«Leuthard-Effekt»

07. April 2017 07:14; Akt: 07.04.2017 13:58 Print

Mehrheit der Stimmbürger will Energiewende

Der «Leuthard-Effekt» greift – laut der SRG-Trendumfrage würde eine solide Mehrheit die Abstimmungsvorlage annehmen.

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Beliebt beim Schweizer Stimmvolk: Bundespräsidentin Doris Leuthard, hier in Loveresse, Bern. Mit der Energiestrategie 2050 sollen die bestehenden AKW nach Ende ihrer Lebensdauer stillgelegt werden. Bei einem Ja würde der Bau neuer Kernkraftwerke verboten, bei einem Nein wäre dies möglich. Dafür sollen erneuerbare Energien aus Sonne, Wind, Geothermie, Biomasse und Wasserkraft stärker gefördert werden. Doch was passiert bei einem Nein? Bastien Girod (Grüne) warnt, bei einem Nein zur Energiestrategie müsse dreckiger Strom aus dem Ausland importiert werden. Die Alternative, für die die SVP im Parlament plädiert habe, sei der Bau neuer Atomkraftwerke. Diesen müssten die Steuerzahler dann «mit Milliarden von Franken subventionieren». Ein Sicherheitsrisiko und die Entsorgungsproblematik blieben bestehen. Christian Imark (SVP) sagt, bei einem Nein bliebe vorerst alles beim Alten. Wenn die bestehenden AKW eines Tages altersbedingt stillgelegt würden, werde der Markt entscheiden, welche Technologie zu diesem Zeitpunkt am besten ausgereift ist. Für Christian Wasserfallen ermöglicht ein Volks-Nein eine Debatte über die «wesentlichen Probleme in der Stromversorgung». So müsse etwa darüber diskutiert werden, wie man Investitionen in grosse neue Wasserkraftwerke, in Speicherseen oder in Stromnetze auslösen könnte. Zur Frage nach neuen AKW mag sich derzeit weder Imark noch Wasserfallen äussern. Letztere hält lediglich fest, die Stilllegung der bestehenden Atomkraftwerke könne mit einem Nein zur Energiestrategie 2050 «gut vollzogen werden», wie das Beispiel Mühleberg zeige.

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Die Befürworter der Energiestrategie haben derzeit die Nase vorne. Sie starten mit einem Vorsprung von 31 Prozentpunkten in den Hauptabstimmungskampf. Ein relevanter Faktor für die Meinungsbildung ist der «Leuthard-Effekt».

61 Prozent der Stimmberechtigten hätten dem neuen Energiegesetz sicher oder eher zugestimmt, wäre bereits am 23. März darüber abgestimmt worden. 30 Prozent waren zu diesem Zeitpunkt bestimmt oder eher dagegen. Dies zeigt die am Freitag publizierte erste SRG-Trendumfrage. 9 Prozent der Befragten waren noch unschlüssig.

Einen signifikanten Einfluss auf die Stimmabsichten hat gemäss der Erhebung unter anderem die Glaubwürdigkeit von Bundespräsidentin Doris Leuthard. Insgesamt vertraut eine grosse Mehrheit der Energieministerin. 65 Prozent halten sie für glaubwürdig, nur 22 Prozent für unglaubwürdig. Und: Wer sie für glaubwürdig hält, will zu 72 Prozent für die Vorlage stimmen. Personen, die Leuthard für unglaubwürdig halten, sind zu 59 Prozent auf der Nein-Seite.

SVP lehnt Vorlage ab

Ebenfalls wichtig für den Stimmentscheid ist die Parteibindung. Am deutlichsten sind Wähler der SP und der Grünen für das neue Energiegesetz. Mehrheitlich ein Ja in die Urne legen wollen auch Anhänger der CVP, FDP und Parteiungebundene. Einzig bei der SVP, welche das Referendum gegen das Gesetz ergriffen hat, lehnt eine Mehrheit die Vorlage ab.

Weiter beeinflusst auch die persönliche Werthaltung die Stimmabsicht. Wer dem Umweltschutz eine klare Präferenz einräumt, will zu 78 Prozent Ja stimmen. Wer Wohlstand bevorzugt, ist zu 67 Prozent dagegen.

Keine Angst vor Blackout

Gemäss der Erhebung verfügen beide Seiten über mehrheitsfähige Botschaften. Populärstes Pro-Argument ist die Aussicht auf zukunftsträchtige Arbeitsplätze. Auch die Nutzung einheimischer, erneuerbarer Energiequellen und der Verzicht auf Atomenergie stossen auf Zustimmung.

Stärkstes Nein-Argument ist die Bürokratie-Kritik gefolgt von Bedenken wegen Mehrkosten. Indes sehen nur 37 Prozent der Befragten bei einem Ja zum Energiegesetz die Versorgungssicherheit gefährdet.

Ausgang noch offen

Auch wenn die Befürworter mit Rückenwind in den Abstimmungskampf starten, gewonnen ist dieser noch nicht. Die Umfrage lasse noch keine verbindlichen Schlüsse zum Abstimmungsausgang zu, betonen die Studienautoren vom Forschungsinstitut gfs.bern. Ein Ja sei zwar wahrscheinlicher als ein Nein. Denn im Normalfall verteilten sich die Unschlüssigen auf beide Seiten, was für eine deutliche Annahme sprechen würde.

Denkbar sei aber auch, dass die Zustimmung in der Hauptphase des Abstimmungskampfes sinke, namentlich im Umfeld der Parteiungebundenen, allenfalls auch der FDP. Dabei müsse es aber nicht zu einem Wechsel der Mehrheiten insgesamt kommen.

Für die Erhebung wurden zwischen dem 20. und 31. März 2017 insgesamt 1203 repräsentativ ausgewählte Stimmberechtigte befragt. Der statistische Unsicherheitsbereich wird mit plus/minus 2,9 Prozentpunkten angegeben.

Weniger Verbrauch, mehr Effizienz

Das Stimmvolk entscheidet am 21. Mai über das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050. Der Bundesrat und das Parlament wollen den Energieverbrauch senken, die Energieeffizienz erhöhen und die erneuerbaren Energien stärker fördern.

(kat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomas am 07.04.2017 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ausgerechnet

    war da nicht mal was mit autobahnvignette und LKW's... so vonwegen glaubwürdigkeit ;)

  • PascalK2015 am 07.04.2017 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    An Alle

    Nun. das glaubt auch nur Sie. So wie ich das aus meiner Erfahrung kenne, wird dass Volk einmal mehr über den Tisch gezogen. Was heisst das jetzt? Informiert euch genügend gut und entscheidet dann. Wie ihr wisst, verrechnet sich der Bund laufend um ein paar Millionen und das bestimmt nicht zum Gunste des Volkes.

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  • bobo75 am 07.04.2017 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Null Ahnung..

    ...wer sich mit Elektrotechnik und Physik nicht aus kennt, sollte nicht solche Falschinformationen an die Bevölkerung herausgeben dürfen, wie dies Frau Leuthard tut. Fakt ist, dass das was Sie vorhat, nie und nimmer funktionieren wird und schon gar nicht zu diesem Preis. Alle die grün denken, sollten sich bewusst sein, was es bedeutet wenn Strom rationiert wird. Nix E-Bike, Nix-Tesla...Darum ein klares NEIN zu Ihrem Hirnverbrannten Vorstoss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Münger am 10.04.2017 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN!

    Die Schweiz soll in den nächsten Jahren 40% Energie (Strom) sparen und 25% mehr Bevölkerung haben? Ob solcher Logik der kurzsichtigen Befürworter kann ich milde gesagt nur meinen Kopf schütteln!

    • Tina am 27.04.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      bessere Lösung?

      Dann geben Sie mir eine bessere Lösung. - weil es keine gibt und weil die Strategie die Zukunft ist werde ich ja zur Strategie sagen.

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  • Daniel Münger am 10.04.2017 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN!

    Wir lassen uns vom Bundesrat nicht mehr über den Tisch ziehen!

  • Rico S am 10.04.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht

    Und den Mehrverbrauch durch die exorbitante Zuwanderung werdet ihr auch noch wegsparen bzw. wegzahlen müssen. Viel Spass.

  • Dorist K am 10.04.2017 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkassen-Niveau

    Mit der Annahme dieser Vorlage wird die Stromrechnung auf Krankenkasse-Niveau angehoben werden. Der Staat wird dann auch die Stromrechnungen der kleinen Einkommen subventionieren müssen.

  • mike am 10.04.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    2000w

    müsste man für die Energiewende nicht zuerst mal die 2000w Gesellschaft zu ende bringen? Oder reicht es wenn man sagt man ist eine 2000w Gesellschaft?

    • M. am 10.04.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mike

      Die 2000W-Gesellschaft ist politisch nicht durchsetzbar. Deshalb wird das gleiche Ziel nun als "Energiewende" verkauft.

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