Männerdomäne

21. März 2014 07:23; Akt: 20.03.2014 15:40 Print

Mehr Frauen in Talkshows – dank Internetportal

von J. Büchi - Frauen sucht man an Podiumsdiskussionen oder in Talk-Sendungen oft vergeblich. Ein neues Internetportal will das in Deutschland ändern. Die Schweiz soll nachziehen.

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Talkmaster Roger Schawinski mit Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi. Ein seltenes Bild: Nur gerade 17 von 100 «Schawinski»-Sendungen fanden mit einer Gesprächspartnerin statt. (Bild: Screenshot: SRF)

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Ob es um Politik, Wirtschaft, Social Media oder Gesellschaftsfragen geht: Es sind die Männer, die etwas zu sagen haben. Dieser Eindruck entsteht zumindest in vielen Talkshows, Konferenzen und Podiumsdiskussionen. Nicht selten sind sie reine Männerrunden. Es könnten keine geeigneten weiblichen Gesprächspartner gefunden werden, heisst es von Seiten der Veranstalter oft.

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Die deutsche Talkerin Anne Will etwa beschwerte sich kürzlich darüber, dass Frauen Einladungen in ihre Sendung meist ausschlagen würden. Die Begründung laute jeweils: «Tut mir leid, das will ich mir ungern antun.» Auch in der Sendung «Schawinski» des Schweizer Fernsehens waren in den ersten hundert Ausgaben nur 17 Talkgäste weiblich. Beim SRF heisst es dazu, man achte nach Möglichkeit aber darauf, dass die Gästerunden nach Geschlecht ausgewogen seien. «Es ist aber zum Teil schwierig, Frauen einzuladen, weil es in gewissen Bereichen wenige Repräsentantinnen gibt.» Schawinski selber sagte in seiner Jubiläumssendung, gewisse Frauen hätten wohl nicht den «Mumm», in seine Sendung zu kommen.

«Es kann durchaus eine Herausforderung sein, weibliche Rednerinnen für Anlässe zu finden», bestätigt auch Matthias Wipf von der Agentur Speakers.ch, die auf die Vermittlung von Referenten und Moderatoren für verschiedene Anlässe spezialisiert ist. Oft sei viel Überzeugungsarbeit gefragt, weil sich Frauen einen Auftritt nicht zutrauten. Das sei «extrem schade», denn die Veranstalter zeigten sich von weiblichen Referentinnen und Talkgästen regelmässig begeistert.

Internetportal soll Abhilfe schaffen

Ein neues Internetportal in Deutschland reagiert nun auf das Frauendefizit am Rednerpult und in Diskussionsrunden: Auf der landesweiten, branchenübergreifenden Website Speakerinnen.org können sich Frauen seit Anfang März als Rednerinnen für ihr Fachgebiet registrieren. Laut Zeit online haben sich in wenigen Tagen bereits mehr als hundert Expertinnen eingetragen. Ihre Fachgebiete reichen von Medien über Bildung bis hin zu Popkultur. «Keine Ausreden mehr für Panels ohne Frauen!», schreiben die Initiantinnen des Projekts – acht Netzaktivistinnen aus Berlin – auf der Website selbstbewusst.

«Das ist eine gute Idee, ein solches Portal braucht die Schweiz auch», sagt Regula Zweifel, Vizepräsidentin des Bunds Schweizerischer Frauenorganisationen Allicance F. Allerdings sei es nicht an Frauenorganisationen, eine solche Website zu lancieren. «Das müsste eine wirtschaftsnahe Organisation wie Avenir Suisse oder Economiesuisse tun – sonst wird das Projekt schnell in die Feminismusecke gesteckt.»

«Es wäre wünschenswert, wenn es in der Schweiz ebenfalls ein entsprechendes Angebot gäbe», findet auch Esther-Mirjam de Boer, Präsidentin des Verbands Frauenunternehmen. Ob sich die Schweizerinnen dann aber so zahlreich registrieren würden wie ihre deutschen Kolleginnen, müsse sich erst zeigen. «Vielen fällt es schwer, ‹ich will, ich kann› zu sagen.» Frauen hätten generell hohe Ansprüche an sich selber und würden ihr Licht gerne unter den Scheffel stellen.

Economiesuisse setzt auf Xing

Rudolf Minsch, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Economiesuisse, findet es eine «gute Idee», darüber nachzudenken, wie das Geschlechterverhältnis bei Podien ausgeglichener gestaltet werden kann. Der Wirtschaftsverband habe selbst auch schon Schwierigkeiten damit gehabt. «Das Problem solcher spezifischer Datenbanken ist aber, dass sie extrem schnell veralten.» Besser seien Business-Plattformen wie Xing oder Linked-in. «Da können Fachfrauen ihr Profil selbst aktualisieren und auch vermerken, dass sie gerne für Podien oder Referate zur Verfügung stehen.»

Auch Matthias Wipf von der Agentur Speakers.ch hält eine Plattform, die sich exklusiv an Frauen richtet, in der Schweiz nicht für nötig. «Wir vermitteln Frauen und Männer, jüngere oder ältere, gleichwertig. Unsere Ambition ist es immer, den Besten oder die Beste für einen spezifischen Auftritt zu finden.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carla am 21.03.2014 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenquoten-Gejammere

    Ich bin selbst eine Frau, aber ich kann es echt nicht mehr hören, dieses dauernde Gejammere "zuwenig Frauen hier - zuwenig Frauen da"... Und bei Talkshows oder Diskussionssendungen interessieren mich die Meinungen und die Ansichtsweisen von den Teilnehmern, nicht ob diese von einer Frau oder einem Mann stammen...

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  • Fagotto am 21.03.2014 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut lächerlich

    Frauenquote bei einem Interview? Jetzt wird es langsam wirklich lächerlich oder?

  • Manuel am 21.03.2014 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    einmal mehr

    und wieder ein gebiet auf dem frauen eine extra-wurst brauchen. meine güte, wenn sie nicht wollen, wollen sie nicht. warum frauen pämpern? diskussionen werde doch nicht besser wenn mehr frauen dabei sind sondern wenn die teilnehmer kompetent sind. weiter frage ich mich was so eine plattform bringen soll. offenbar liegt es ja nicht daran, dass man keine frauen findet, sondern daran, dass sie nicht teilnehmen wollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandro O. am 27.03.2014 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach, Frauen!

    Bei Frauenquoten bin ich geteilter Meinung: es kommt drauf an, wo sie angwendet würden. In einer Talkshow finde ich diese Idee sehr angebracht. Die übliche Frau hat ja bekanntlich ein geringeres Selbstvertrauen als der übliche Mann (zumindest gibt er das gekonnt vor). Wenn man mit einer solchen Quote nun Frauen vermehrt überzeugen könnte, in Talkshows (oder allg. öffentlich) aufzutreten, steckt das andere Frauen mit Sicherheit an. Frauen müssen dominanter werden. Nur nicht auf der Angst begründet, sonst hat das wiederum keine fortschrittlichen Konsequenzen.

  • habe genug vonn dummen Weibergeschnorren am 23.03.2014 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    und wiederum ein paar Gründe mehr

    den TV im definitiven Aus-Zustand zu belassen.

  • Jüre am 22.03.2014 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    nur das nicht...

    Man hat ja z. B. beim Club gesehen, was passiert, wenn Sendungen zu weiblich werden. Es werden nur noch "Gspürsch-mi"-Themen besprochen und irgendwelche Softies (Psychologen, Sozialarbeiter) eingeladen. Ich will einen verbalen Schlagabtausch zu politischen Themen sehen und keinen Kaffeeklatsch.

  • Rico am 22.03.2014 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Menschen!

    Wichtig und interessant ist was der Mensch zu sagen hat,da ist es doch egal ob Mann oder Frau .;-) Abgesehen davon,es gibt sogar Menschen die Gesprächspartner schätzen und nicht fertig machen wie Schawinski das tut oder immer drischnorret!

    • D.N. am 22.03.2014 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Wahrheit!

      Ja dieser Meinung bin ich auch! Diese Sendung schaue ich schon gar nicht mehr. Wenn ich solche Sendungen schauen will, so interessiert mich, was die geladenen Gäste zu sage haben und nicht die faulen Sprüche von einem Moderator. Talk Täglich und Sonntalk mit Markus Gilli gehen auch langsam den Bach runter!

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  • Elisabeth Fawer am 22.03.2014 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauenquote!

    Mehr Frauen in Talkshows, und das bei Schawinski! Hat man sich schon mal überliegt ob das nicht am Talkmaster liegt und wenn ja, dann kann man den Frauen die diese Teilnahme ablehnen nur gratulieren. Zudem braucht auch der Quotenausgleich eine gewisse Zeit, ansonsten die Qualität darunter leidet. Zudem mir scheint, dass die Medien eher überbelegt sind mit Frauen.