Social Freezing

02. März 2017 18:12; Akt: 02.03.2017 18:12 Print

Mehr Schweizerinnen lassen Eizellen einfrieren

von Fabrice Dubler - Frauen schieben den Kinderwunsch auf und frieren dafür Eizellen ein: Laut Schweizer Ärzten wird diese Möglichkeit vermehrt genutzt.

Das 360° Kinderwunsch Zentrum Zürich zeigt, wie die Eizellen gelagert werden. (Video: F. Dubler, P. Stirnemann, J. Furer)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit Social Freezing kann die biologische Uhr überlistet werden: Dabei lassen Frauen ihre Eizellen einfrieren und halten sich so die Möglichkeit einer späteren Schwangerschaft offen. Die Technik war ursprünglich für Krebspatientinnen gedacht, damit diese trotz Strahlen- oder Chemotherapie schwanger werden können.

Umfrage
Würden Sie Ihre Eizellen einfrieren lassen?
25 %
10 %
25 %
27 %
13 %
Insgesamt 593 Teilnehmer

Seit einigen Jahren hilft sie auch gesunden Frauen, eine Art Back-up einer Mutterschaft zu machen. In den USA ist die Methode ein Trend. Firmen wie Google und Apple übernehmen sogar die Kosten dafür, wenn die Babypause ihrer weiblichen Talente auf Eis gelegt wird.

Mehr Behandlungen in Schweizer Spitälern

Auch in der Schweiz stellen Reproduktionsmediziner ein immer grösseres Interesse am Social Freezing fest. «Tendenziell nimmt die Nachfrage zu», bestätigt Peter Fehr von der OVA IVF Clinic in Zürich. Er erhalte bis zu fünf Anfragen im Monat, woraus etwa zwei Behandlungen resultieren. Auch beim Unispital Zürich verzeichnet man eine langsame Steigerung der Methode. «Pro Jahr werden Eingriffe im tiefen zweistelligen Bereich durchgeführt», sagt Sprecherin Katrin Hürlimann zu 20 Minuten.

Im Luzerner Kantonsspital häufen sich solche Eingriffe ebenfalls, wie es auf Anfrage heisst. Deutlich spürt den Boom das 360° Kinderwunsch Zentrum Zürich, sagt Florian Götze, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe: «Im Vergleich zu 2014 führen
bei uns heute zwischen 30 und 40 Prozent mehr Patientinnen
ein Social Freezing durch.» Genaue landesweite Zahlen sind aufgrund der fehlenden Dokumentationspflicht nicht zu eruieren.

Hemmschwelle wurde kleiner

Die Gründe für den Social-Freezing-Boom sehen die Kliniken und Spitäler hauptsächlich im öffentlichen Diskurs. Durch die mediale Berichterstattung in den letzten Jahren sei das Thema immer bekannter geworden, so Hürlimann.

Und Florian Götze: «Für Frauen ist es kein Tabu mehr, die eigene biologische Uhr auszutricksen.» Knapp 4000 Franken pro Eingriff und 200 jährlich für die Lagerung kostet die Methode.

Andere Lebensumstände

Anders als in den USA bewegt die meisten weiblichen Patientinnen hierzulande aber nicht die Karriere zu diesem Eingriff. Vielmehr fehle den über 30-Jährigen der richtige Partner oder sie würden ihr Leben anders planen, wie Bénédicte Weiss, klinische Embryologin beim Kinderwunsch Zentrum Zürich, feststellt.

«Es ist schwieriger geworden, für eine ausgewogene Work-Life-Balance zu sorgen. Auch studiert man heute länger oder geht noch auf Reisen.» So könne man sich den Kinderwunsch dann erfüllen, wenn die Bedingungen dafür stimmen.

Mehrere Faktoren entscheidend

Mit heutigen Techniken werden die Zellen in flüssigem Stickstoff bei -196 Grad schockgefroren. «Je mehr Eizellen wir der Patientin entfernen, desto besser stehen die Chancen auf eine zukünftig erfolgreiche Befruchtung», so Götze. Die Erfolgsaussichten sind bei unter 35-Jährigen am besten.

Jedoch gebe es nie eine Garantie. «Auch die Spermienqualität des späteren Partners, wie viele Eizellen sich effektiv befruchten lassen oder wie gut diese die Prozedur vertragen, beeinflusst die Erfolgschancen einer Schwangerschaft.» Natürlich gebe es aber auch Frauen, die dennoch auf natürlichem Weg Mutter werden und die eingefrorenen Eizellen schliesslich nicht mehr brauchen.