«MenCare»

31. Mai 2016 11:30; Akt: 31.05.2016 11:30 Print

Männer sollen Kinder hüten, Frauen Auto putzen

Männer sollen die reine Ernährerrolle ablegen, finden Väterorganisationen. Mit einem nationalen Programm wollen sie jetzt vorwärtsmachen.

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Heute arbeitet nur jeder zehnte Vater Teilzeit. Männer machen laut Studien wesentlich weniger im Haushalt als Frauen. Und auch die Betreuung von Kindern und älteren Familienangehörigen ist meist in weiblicher Hand. Eine neue Kampagne will dies jetzt radikal ändern. Nur wenn Väter und Mütter sich Familien- und Erwerbsarbeit 50:50 teilen, könne die Schweiz den Verfassungsauftrag der «Gleichstellung in allen Lebensbereichen» umsetzen, sagt Markus Theunert, der Generalsekretär von männer.ch. Am Montag hat der Männerverein zusammen mit dem Schweizerischen Institut für Männer- und Geschlechterfragen in Bern ein nationales Programm zur Förderung der väterlichen Betreuungsarbeit lanciert.

Umfrage
Braucht es seitens der Männer und Väter mehr Engagement in der Betreuungsarbeit?
38 %
28 %
34 %
Insgesamt 1196 Teilnehmer

Im Rahmen der weltweiten Kampagne MenCare verfolgt es das Ziel, mit Klischees aufzuräumen: Männer sollen Kinder betreuen, Fenster putzen, Angehörige pflegen oder sich in Gemeinde oder Kirche engagieren. Im Gegenzug sollen Frauen Autos waschen, Fussball-Junioren trainieren und Karriere machen. Wie Theunert schildert, sind verschiedene Teilprojekte vorgesehen, um diese Gleichberechtigung zu erreichen. So seien in Zusammenarbeit mit verschiedenen Betrieben beispielsweise Gutscheine für «Geburts-Crahskurse» geplant. Den angehenden Vätern solle vom Betrieb aus signalisiert werden, dass bei Männern nicht nur ihre Arbeitsleistung im Zentrum stehe, sondern «auch ihr väterliches Engagement während und nach der Geburt ihrer Kinder».

Vaterschaft als «Privatsache»

Das Rollenbild des Familienvaters befinde sich bereits im Wandel, so Theunert weiter. «Das Bild des Vaters als Patron und Ernährer der Familie hat ausgedient.» Die meisten Männer wollten «präsente und emotional involvierte Väter» sein. In der Praxis aber bleibe die Ernährerrolle «zentraler Pfeiler väterlicher Identität». Das Dilemma sei, dass Familie und Vaterschaft in der Schweiz «aussergewöhnlich stark als Privatsache gesehen» würden. Die Männer hätten es nun in der Hand, einen Wandel herbeizuführen.

Der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner findet es falsch, dass sich die Kampagne in familieninterne Angelegenheiten einmischen will. «Wie sich die Eltern organisieren wollen, das soll jede Familie in eigener Verantwortung entscheiden.» Schon heute werde keine Frau mehr gezwungen, alleine die Kinderbetreuung zu übernehmen. «In aller Regel wird das am Familientisch ausdiskutiert – und je nach Möglichkeiten über die Aufteilung der Erwerbs- und Betreuungsarbeit entschieden.»

Nationalrätin Yvonne Feri (AG), ehemalige Präsidentin der SP Frauen Schweiz, widerspricht. Nicht alle Männer könnten oder wollten ihr Pensum reduzieren. Ohne den Einsatz der Männerorganisationen hält sie einen weiteren Fortschritt für unmöglich. «Es braucht einen Pakt mit der Wirtschaft, damit Teilzeit arbeitende Männer zur Normalität werden.» Es brauche Teilzeitstellen, damit Männer selbstverständlich mehr Zeit in die Hausarbeit investierten und dies nicht aus Überlastung verwehrten.

Väter stark belastet

Wie Markus Theunert sagt, würden genügend Studien zeigen, dass Männer, bedingt durch die immer höhere Arbeitsbelastung, häufiger von Krankheiten oder auch Suiziden betroffen seien. «Eine gerechte Aufteilung der Erwerbs- und Fürsorgearbeit würde die Väter von einer übermässigen Belastung am Arbeitsplatz befreien – und so nicht nur den Müttern und dem Nachwuchs, sondern auch den Vätern selbst zugute kommen.»

(jh/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gsxr1000 am 31.05.2016 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt auf den Verdienst an

    Wenn meine Frau gleich viel oder lieber noch etwas mehr verdient wie ich, bleibe ich gerne zu Hause und erledige die Hausarbeit.

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  • ohne strich über e... am 31.05.2016 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    tublés...

    ey mal ehrlich; diese leute, die solche petitionen oder was auch immer machen, haben 0 plan und massive defizite. ich habe und werde wohl immer das tun, was ich will, entgegen der gesellschaftlichen moral/ethik, solange es nicht gegen gesetze verstosst... aber mir zu sagen, was ich all mann tun soll/darf oder wie auch immer ist doch kindergarten! die leute kommen mir immer wie verirrter, nicht verwirrter vor...

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  • Dani am 31.05.2016 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eman(n)zipation

    Männer sollten einfach wieder Männer sein, erst dann können Frauen wieder Frauen sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Remus am 01.06.2016 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderhüten?

    Wieso sollte Mann Kinder hüten, wenn Mann keine Kinder hat? Zumal, durch das Hüten fremder Kindern lernt man keine fortpflanzungsfreudige Single-Frauen kennen.

    • 100 % berufstätig am 02.06.2016 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Remus: Volle Zustimmung

      Diese Forderung ist so typisch für viele "Frauen": Gofen bekommen, den Mann und die Gesellschaft für sich und den Nachwuchs zahlen lassen, jahrelang zu Hause bleiben und dann zum Psychiater rennen, weil natürlich die Decke auf den Kopf fällt und einen nach Jahren des Chillens einen im Beruf niemand mehr will - vorher überlegen! Eine andere unverschämte Unsitte ist das Bestimmen von "Göttis/Gotten", die man dann 16 Jahre lang unverschämt mit Geschenkwünschen behelligt. Aber das ist ein anderes Thema.

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  • lausi am 01.06.2016 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschiedlich

    Ich finde, das sollte jede Familie selber entscheiden, wer arbeiten geht. Wenn meine Frau mehr verdient und arbeiten gehen will, dann soll sie abreiten gehen.

    • Flo W. am 01.06.2016 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig so

      Ich denke da gleich wie Sie, die Zeiten ändern sich und Gleichberechtigung wird heute immer grösser geschrieben. Alle sollten gleiche Chancen auf Karriere und Glück erhalten.

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  • FASANO am 01.06.2016 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Und letztlich haben alle die sexuelle Ausrichtung einer Weinbergschnecke. Aber Hauptsache ist, dass man Zeitgeistig ausgerichtet ist, egal, was darunter leidet.

  • Karl Müller am 01.06.2016 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Feminismus im Gewand von angeblichen Männerorganisationen. Nein Danke!

  • René Widmer am 01.06.2016 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Leben lassen wie man will

    Wieso gibt es so viele Gruppierungen, die immer anderen vorschreiben wollen, was sie zu tun haben? Jeder soll doch sein Leben so gestalten dürfen, wir er oder das Paar es gerne möchte. Ich warte schon lange auf den Tag, dass jemand fordert, Männer sollen doch Kinder kriegen...