Verschmutztes Wasser

12. Juli 2016 10:08; Akt: 12.07.2016 10:43 Print

Mikroplastik in Zahnpasta soll verboten werden

Die Grünen wollen die in Kosmetika eingesetzten Plastikgranulate verbieten. Sie schädigten Natur und Mensch. Der Branchenverband widerspricht.

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Sie sind winzig klein, farblos und von blossem Auge kaum zu sehen: kleinste Plastikteilchen von weniger als 0.3 Millimetern, wie sie in vielen Pflegeprodukten enthalten sind. Sie kommen in Peelings und Duschgels zum Einsatz, aber auch in Zahnpasten, wo sie die Zähne aufhellen sollen. Dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) ist dies ein Dorn im Auge: In einem parlamentarischen Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, Plastikgranulate in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Die winzigen Partikel seien eine Bedrohung für Mensch und Umwelt, heisst es im Motionstext. Gefährdet sei so auch der Mensch, der den mit Schadstoffen belasteten Fisch wieder konsumiere. Ein Verbot sei zudem unproblematisch, «da es ökologisch abbaubare und umweltverträgliche Produkte gibt - zum Beispiel Granulat aus Baumnussschalen -, um die Mikroplastik-Teile in Kosmetika zu ersetzen», schreibt Glättli. Auch Bernhard Wehrli, Professor für aquatische Chemie am Departement für Umweltwissenschaften der ETH, sagt, die Verwendung von Mikroplastik durch die Industrie sei unnötig und nicht unproblematisch: «Produkte sollten generell biologisch abbaubar sein.» Dass die Mikroganulate jedoch Menschen gefährden, sei nicht bewiesen. Bernard Cloëtta, Direktor des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbandes, sieht keinen Grund, auf Mikroplastik zu verzichten: «Die in den Kosmetikprodukten eingesetzten Mengen an Plastikgranulaten sind minimal.» Der ganze Plastik in den Gewässern stamme daher nur zu einem verschwindend kleinen Teil aus Cremen oder Zahnpasten.» Auch gebe es keine hieb- und stichfesten Belege dafür, dass sie für den Menschen und die Umwelt wirklich gefährlich seien.

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Sie sind winzig klein, farblos und von blossem Auge kaum zu sehen: kleinste Plastikteilchen von weniger als 0.3 Millimetern, wie sie in vielen Pflegeprodukten enthalten sind. Sie kommen in Peelings und Duschgels zum Einsatz, aber auch in Zahnpasten, wo sie die Zähne aufhellen sollen.

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Gehört Mikroplastik verboten?

Dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) ist dies ein Dorn im Auge: In einem parlamentarischen Vorstoss fordert er den Bundesrat auf, Plastikgranulate in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Die winzigen Partikel seien eine Bedrohung für Mensch und Umwelt, heisst es im Motionstext.

«Mensch am Ende der Nahrungskette»

Wie Glättli in einem Blog schreibt, werden die Plastikgranulate von den Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert – und gelangen so in unsere Flüsse, Seen und Meere. Das Problem: «Aufgrund seiner wasserabweisenden Oberfläche zieht Mikroplastik Schadstoffe an und lagert diese an der Oberfläche ab.» Die Partikel würden dann samt Schadstoffen von den Wasserorganismen aufgenommen – darunter Fische, Muscheln und Seehunde.

Gefährdet sei so auch der Mensch, der den mit Schadstoffen belasteten Fisch wieder konsumiere. Ein Verbot sei zudem unproblematisch, «da es ökologisch abbaubare und umweltverträgliche Produkte gibt – zum Beispiel Granulat aus Baumnussschalen –, um die Mikroplastik-Teile in Kosmetika zu ersetzen», schreibt Glättli.

«Branchenverband sieht kein Problem»

Auch Bernhard Wehrli, Professor für aquatische Chemie am Departement für Umweltwissenschaften der ETH, sagt, die Verwendung von Mikroplastik durch die Industrie sei unnötig und nicht unproblematisch: «Produkte sollten generell biologisch abbaubar sein.» Dass die Mikroganulate jedoch Menschen gefährden, sei nicht bewiesen.

Die Mikroplastik-Partikel könne man als eine Art unverdauliche Ballaststoffe betrachten. «Sie werden von den Organismen nicht verwertet und einfach wieder ausgeschieden.» Ein Verbot sei nicht nötig, wohl aber eine Diskussion darüber, wie man die Plastikgranulate durch biologische Varianten ersetzen könnte. In der EU werde dies schon länger diskutiert.

Bernard Cloëtta, Direktor des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbandes, sieht keinen Grund, kurzfristig auf Mikroplastik zu verzichten: «Die in den Kosmetikprodukten eingesetzten Mengen an Plastikgranulaten sind minimal.» Der ganze Plastik in den Gewässern stamme daher nur zu einem verschwinden kleinen Teil aus Cremen oder Zahnpasten.» Auch gäbe es keine hieb- und stichfesten Belege dafür, dass sie für den Menschen und die Umwelt wirklich gefährlich seien. «Da gibt es ganz andere ökologische Probleme wie Mikroganulate.» Diese zu verbieten, ohne eine gesamteuropäische Regelung abzuwarten, würde denn auch keinen Sinn machen, «sondern durch die entstehenden Handelshemmnisse nur den Schweizer Herstellern schaden».

(jh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 12.07.2016 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als höchste Zeit

    Der Schaden ist längst nachgewiesen worden. Dieses Granulat findet sich in Fischfleisch wieder! Ausserdem gehören PET Flaschen verboten oder mit mind. 1.- Depot versehen. Sie sind massgeblich schuld an Mikroplastikteilen in Getränken und ebenfalls in Tieren.

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  • Miriam G. am 12.07.2016 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    Es macht ja schon nur darum Sinn, damit weniger Plastik (Erdölprodukt) produziert würde

  • Verena C. am 12.07.2016 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    ganz ohne

    Wenn diese Firmen auf dieses Microplastik nicht verzichten wollen müssen diese sich nicht wundern dass man solche Produkte meidet da es ja genügend ohne dieses gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 13.07.2016 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen?

    Sie werden von den Organismen nicht verwertet und einfach wieder ausgeschieden.» Aha - wohin? Warum ist das überhaupt nötig? Als Füllmaterial? Ist doch ähnlich mit Palmöl und Soja. Da hats in der guten alten Ovi Soja - soll mir einer sagen wozu? Da findet man Palmöl und Soja in Produkten ---- da frag ich mich wirklich was das dort soll! Die sollen beweisen warum es das brauchen soll! Dann würden sicher auch Alternativen gefunden!

  • Fixi am 13.07.2016 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Umgekehrte Beweislast

    Der Kosmetikverband sagt, es gäbe keine Hieb und stichfesten Beweise dafür, dass die Granuli schädlich seien. Eine Sauerei! Die Industrie müsste zuerst IN LANGZEITSTUDIEN HIEB UND STICHFEST BEWEISEN, dass Produkte WEDER FÜR MENSCH NOCH UMWELT SCHÄDLICH sind, was sie nicht kann. Auch DDT und andere Toxine war mal von den Behörden zugelassen - nur weil man nicht wusste, dass sie hochschädlich sind. Wie lange darf uns die Industrie noch Produkte andrehen, die uns im Langzeiteffekt schädigen? Die UMGEKEHRTE BEWEISLAST ist überfällig. Zuerst der Beweis der Unbedenklichkeit, dann erst Kasse machen.

    • plitschplatsch am 13.07.2016 09:32 Report Diesen Beitrag melden

      Marktwirtschaft muss getrennt werden

      So lange die Verantwortlichen der Industrie auch politische Ämter bekleiden, so lange wird es dies geben. Wenn den Politikern unter Strafandrohung verboten wird in der freien Marktwirtschaft mit zumischen erst dann kann es Regelungen geben die greifen. Politik und freie Marktwirtschaft muss unbedingt getrennt werden.

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  • Best am 12.07.2016 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die wissen schon was gesund ist

    Auch für den Körper Bedenklichkeit nicht nachgewiesen! Tagesdosis unterhalb des Grenzwertes! Wer hat die nach zwei Jahren vor Markteinführung festgelegt? Wir brauchen diese Produkte über Jahrzehnte. Jede weiß heute das über Kunststoffe schädliche Hormon in den Körper geraten. Auch wenn pro Tupe Zahnpaste nur wenige Gramm/Milligramm drin sind ist der Verbrauch weltweit enorm hoch. Aber eben, alles im Grenzwert und Schäden sind nicht bewiesen. Gut kann ich der Pharma und Kosmetik Industrie glauben. Alles zu unserem Wohl , Geld, Marketing ist denen EGAL! Gute Nacht und schön Zähne putzen; -))

    • so langsam bin ich genervt am 13.07.2016 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      "jede weiss heute...."

      jeder kann irgendwelchen Quatsch behaupten. Vielleicht hätte man doch mal in der Schule aufpassen sollen, dann wüsste man, dass Kunststoffe keine Hormone sind und dass die "Natur" genauso "giftig" wie die "Chemie" ist und dass es die Dosis ist, die darüber entscheidet, ob etwas Gift ist oder nicht........

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  • Mike am 12.07.2016 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Es kommt nicht sehr oft vor, aber bei diesem Thema bin ich mit den Grünen 100% einverstanden.

    • plitschplatsch am 13.07.2016 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      Beine unter dem Tisch.

      Hat Dich jemand nach Deiner Meinung gefragt? Also halt die Beine unter dem Tisch. Höchst aussagekräftig diese Aussage. Staun, Staun. Intelligenz droht Kollaps!

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  • Martial Kohler am 12.07.2016 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstig und effizient...

    Am besten ein Mal täglich die Zähne mit Javelwasser reinigen. Sauber, weiss, dezinfiziert... Gruss von Emil aus Luzern !!