Zu wenig Soldaten

23. Januar 2017 05:48; Akt: 23.01.2017 08:21 Print

Militärdienst für Dicke und leicht Behinderte?

von A. Schawalder/ D. Pomper - Wer zu dick ist oder körperliche Einschränkungen hat, darf nicht ins Militär. Um den Armeebestand zu erhöhen, soll sich das ändern.

Bildstrecke im Grossformat »
Zählte sie 2008 noch über 200'000 Soldaten, sind es heute noch rund 167'000. Grund dafür ist einerseits der Zivildienst, der immer beliebter wird. Andererseits taugen viele junge Leute nicht mehr fürs Militär: 2014 stellten sich 26,5 Prozent aller Stellungspflichtigen als untauglich für den Dienst im Militär oder im Zivilschutz heraus. Jetzt will die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats den Soldatenmangel bekämpfen. In einem Postulat schlägt sie dem Bundesrat Massnahmen vor, mit denen die Attraktivität der Armee gesteigert werden soll. So sollen neu 2012 wurden 672 Stellungspflichtige für untauglich erklärt, weil sie einen zu hohen BMI hatten. Ab einem BMI von 30 wird ein Mann nur noch rekrutiert, wenn er eine gute körperliche Leistungsfähigkeit aufweist. Ab einem BMI von über 40 gilt ein Stellungspflichtiger gemäss Reglement zwingend als militärisch untauglich. «Nehmen wir einen . Nur weil er die körperlichen Leistungen nicht erbringen kann, wird er für untauglich erklärt. Dabei braucht er für die Funktion keine Waffe und körperliche Fitness ist nebensächlich», sagt Sicherheitspolitiker Marcel Dobler (FDP). «Es wäre gut, wenn man auch stark übergewichtigen Menschen eine Chance gäbe, sich im Militär zu bewähren», sagt Heinrich von Grünigen, Präsident der Adipositas-Stiftung. Gerade junge Übergewichtige hätten genügend Energie und Power, um einen Job bei der Armee zu meistern. «Nicht nur Übergewichtige, auch beispielsweise ein Arzt mit einem tauben Ohr ist bei seiner Arbeit nicht eingeschränkt», sagt FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Gerade in der Informatik und im Medizinbereich fehle qualifiziertes Personal. Hier gelte es, das brachliegende Potenzial auszunutzen. «», sagt Dobler. Jakob Büchler (CVP) erinnert sich an einen jungen Mann, der aufgrund eines früheren Kreuzbandrisses am Knie abgelehnt wurde. Das Risiko, dass er sich erneut verletzen würde, sei zu gross. «Aus Angst die Militärversicherung zusätzlich zu belasten, werden solche Leute abgelehnt. Das ist doch ein Witz», sagt Büchler.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Armee schrumpft: Zählte sie 2008 noch über 200'000 Soldaten, sind es heute noch rund 167'000. Grund dafür ist einerseits der Zivildienst, der immer beliebter wird: 2016 wollten über 6000 Personen Zivis werden. Andererseits taugen viele junge Leute nicht mehr fürs Militär: 2014 stellten sich 26,5 Prozent aller Stellungspflichtigen als untauglich für den Dienst im Militär oder im Zivilschutz heraus – wobei die Obwaldner die Tauglichsten (80%) und die Zürcher die Untauglichsten (49%) sind.

Umfrage
Sollen übergewichtige Personen und Menschen mit Behinderung ins Militär gehen dürfen?
51 %
35 %
9 %
5 %
Insgesamt 5139 Teilnehmer

Jetzt will die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SIK) den Soldatenmangel bekämpfen. In einem Postulat schlägt sie dem Bundesrat Massnahmen vor, mit denen die Attraktivität der Armee gesteigert werden soll. So sollen neu Personen, die gewillt sind, Militärdienst zu leisten, aber «leichte Einschränkungen» haben, eingesetzt werden, etwa auf einem Ohr Gehörlose oder Personen mit leichten körperlichen Einschränkungen. Der Dienstleistende soll die Anforderung der «konkreten Aufgabe» erfüllen müssen und nicht die «generelle Tauglichkeit».

Grünes Licht für übergewichtige IT-Spezialisten

«Nehmen wir einen übergewichtigen IT-Spezialisten. Nur weil er die körperlichen Leistungen nicht erbringen kann, wird er für untauglich erklärt. Dabei braucht er für die Cyberabwehr keine Waffe, und körperliche Fitness ist nebensächlich», sagt Sicherheitspolitiker Marcel Dobler (FDP). 2012 wurden 672 Stellungspflichtige für untauglich erklärt, weil sie einen zu hohen BMI hatten. Ab einem BMI von 30 wird ein Mann nur noch rekrutiert, wenn er eine gute körperliche Leistungsfähigkeit aufweist. Ab einem BMI von über 40 gilt ein Stellungspflichtiger gemäss Reglement zwingend als militärisch untauglich.

«Es wäre gut, wenn man auch stark übergewichtigen Menschen eine Chance gäbe, sich im Militär zu bewähren», sagt Heinrich von Grünigen, Präsident der Adipositas-Stiftung. Gerade junge Übergewichtige hätten genügend Energie und Power, um einen Job bei der Armee zu meistern.

«Angst, die Militärversicherung zu belasten»

«Nicht nur Übergewichtige, auch beispielsweise ein Arzt mit einem tauben Ohr sei bei seiner Arbeit nicht eingeschränkt», sagt FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Gerade in der Informatik und im Medizinbereich fehlte qualifiziertes Personal. Hier gelte es, das brachliegende Potenzial auszunutzen: «Eine motivierte, aber untaugliche Person kann unter Umständen bessere Arbeit leisten als eine tauglich unmotivierte», sagt Dobler.

Kommissionskollege Jakob Büchler (CVP) erinnert sich an einen jungen Mann, der aufgrund eines früheren Kreuzbandrisses am Knie abgelehnt wurde. Das Risiko, dass er sich erneut verletzen würde, sei zu gross. «Aus Angst, die Militärversicherung zusätzlich zu belasten, werden solche Leute abgelehnt. Das ist doch ein Witz», sagt Büchler.

Auch Werner Salzmann, Vizepräsident der SIK und Oberst bei der Schweizer Armee, findet die Praxis für Untauglichkeitserklärungen zu streng: «Viele Personen werden wegen kleiner Probleme vom Dienst befreit. Für diese Leute müssen wir einfach eine passende Funktion finden.» Von einem «Schritt in die richtige Richtung» spricht auch Stefan Hohlenstein, Präsident der Schweizer Offiziersgesellschaft.

Das VBS will zum Postulat keine Stellung nehmen, da es im Rat noch nicht behandelt wurde.

Untauglich und trotzdem im Dienst

Seit 2013 können Interessierte, die von der Armee als untauglich erklärt wurden, schriftlich Einsprache erheben. Wird der Antrag bewilligt, durchläuft die Person nicht eine normale RS, sondern absolviert nur eine Grundausbildung und ist danach in der Verwaltung oder Logistik tätig. 2015 wurden rund 100 solche Anträge bewilligt, weniger als zehn Personen blieben gemäss dem VBS untauglich.

Hintergrund ist ein Strassburger Urteil von 2010 zugunsten eines diabeteskranken Schweizers, der sich mit allen juristischen Mitteln für sein Dienstrechte eingesetzt hatte. Teilinvalide oder psychisch Belastete sollten fortan nicht mehr zwingend Wehrpflichtersatz bezahlen müssen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Badener am 23.01.2017 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfache Lösung

    Oder man erweitert die Wehrpflicht auf Frauen und - hoppla - hat man doppelt so viele zur Auswahl und ist auch der Gleichberechtigung wieder einen Schritt näher

    einklappen einklappen
  • Mfu am 23.01.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja sicher

    Wen einer will soll er die möglichkeit haben. Ich kenne genug die gesund sind und einfach nicht wollen.

  • benjihugi am 23.01.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehörlos

    das find ich ne tolle sache. da ich gehörlos bin seit geburt und mit 20 die CI-Operation machte und ich seitdem ca 80% höre und ich als lkw-Chauffeur unterwegs bin investiere ich immer 1000% in die arbeit hinein.nebenbei treibe ich sport.in meinem jetzigen alter von 36 jahren würde ich ins militär gegen da ich damals abgewiesen wurde weil ich gehörlos war.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berlisch am 23.01.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut

    Richtiger Schritt in die richtige Richtung. Soll doch jeder der Einsetzbar ist ,ob Mann oder Frau , ob Dick oder mit kleiner Behinderung aufgenommen werden. Der Dicke kann ja dann dort abnehmen . Die Leute würden sich Vollwertig finden und wären zufrieden ,was ein Risiko für Krankheit senkt...und Frauen könnten zeigen das auch sie ihren Mann stehen können

  • Point Man am 23.01.2017 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Das Militär sollte als Pflicht abgeschafft werden. Es gibt Menschen deren Karriere wichtiger ist als die verschwendete Zeit dort. Man kann es diesen Menschen nicht mal Übel nehmen. In der Schweiz ist man ohne eine gute Ausbildung, oder Schule verloren in dieser Berufswelt.

  • Gucci Paolo. am 23.01.2017 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle sollen Dienst leisten

    Ohne Ausnahme. Denn bald müssen die Raucher auch nicht mehr gehen. Es braucht höhere Ersatzstrafen.

  • Elsad Cafarov am 23.01.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich wurde

    Ich wurde mit 19 rekrutiert als Informatikpionier. Im Medizinischem Teil hat man mich gefragt ob ich Krankheiten habe wo mich beim Militärdienst einschränken. Dies habe ich verneint jedoch habe ich gesagt dass ich früher eine Lungenkrankheit hatte wo eigentlich doppel UT bedeuten würde (Ich wollte in den Militärdienst) der Armeearzt hat gesagt kein Problem. Nach drei Wochen wurde ich UT gesprochen als ich gefragt habe wieso wurde es nicht in Sumiswald entschieden. Sie sagten mir dies war ein Fehler. Okay Fehler machen alle aber manchmal frage ich mich für wieviel der Armeearzt seinen Doktortitel in der Medizin gekauft hat.

  • Goa Switzerland am 23.01.2017 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich!

    Was soll dass ich habe im Militär an der Aushebung alle Tests bestanden und durfte am Schluss nicht ins Militär wegen einer Anzeige weil ich im Internet 6 Hanfsamen bestellt habe!