Bonus für Mieter

08. Mai 2018 22:21; Akt: 08.05.2018 22:21 Print

Machen Rabatte für volle Wohnungen Schule?

In Basel wird ein neues Mietmodell getestet. Die Mieter erhalten ab einer Mindestbelegung Boni. Experten sind von dem Projekt nicht überzeugt.

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In zwei Neubau-Liegenschaften an der Maiengasse und an der Hebelstrasse bietet der Kanton Basel-Stadt 55 Mietwohnungen. Das Spezielle an dem Pilotprojekt: 28 Wohnungen sind mit einem Bonus zu haben – ab einer Mindestbelegung wirds billiger. Wenn beispielsweise eine dreiköpfige Familie in eine 4.5-Zimmerwohnung zieht, bezahlt sie nur noch 1925 Franken. Dagegen bezahlt ein Paar für eine identische Wohnung 2475 Franken. Insgesamt sind 420 Bewerbungen eingegangen, wie Barbara Neidhart, Sprecherin bei Immobilien Basel-Stadt sagt.

«Wir möchten mit diesem Bonussystem ein verdichtetes Wohnen erreichen und erschwinglichen Wohnraum in der Stadt anbieten», sagt Neidhart. Eine weitere Bedingung für den Mietzins-Bonus ist nebst der Mindestbelegung die Einkommensobergrenze. «Das steuerbare Haushaltseinkommen darf höchstens viermal so hoch wie der Bruttomietzins sein.»

Ein Modell mit Schwächen

Das Projekt schneidet beim Mieterverband Basel nicht besonders gut ab: «Dieses Mietmodell ist gut gemeint, aber es ist noch unklar, in welche Richtung das Ganze geht», sagt Co-Geschäftsleiter Beat Leuthardt. «Auch die Wahl der Mieter hat etwas Zufälliges, da nicht klar definiert ist, nach welchen Kriterien diese gewählt werden und wie die Zusammensetzung erfolgt.»

Laut Hans Egloff, Präsident des Hauseigentümerverbands Schweiz, handelt es sich bei dem Modell in Basel um einen Mix von bereits vorhandenen Vorgaben und Modellen. «In Zürich und in Genf geben beispielsweise Genossenschaften die Mindestbelegung vor. Und die Reduktion des Mietzins kommt beispielsweise bei städtisch subventionierten Wohnungen zur Anwendung. Im vorliegenden Fall wird nicht die Wohnung an sich verbilligt, sondern der Mietzins-Bonus steht den jeweiligen Mietern zu.»

Auch für private Vermieter sei ein solches Modell bei Neubauten nicht ausgeschlossen. «Es gibt Vermieter, die aus sozialer Verantwortung ganz bewusst auf eine höhere Rendite verzichten. Sie nehmen bei Familien mit Kindern auch eine stärkere Abnutzung in Kauf. Wer sich solche Regeln vorgeben will, sollte dies jedoch auf freiwilliger Basis tun», so Egloff. Es sei aber so, dass private Vermieter bereits «viel erschwinglichen Wohnraum» anbieten: «Von den fünf Prozent der Einkommensschwächsten wohnen mehr als die Hälfte in Liegenschaften von privaten Vermietern.»

Keine starke Durchmischung

Allgemein hält der SVP-Nationalrat Modelle, die erschwinglichen Wohnraum bieten, für sinnvoll. «Durch die gestellten Bedingungen weisen diese aber auch Schwächen auf», so Egloff. «Welche Sanktionen folgen beispielsweise bei dreiköpfigen Familien, wenn sich die Familie trennt und nur ein Elternteil mit einem Kind in der Wohnung zurückbleibt? Steigt dann die Miete, weil die Mindestbelegschaft nicht erreicht wird? Oder wird der Person gekündigt? Oder was geschieht, wenn das steuerbare Haushaltseinkommen wegen einer Lohnerhöhung steigt und die Einkommensgrenze überschritten wird?»

Dass Paare bei diesem Mietmodell erst bei einer 3.5-Zimmerwohnung einen Mietzins-Bonus und Singles gar keinen bekommen, findet Egloff in Ordnung. «In einer Liegenschaft kann man kaum die Bedürfnisse aller befriedigen.» Aus diesem Grund rät er auch von einer allzu starken Durchmischung ab. «Junge Leute, ältere Paare und Familien mit Kindern haben ganz andere Bedürfnisse. Wenn man diese nicht ausleben kann wegen der Nachbarschaft, können rasch Konflikte entstehen.»

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • leopoldo am 08.05.2018 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wahnsinn

    was muss man heute eigentlich noch alles machen um eine wohnung zu bekommen? keine autos, keine haustiere, 10000 franken kaution, keine raucher, keine besucherparkplätze, nur für famillien, nur für senioren etc. kann man nicht einfach wie früher Wohnungen zu einem vernünftigen preis vermieten?

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  • Robert am 08.05.2018 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder muss für sich bezahlen

    Jeder soll die gleiche Miete bezahlen müssen, ohne Diskussion. Wer Familie und Kinder will, muss halt schauen wie er das finanziert, auch Alleinstehende sind nicht einfach reich und können sich nicht einfach alles leisten. Dafür bin ich für Familienhäuser und für Singlehäuser. Dann können die Familien mit lärmenden Kindern zusammen in einem Haus sein und sich gegenseitig tolerieren, während Alleinlebende ihre Ruhe in ihren Häusern haben.

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  • Eigen Tümer am 08.05.2018 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    "Nur" noch 1925

    Naja Wucher ists nicht, aber mieten in der Schweiz ist und bleibt wohl leider zu teuer. Bei den derzeitigen Hypozinsen machen die Vermieter selbst bei 3.5 Zimmern um die 1k pro Monat. Lieber ein paar Jahre sparsamer leben und dafür Eigentum erwerben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jeani am 09.05.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kajütenbetten Reihenweise!

    Wow, tolle Idee in jedem Raum "Kajütenbetten an jeder Wand"!

  • PSO am 09.05.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amigo

    Dann bekommen bestimmte Familie aus bestimmten Ländern ja die Wohnung gratis

    • alice am 09.05.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist wohl der Grund

      warum man es macht. Ich bin Wittwe und die Kinder draussen in der Welt. Ich muss wieder bluten...

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  • Mieterin am 09.05.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Gentrifizierung brauchts Rezepte!

    Angesichts dessen, dass manche Vermieter grosse Familienwohnungen lieber Einzelbewohnern oder Doppelverdienerpärchen vermieten, finde ich die Idee gut. Ganz bis zum Ende durchdacht scheint es mir aber noch nicht zu sein! Wir brauchen dringend neue Modelle, sonst haben wir in 10 Jahren nur noch teure Luxuswohnungen in den Städten. Die Gentrifizierung nimmt in derart hohem Mass zu, dass hier ein Eingriff wirklich langsam notwendig ist!

  • Der Bummi am 09.05.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    RE: Muss ich das...

    @Kapitalist - Nunja, ich denke mal, das ist zu kurz "gesprungen" oder? "Die Kapitalisten verkaufen uns auch noch den Strick, an dem wir sie aufhängen." (Lenin)

  • Markus Baumann am 09.05.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialismus im Wohnungsbau

    Der Markt soll die Preise bestimmen, das ist die gerechteste Lösung überhaupt. Angebot und Nachfrage! Wenn dieses Prinzip eingehalten wird, dann gibt es die richtige Menge an Wohnungen zum richtigen Preis. Das System heisst Kapitalismus und funktioniert immer auch ohne Bürokratie und Verbötterlis. Die Gegner dieses Systems behaupten dann, dass der Kapitalismus nicht funktioniert. Aber das heutige System hat nicht viel mit dem Kapitalismus zu tun.