Tamedia-Abstimmungsumfrage

12. April 2017 05:35; Akt: 12.04.2017 05:35 Print

Mehrheit für Energiegesetz – was macht die SVP?

Die Befürworter der Energiestrategie liegen in Front. Dabei haben sie ihre Hauptkampagne noch nicht einmal gestartet.

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Im Abstimmungskampf um das Energiegesetz fliegen die Fetzen: Auf Plakaten warnen die Gegner aus den Reihen von SVP und FDP vor Mehrkosten von 3200 Franken pro Haushalt und Jahr. Eine Rechnung, die Umweltministerin Doris Leuthard (CVP) umgehend als «hanebüchen» in Zweifel zog.

Die erste Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zeigt nun: Die Befürworter haben die Nase derzeit deutlich vorn. 56 Prozent wollen sicher oder eher Ja stimmen, 42 Prozent sicher oder eher Nein. 2 Prozent der Stimmbürger haben sich noch nicht entschieden.

Mehrheitlich auf Ablehnung stösst die Gesetzesrevision bei den SVP- und FDP-Wählern. Bei den Anhängern der SVP, die auch das Referendum gegen das Gesetz ergriffen hat, ist der Widerstand am grössten. Drei von vier nehmen eine ablehnende Haltung ein.

Wie die Partei ist auch die freisinnige Wählerschaft gespalten: 43 Prozent sind dafür, 54 Prozent dagegen. Am grössten ist die Zustimmung bei den Wählern der Grünen. 95 Prozent wollen ein Ja in die Urne legen.

Obwohl die SVP voll auf das Kostenargument setzt, steht es bei den Stimmbürgern nicht an erster Stelle. Das meistgenannte Argument der Gegner ist, dass das Gesetz die bewährte und sichere Stromversorgung der Schweiz zerstöre.

SVP-Nationalrat Toni Brunner sagt, man argumentiere nicht nur mit den Kosten. «Auf unserem Plakat sieht man eine Frau, die kalt duschen muss. Das wäre in der Praxis die Folge eines weltfremden Gesetzes, das die sichere Energieversorgung aufs Spiel setzt.»

Der Kampagnenleiter des überparteilichen Gegenkomitees ist optimistisch, dass der Rückstand noch aufzuholen ist: «Immer mehr Gewerbeverbände und Handelskammern wechseln auf unsere Seite», so Brunner. Pünktlich zu Ostern werde man zudem ein «Energie-Infoblatt» an die Schweizer Haushalte schicken.

«Die Leute sind nicht blöd»

Dagegen sagt Roger Nordmann, SP-Fraktionschef und Co-Präsident des Pro-Komitees: «Das Kostenargument zieht nicht, weil die Leute nicht blöd sind. Sie wissen, dass auch Stromimporte kosten würden.» Zwar führten die Gegner eine Kampagne «voller Demagogie», einen Plan B hätten sie aber nicht.

Für Nordmann ist klar: «Unsere AKW sind alt und können nicht mehr ewig am Netz sein.» Beschliesse die Schweiz keine Strategie, werde sie rasch sehr viel Strom importieren müssen. «Der Bau neuer Reaktoren wäre verdammt teuer.»

Trotz des Vorsprungs sei das Rennen aber noch nicht gelaufen, sagt Nordmann. Nach Ostern starten die Befürworter ihre Hauptkampagne – rund 2,5 Millionen Franken stehen bereit.

Höherer Ja-Anteil in der Romandie

Bereits jetzt zeichnet sich ein Rösti-Graben ab: In der Westschweiz ist der Zuspruch mit 69 Prozent Zustimmung deutlich grösser als in der Deutschschweiz, wo derzeit 52 Prozent der Stimmbürger zustimmen würden. Nein sagen in der Romandie 27 Prozent (Deutschschweiz 46 Prozent).

11'154 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 6. und 7. April online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Vorlage vom 21. Mai teilgenommen. Die Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt.

Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter Tamedia.ch/umfragen

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PeterP@n am 12.04.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer glaubt,....2

    ..... dass es uns nur 40.- Franken pro Jahr kostet? Wenn der Staat etwas anpackt, dann wurden die Kosten noch nie korrekt berechnet und schon gar nicht ehrlich mitgeteilt.

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  • Mann aka Jeremy am 12.04.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schaut nach Deutschland

    und dann überlegt gut ob ihr das auch so haben wollt.

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  • Don Alfredo am 12.04.2017 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider wird

    auch das Energiegesetz ein Fass ohne Boden auf Kosten der Bürger. In Bern regiert nur noch die Lobby und die nehmen uns schamlos aus. ZB KVG, es wird viel billiger, so Bern, und was jetzt? ZB zweite Säule, ein Desaster sondergleichen und wer zahlt? Aber beim EG ist das ja ganz anders! Werd glaubt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Blume. am 12.04.2017 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NEIN NEIN NEIN

    Zur massiven Erhöhung der Strompreisen. Die Schweiz ist teuer genug !

  • Typhoeus am 12.04.2017 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energie zum Nulltarif

    Die Erde selbst wird für die kommenden Milliarden Jahre noch Energie spenden. Vermehrte Forschung zur Erdwärmegewunnung ist unumgänglich.

  • Mann aka Jeremy am 12.04.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schaut nach Deutschland

    und dann überlegt gut ob ihr das auch so haben wollt.

    • schuschleid am 12.04.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann aka Jeremy

      Ja, das wäre gut!

    • Geneigter Leser am 12.04.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann aka Jeremy

      Deutschland lässt sich überhaupt nicht mit der Schweiz vergleichen. Die deutschen erbeuerbaren sind zu einem Zeitpunkt gebaut worden wo Solarenergie noch teuer war. Inzwischen sind die Preise auf einen Zehntel der ursprünglichen Kosten gesunken. Solarenergie ist heute die günstigste Energie überhaupt. Günstiger als neue Atomkraftwerke und etwa gleich teuer wie Kohle. Das Problem ist nur, das Kohlekraft in Deutschland mit Milliarden gefördert wird. Davon redet niemand und zudem machen AKWs Verluste. Die Verluste werden über die Kantone mit Steuergeldern gedeckt. Die erneuerbaren sind ehrlich.

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  • Böse Zunge am 12.04.2017 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tija

    Für die SVP sind erneuerbare Energien halt ein Teufelswerk. Dabei operiert sie so gerne mit falschen Zahlen. Ihr kann es ja auch egal sein, sind die meisten Anhänger ja Ü50. Sie müssen in keiner verpesten Umwelt leben. Das gilt auch für die FDP!

  • Th1990 am 12.04.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfragwerte

    Das Abstimmungsergebnis zählt nicht die Umfrage. Bin überzeugt, dass Stimmvolk erkennt die Mogelpackung und kauft nicht die Katze im Sack mit nicht definiertem Preisschild!