500 Franken

15. Mai 2018 08:15; Akt: 15.05.2018 10:57 Print

Schaffhauser verkauft Nazi-Weihnachtskugeln

Auf einem Online-Verkaufsportal bot ein Schaffhauser Weihnachtsschmuck mit Reichsadler, Hakenkreuzen und SS-Runen an.

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Während mehrerer Tage standen auf dem Internetportal Anibis.ch Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus zum Verkauf. Neben Feldpost, Wehrmachtskreuzen und einem Sonderdruck für die Luftwaffe, der nur an die «Elite der NSDAP» vergeben worden sei, bot ein Mann aus Schaffhausen auch Nazi-Schmuck für den Weihnachtsbaum an – für 500 Franken. Auf den Fotos im Inserat waren die Hakenkreuze auf den Kugeln und an der Spitze unkenntlich gemacht.

Juden in der Schweiz verurteilen solche Angebote: «Wir finden den Handel mit Gegenständen aus der Nazi-Zeit bedenklich. Hier tragen auch die Online-Handelsplattformen eine Verantwortung», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). Verkäufern und Händlern mangle es leider oft an Fingerspitzengefühl.

«Beliebt bei Menschen mit rechtsextremer Gesinnung»

Auch Hans Stutz, Beobachter der rechtsextremen Szene in der Schweiz, findet es «unappetitlich», dass es für solche Gegenstände offenbar eine so grosse Nachfrage gebe, dass sich damit stolze Preise erzielen liessen. Auch habe er an Waffenbörsen schon beobachtet, dass solche Gegenstände mit Nazi-Symbolen bei Menschen rechtsextremer Gesinnung beliebt seien.

Anders als in Deutschland, wo das Hakenkreuz explizit verboten sei, mache sich ein Verkäufer oder Käufer hierzulande aber nicht strafbar, solange keine Propaganda für rechtsextreme Ideologien stattfinde, sagt Stutz: «Es kommt immer auf das Motiv an. Wenn ein Pazifist einen Film über die NS-Zeit drehen will, dann braucht er auch das entsprechende Dekor.»

«Ich bin sicher kein Faschist»

Der Verkäufer sagt zu 20 Minuten: «Ich bin sicher kein Faschist.» Er sei aus Deutschland in die Schweiz zugezogen und habe die «Sammlerstücke» in einem Holzregal im Keller gefunden. Wie lange sie dort gelegen hätten, wisse er nicht. «Einen Grossteil der Feldpost habe ich entsorgt.» Da es Sammler gebe, die Interesse an den Artefakten hätten, habe er sie zum Verkauf angeboten. Er sei bosnischer Herkunft und habe mit Hitler nichts am Hut.

Die Hakenkreuze habe er auf den Fotos abgedeckt: «Ich bin mir bewusst, dass Hakenkreuze heikel sind.» Natürlich könne er nicht ausschliessen, dass ein Neonazi Interesse an den Weihnachtskugeln bekunde. Er gehe aber davon aus, dass vor allem Sammler aus einem historischen Interesse zugreifen würden.

Inserat erlaubt

Inzwischen hat der Anbieter sein Inserat gelöscht. Laut Anibis-Sprecher Jézael Fritsche hat das Inserat aber nicht gegen die Regeln oder das Gesetz verstossen: «Im Fall der Weihnachtskugeln aus dem Dritten Reich gehen wir davon aus, dass es sich um einen historischen Gegenstand von musealem Wert handelt, der nicht zu Propagandazwecken angeboten wurde.»

Wenn ein Inserent Objekte aus der Nazi-Zeit anbiete, sei das grundsätzlich zulässig, sofern keine extremistischen Botschaften zu Propagandazwecken enthalten seien. «Alle heiklen Inserate durchlaufen eine mehrstufige Prüfung.»

(daw/nk)