Nach Beschwerde-Flut

03. Dezember 2014 21:21; Akt: 04.12.2014 10:46 Print

Mediamarkt streicht Masturbations-Werbespot

von R. Neumann - Seit kurzer Zeit läuft der neue Werbespot von Mediamarkt mit der fiktiven Familie Löli. Doch eine Sequenz erzürnte Sittenwächter des Volks – das Unternehmen reagierte.

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Der Imagespot der Familie Löli wird später ausgestrahlt. Der Kurzspot mit Reto Löli hingegen gar nicht mehr. Quelle: (Quelle: YouTube/Mediamarkt) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Reto ist der Sohn der fiktiven Familie Löli aus Dietikon, die in der neuen Kampagne von Mediamarkt auftritt. Während Papa Löli mit einem zu kleinen Fernseher kämpft, Mama und Tochter Löli ein Handy gebrauchen könnten, erforscht Reto als typischer Teenager gerade seinen Körper. Als Vorlage dienen ihm zwei Pixelmenschen, die auf dem Bildschirm Sex haben.

Sandra S.* schaute mit ihrem Göttibub Fernsehen, als besagter Mediamarkt-Spot gezeigt wurde. Der Bub habe sie gefragt, was diese «Mansgöggel» da am Bildschirm machen. Sandra S. sagt: «Gehts noch? Die Werbung wurde um 19 Uhr ausgestrahlt, da schauen noch Kinder zu. Das geht unter die Gürtellinie.»

Sendezeit verschoben

Ähnlich wie Sandra S. reagierten noch weitere Zuschauer. Bei Mediamarkt gingen über 50 schriftliche Beschwerden gegen den Spot ein. Daraufhin reagierte das Unternehmen. Eine Sprecherin bestätigt gegenüber 20 Minuten: «Wegen der Reklamationen haben wir uns entschieden, den Kurzspot ‹Sohn Reto› nicht mehr auszustrahlen.» Von den Webseiten des Unternehmens sei er ebenfalls entfernt worden.

Zudem verschob Mediamarkt auf einigen Sendern die Sendezeit des Imagespots, in welchem die gesamte Familie gezeigt wird. In der Westschweiz und im Tessin wird der Spot nun erst nach 20 Uhr, beziehungsweise 22 Uhr ausgestrahlt. Zwar sind Reto und seine Fingerübungen da noch zu sehen – doch sie seien laut der Sprecherin in die Geschichte der Familie eingebettet.

Die Sprecherin sagt: «Wir wissen, dass die bewusst überspitzte Darstellung und der zuweilen schräge Humor unserer Werbung nicht immer Gefallen finden. Wir wollen mit unserer Werbung polarisieren, jedoch keineswegs beleidigen oder schockieren.»

Beschwerden vor allem aus dem Tessin

Laut Publisuisse-Sprecher Reto Burkhalter habe man bereits bei der Visionierung festgestellt, dass der Spot für Beschwerden sorgen könnte. «Deshalb wurde der Spot auch nicht vor oder nach Kindersendungen ausgestrahlt.» Dennoch seien viele Beschwerden eingegangen. Vor allem aus dem Tessin, gefolgt von der Westschweiz und der Deutschschweiz.

Werber Frank Bodin glaubt nicht, dass sich das Unternehmen bei der Masturbationsszene verschätzt hat: «Ich denke, das war bewusste Kalkulation von Mediamarkt – die sind ja bekanntlich nicht blöd.» Man nehme dies als Agentur und als Kunde bewusst in Kauf, wenn man einen solchen Spot entwerfe.

Bei einigen Kunden könne die Provokation mit sexuellen oder anderen heiklen Inhalten bei einem kleinen Werbebudget ein probates Mittel sein, wenn die Idee etwas mit dem Anliegen zu tun habe, zum Beispiel, wenn es um soziale oder präventive Botschaften gehe, sagt Bodin. «Ich persönlich finde die Szene eine Löli-Idee und hätte für Mediamarkt nicht dieses Mittel gewählt, da das Thema weder mit der Marke noch mit der Kommunikationsidee im Einklang steht.»

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neumodisches Modi am 03.12.2014 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generation Internet

    Wie verkorkst sind wir Schweizer eigentlich? Wenn die Eltern wüssten wo sich ihre Kinder schon überall im Internet herumgetrieben haben..

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  • Anonymous am 03.12.2014 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes mal wenn so etwas kommt,

    Muss ich mich fragen. Haben Leute wirklich nichts besseres zu tun in ihrem Leben? Ich wünsche das wäre meine grössten Sorgen.

  • Fritz am 03.12.2014 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genial

    also ich find den werbespot genial. die masturbationszene war das witzigste

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 04.12.2014 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeigt nicht die Realität

    Diese ist beim Anblick von Media Markt eher übergeben als onanieren.

  • Ralph S. am 04.12.2014 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eben Media Markt

    Die Werbung von Media Markt ist seit der Entstehung von M.Markt in der Schweiz sehr unterschwellig und einfach strukturiert. Im Heimatland mag das ja Erfolg haben. Da wir Berge haben, ist auch unser Niveau höher.

  • Schüpbach am 04.12.2014 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das so?

    Sind die Schweizer, die nicht in den Städten wohnen, wirklich so unbelichtet? Und falls ja: Darf man das in der Werbung wirklich so ausschlachten?

  • Moderner Löli am 04.12.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    natürlich

    Und wenn in Werbespots halbnackte Frauen / Männer zu sehen sind beschwert sich niemand oder wie. Der Werbespot ist witzig und soll auch so bleiben. Der Humor der Schweizer trocknet wohl langsam aus! Für mich ist das der Werbespot des Jahres! :)

  • Fernando Gseitgenosse am 04.12.2014 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    männerfeindlich

    jetzt fehlt nur noch die entsprechende Kleenex Reklame... ja Unterhaltungs Elektronik wird zur Darstellung von Wixvorlagen benutzt. MM fördert Online Handel oder was?