellschaft

    • Turbovic am 26.02.2018 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      :-(

      Sie sprechen mir aus der Seele aber der Mensch tickt leider so... Jeder hat irgendwo seine Schwachstelle, dies so brutal auszunützen finde ich schon fast Psychischgestört.

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