Sexueller Missbrauch

14. Juni 2018 11:33; Akt: 14.06.2018 11:33 Print

«Loverboys betreiben Kinderhandel»

Loverboys gaukeln minderjährigen Mädchen die grosse Liebe vor. Später beuten sie ihre Opfer sexuell aus. Nun warnt eine Nationalrätin.

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Es begann harmlos: Simon* war der nette Typ, aufmerksam und einfühlsam, machte ihr Geschenke. Teenagerin Melanie* hat Simon in einem Chatroom kennen gelernt, verliebt sich in ihn, schläft mit ihm – er ist ihre erste grosse Liebe. Doch schon bald wird er brutal, misshandelt das minderjährige Mädchen, schlägt und würgt es. Am Ende zwingt er es zum Sex mit fremden Männern und verlangt Videoaufnahmen davon.

Monatelanges Martyrium

«Warum soll ich das tun?», fragt Melanie. Das sei normal, antwortet ihr Freund. «Das machen alle. Du liebst mich doch. Oder nicht?» Zu diesem Zeitpunkt ist Melanie emotional abhängig von Simon und hatte sich von ihrer Familie distanziert. Die junge Frau ist das Opfer eines Loverboys. Als sich Melanie schliesslich unter Tränen ihrer Mutter anvertraut, hat sie ein monatelanges Martyrium erlebt. Über den Fall berichtete kürzlich die «NZZ am Sonntag».

Melanies Fall ist einer von elf, die der Beratungs- und Meldestelle gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung (ACT212) im Jahr 2017 gemeldet wurden. «Da die Opfer in der Regel noch minderjährig sind, betreiben Loverboys nicht nur Menschenhandel, sondern einen regelrechten Kinderhandel», sagt Irene Hirzel von ACT212 (siehe Box).

«Merken es zu spät»

Die Zahl hat Marianne Streiff, Nationalrätin und Parteipräsidentin der EVP, aufgeschreckt. «Die Meldungen – mit teils dramatischen Schilderungen – nehmen zu und sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.» Streiff vermutet, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. «Vielen Eltern und ihren Kindern ist das Phänomen der Loverboys nicht bekannt.»

Sie will auf das Thema aufmerksam machen und verhindern, dass Mädchen auf Loverboys hereinfallen. «Bis sie merken, an wen sie geraten sind, ist es zu spät. Mit Liebe hat das nichts zu tun», sagt Streiff. Sie will mit einer Interpellation vom Bundesrat wissen, wie er junge Mädchen vor Loverboys schützen möchte.

Eltern in Not

Die EVP-Nationalrätin will die Öffentlichkeit sensibilisieren. «Gerade an den Schulen und unter den Eltern ist Prävention nötig.» Eltern, deren Kinder Opfer eines Loverboys wurden, wüssten nicht, an wen sie sich wenden können. In ihrer Not hätten verunsicherte Eltern sich schon an deutsche Beratungsstellen gewandt. «Denn das Phänomen der Loverboys nimmt zu – auch in der Schweiz», sagt Streiff.

*Namen geändert

(bus)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DomDom33 am 14.06.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe es nicht

    Schon zu meiner Jugendzeit 25 Jahre her wurde damals bereits in der BRAVO darüber geschrieben und darauf aufmerksam gemacht. OK vielleicht wurden damals keine Videos gedreht aber das Problem an sich sollte seit Jahrzehnten bekannt sein. Warum wird so etwas nicht auch im Klassenzimmer besprochen? Sollte doch im Rahmen des Sexualkundeunterricht möglich sein.

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  • Joracacr am 14.06.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Mädchen, wenn ein Mann etwas von euch verlangt dass ihr von euch selbst nicht vertreten könnt und kein Nein akzeptiert sollte bei euch die Alarmglocken läuten. Ihr müsst euch fragen ob dieser Mann der richtige für euch ist. Habt Mut und wehrt euch, es ist euer Leben und es lohnt sich niemals für einen anderen Menschen sein eigenes Leben zu zerstören, niemals!

  • Hubertus am 14.06.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Problem richtig erkennen

    «Denn das Phänomen der Loverboys nimmt zu auch in der Schweiz» Dann gehören alle Fakten und Zahlen, die bekannt sind ungeschönt auf den Tisch. Egal ob sie politisch korrekt sind oder nicht. Ein Problem kann man nur dann lösen wenn man es richtig analysiert. Genau da habe ich aber meine Bedenken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Skally am 14.06.2018 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Film

    Für einige Kommentatoren, Ein Filmtipp zu diesem Thema " Ich gehöre ihm " lässt manchen vielleicht den Blickwinkel ändern.

  • Eisa am 14.06.2018 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht

    Schon 8- oder 9-jährige Kinder tummeln sich unbeaufsichtigt im Netz. Fragte neulich einen Vater, ob er denn wisse, was seine Tochter stundenlang im Internet macht. Er wolle ihr nicht das Gefühl geben, kontrolliert zu werden war seine Antwort. Finde sehr wohl, dass Eltern bis zu einem gewissen Alter kontrollieren MÜSSEN. Sonst fällt ein gewisser Prozentsatz solchen Kriminellen zum Opfer und jedes einzelne Kinderopfer ist eins zuviel! :-(

  • Dave74 am 14.06.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung fängt früh an

    Ein Kern solcher Problematiken ist, dass eben auch viele Eltern schon nicht mehr wissen, was da draussen läuft. Also wie sollten sie dann ihre Kinder aufklären? Ich sehe viele Eltern, welche ihren Kindern dauernd etwas verbieten, aber nicht erklären, weshalb sie das nicht tun sollten. Als Beispiel der Umgang mit Hunden. Statt zu erklären, dass man auch bei einem noch so süssen Hund nicht einfach hingeht, sondern zuerst fragt, wird der Umgang einfach verboten. Könnte noch viel mehr aufzählen. Aber wie werden diese Kinder dann, wenn sie mehr Freiheiten haben und Gefahren nicht abschätzen können?

  • Louie am 14.06.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das denn so schwierig??

    Ist es denn so schwierig dem eigenen Kind genügend Liebe zu schenken und dafür zu sorgen, dass es ein gesundes Selbstwertgefühl hat? Wenn sowas passiert, haben meiner Meinung nach die Eltern versagt. Man hat vorgängig zu wenig Halt, Liebe und Wertschätzung gegeben. Bringt euren Kindern bei, nicht jedem einfach so zu vertrauen. Zeigt, dass sie toll sind und überschüttet sie mit Liebe. Erzieht sie zu guten Menschen, die selbstbewusst genug sind, um nicht auf solche Personen reinzufallen!

  • Barbara S. am 14.06.2018 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Jungs und Mädels sollten, ...

    sofern Berührungen, Handlungen nicht gefallen den Mut haben "Nein" zu sagen. Dazu brauchen sie entsprechendes Rückgrat, welches man sich (auch mit Hilfe wo notwendig) erschaffen muss. Das Gegenüber hat es zu akzeptieren oder sonst muss der Betroffene entsprechend konsequent sein. Da können allerdings die eigenen Gefühle und Gefühlsabhängigkeiten inkl. falschem Stolz, dass man einen älteren "Freund" hat in die Quere kommen.