Leserumfrage

09. März 2013 10:08; Akt: 09.03.2013 10:08 Print

Mehrheit reicht Ja zu Abzocker-Initiative nicht

von J. Pfister - Trotz Annahme der Abzocker-Initiative glauben die Leser von 20 Minuten Online nicht daran, dass überrissene Gehälter der Vergangenheit angehören. Sie fordern gerechte Löhne für alle.

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Das Ja zur Abzocker-Initiative lässt die Leser von 20 Minuten Online nicht ruhen. Genauso wie Initiativ-Vater Thomas Minder befürchtet die Mehrheit, dass Bundesrat und Parlament das Anliegen verwässern, wie unsere Umfrage zeigt. Rund 68 Prozent der Teilnehmer glauben, dass der Gesetzestext abgeschwächt wird. Nur gerade 17 Prozent - hauptsächlich FDP-Wähler - vertrauen der Landesregierung, die Vorlage rasch und klar umzusetzen.

Für die Mehrheit der Leser ist klar: Bundesbern soll die Vorlage so umsetzen, wie es der Verfassungstext vorsieht. Rund 30 Prozent wünschen sich - wie es SP-Präsident Christian Levrat verlangt - eine Bonussteuer auf Vergütungen von über drei Millionen Franken in die Vorlage einzufügen. Dies sind erwartungsgemäss vor allem Sympathisanten der SP und der Grünen, aber auch viele Wechselwähler. Weitere 25 Prozent wünschen sich die 1:1-Regel - der Bonus dürfte damit das Fixgehalt nicht mehr übersteigen.

Weniger gut kommt die Forderung der BDP an, dass Firmen selber entscheiden können, ob Abstimmungen über die Vergütungen nur konsultativ sein sollen. Nur gerade 17 Prozent der Teilnehmer fordern dies. Auf noch weniger Interesse stösst die Frauenquote für Verwaltungsräte - selbst bei den Frauen. Nur 7 Prozent der weiblichen Umfrageteilnehmer wollen dieses Anliegen im Gesetz verankern, bei den Männern sind es mit 2 Prozent noch weniger.

1:12-Initiative ist hoch im Kurs

Dass dank der Abzocker-Initiative überrissene Gehälter der Vergangenheit angehören, glaubt kaum jemand der Umfrageteilnehmer. Für zwei Drittel ist klar - die Lohnungerechtigkeit wird sich fortsetzen. So überrascht auch nicht, dass die Mehrheit weitere Massnahmen für eine gerechte Wirtschaft fordert. Diese Meinung zieht sich durch Sympathisanten aller Parteien hindurch - eine Ausnahme bilden die FDP-Wähler, die dies nicht für nötig halten.

Was die SP besonders freuen wird - die Abzocker-Initiative könnte ihre eigene 1:12-Initiative befeuern. Zumindest bei den Lesern von 20 Minuten Online ist die Forderung, dass niemand in einem Monat mehr verdienen soll als der am schlechtesten entlöhnte Mitarbeiter in einem Jahr, durch alle Altersklassen hindurch hoch im Kurs. Rund 65 Prozent würden dem Anliegen der Linken zustimmen. Neben der erwartbaren Unterstützung aus dem Lager der SP und Grünen, sind überraschend viele SVP-Sympathisanten für die Initiative. Gar nicht begeistern für das Anliegen können sich wiederum die FDP-Wähler.

Die anderen Linken Vorlagen - Erbschaftssteuer und Mindestlohninitiative - konnten keine Mehrheit der Umfrageteilnehmer für sich gewinnen, dies aber knapp mit 46 beziehungsweise 48 Prozent.

Minder soll weiter kämpfen

Obwohl sowieso kaum anzunehmen ist, dass sich der unermüdliche Kämpfer Thomas Minder nun aus der öffentlichen Debatte zurückzieht - von den Umfragteilnehmer ist das auch nicht gewünscht. Rund 60 Prozent wollen, dass sich der Vater der Abzocker-Initiative weiter für sein Anliegen einsetzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lana R. am 09.03.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN zu 1:12

    Über die Folgen der 1:12 haben die wohl nicht nachgedacht? Die Chefs werden zu Firmen ins Ausland gehen, bei denen sie mehr verdienen. Die Firmen werden die günstigeren Arbeitskräfte einfach ins Ausland auslagern. Und andere Firmen werden es sich mehrmals überlegen, ob sie sich in der CH ansiedeln sollen, oder ihren Standort nicht doch besser in De oder F haben sollen. So oder so ist es für den Wirtschaftsstandort Schweiz schädlich. Und das ist unnötige Gefährdung von Arbeitsplätzen.

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  • Andreas P. am 09.03.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Profitieren profitieren profitieren

    Ich bin selbständig und verdiene knapp CHF 2000 pro Monat, je nach Geschäftsverlauf. Trotzdem kann ich mir so meine ich ein ok Leben finanzieren. Gewisse Menschen denken ihnen sollte alles auf dem Silbertablett präsentiert werden und wenn das nicht geht, dann sollen offenbar die dafr geradestehen die es zu etwas gebracht haben.

  • Peter. K am 09.03.2013 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommunismus

    Am besten sollten alle in der ganzen Schweiz gleich viel verdienen. Egal ob man Professor, Doktor oder nur Hilfsarbeiter ist! Kommunismus wir kommen! Vielleicht gelingt es uns einen Bündnispakt mit Nordkorea abzuschliessen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Parteilos am 11.03.2013 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    Entäuschend

    Schade, dass der Neid das rationale Denken der Bürger massiv beeinflusst. Die 1:12 Initiative wäre ein Debakel für den Schweizer Wirtschaftsstandort. Die 2% reichsten Bürger zahlen 50% der Steuern. Dank ihnen sind Steuern in der Schweiz "noch" vergleichsweise gering. Wann ist dies den Leuten endlich bewusst?!

  • H. P. am 10.03.2013 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    1:12 ist Zwängerei

    und lässt sich nicht umsetzen. Deckelung bringt nichts. Bin gespannt auf Minders Gegenvorschlag.

  • H.P. am 10.03.2013 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Politik für den Bürger

    und nicht umgekehrt. Das scheint mir das Entscheidende in den Engagements von Herrn Minder.

  • Stefan W. am 10.03.2013 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Neid zerfrisst die Gesellschaft

    Scheinbar ist hier für viele die EUdSSR in Reinkultur die Droge schlechthin und sie alle wollen in null Komma nichts nichts dorthin. Bald schon regulieren wir die Bedienung von Kühlschränken und Waschmaschinen und wie man seinen Kehricht zu entsorgen hat. Beim Ausfüllen der Steuererklärung kommt auf Termin ein Genossenkomitee nachhause, das die Formel 12:1 für den Staat in der Steuererklärung überwacht.

    • Markus Furrer am 11.03.2013 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan W.

      Nachtrag: Natürlich kontrolliert das Genossenkomitee auch ob die 99 Prozent Erbschaftssteuer korrekt deklariert wurde.

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  • Martin am 10.03.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Das Volk hat die Abzockerinitiative angenommen. Wir sollten zuerst einmal warten, was die Auswirkungen sind, bevor wir weitere Massnahmen machen. Wollen wir mit einem ungestümen Aktivismus dem Land schaden?