Arbeitswelt

28. April 2018 18:18; Akt: 28.04.2018 18:18 Print

So reagieren Firmen auf Ansprüche der Millenials

von Simon Ulrich - Arbeitspsychologen können der Anspruchshaltung jüngerer Arbeitnehmer positives abgewinnen. Doch wie gehen Unternehmen damit um?

Passanten erzählen, wie wichtig ihnen Arbeit und Freizeit sind. (Video: B. Zanni)
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Arbeitsscheu, verwöhnt, verschwenderisch – der Begriff Millenials wird oft in einem negativen Zusammenhang verwendet. Zwischen 2012 und 2017 sind gemäss Zahlen der «Welt» 3.514.982 Artikel zum Thema «nervige Millennials» weltweit erschienen. Zuletzt warf BWL-Professorin Evi Hartmann jungen Arbeitnehmern vor, dass sie zu viel Wert auf Freizeit legen würden und ihnen der Leistungsgedanke abhanden gekommen sei.

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Hiesige Arbeitspsychologen und Personalfachleute kontern: Millenials seien durchaus engagiert, stellten aber gleichzeitig die Frage nach dem Sinn ihrer Arbeit und mehr Ansprüche an ihren Arbeitgeber, so der Tenor. Das wirft die Frage auf: Warum gibt es dennoch so viele negative Meinungen zur Generation Y? Und woher kommen die?

«Arbeit gilt bei vielen von vornherein als Übel»

«Man tut nicht mehr einfach, was der Chef sagt»

Hartmut Schulze, Arbeitspsychologe an der FHNW empfiehlt, «bei den Fakten zu bleiben». Unter anderem täten sich auch die Kader schwer mit der veränderten Grundhaltung junger Arbeitnehmer. «Die Zeiten, in denen jeder einfach nur dankbar ist, einen Job zu haben, und genau das tut, was der Chef von ihm verlangt, sind definitiv vorbei – und darauf können wir auch stolz sein.»

Im Zuge von Digitalisierung und steigenden Anforderungen an das Selbstmanagement von Mitarbeitern werde den Vorgesetzten heute zunehmend die Rolle eines Coaches zuteil. Dieser müsse die jungen Angestellten eng begleiten, sich mehr Zeit für sie nehmen und auf die Passgenauigkeit zwischen Kompetenzen und Bedürfnissen einerseits und Arbeitsaufgaben andererseits achten. «Das veränderte Führungsverständnis kann bei manchen Chefs zu Enttäuschung führen – und manchmal eben auch zu übertriebener Kritik.»

Die Firmen reagieren

Barbara Aeschlimann, Geschäftsleiterin der Zürcher Gesellschaft für Personalmanagement (ZGP), fügt an, dass die Lust von Führungskräften, junge Arbeitnehmer in die Entscheidungen miteinzubeziehen, «nicht flächendeckend vorhanden» sei. «Werden Entscheidungen hinterfragt, sehen das Vorgesetzte häufig als Affront statt als positiven Input», sagt sie. Auch im integrativen Führunsansatz sei es ausserordentlich wichtig, die Rollen und Funktionen klar definiert und zugeordnet seien. «Gerade auch bei Entscheidungen, die ‹von oben› gefällt werden, ist es enorm wichtig, diese für die Betroffenen transparent aufzuzeigen», sagt Aeschlimann.  

Viele Firmen haben indes die Bedürfnisse der Generation Y nach Sinnhaftigkeit, Verantwortung und Flexibilität längst erkannt – und darauf reagiert. So etwa auch die Swisscom. «Bei uns gibt es flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit standortunabhängig, zum Beispiel im Home Office, zu arbeiten», sagt Sprecherin Annina Merk. Es sei das Gesamtpaket, das für Mitarbeiter entscheidend sei und überzeugen müsse. «Sonst sind sie viel eher bereit als früher, eine neue Stelle zu suchen oder ein Jobangebot abzulehnen», so Merk.

Speed-Dating und Mentoring-Programme

Was Führungsstrukturen und Hierarchien betrifft, so arbeiten bei der Swisscom viele Mitarbeiter in sogenannten agilen Strukturen, zum Beispiel in der Entwicklung. Dort sind interdisziplinäre Teams, sogenannte Squads, zum Beispiel für die Entwicklung und den Betrieb eines Produkts verantwortlich. Diese Teams seien weitgehend selbstorganisiert, erklärt Merk. «Klassische Führungsstrukturen und Hierarchien sind da eher hinderlich.» Auf der anderen Seite gebe es aber auch Bereiche, wo klassische Führungsstrukturen die erfolgsversprechende Organisationsform seien, so Merk.

Bei der Axa Versicherung sieht es ähnlich aus. «Ein Fokus der neuen Unternehmenskultur liegt darin, die Ideen jedes einzelnen Mitarbeitenden zu fördern, unabhängig seiner Funktion», sagt Yvonne Seitz, Head Diversity & Employer Branding. Zudem werde viel Wert auf flexible Arbeitsmodelle und auf die individuelle Weiterentwicklung gelegt. «Wir haben zum Beispiel Mentoring-Programme, bei denen die Jüngeren von den Älteren lernen könnten und umgekehrt, oder Speed-Datings für den gegenseitigen Austausch unter Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen», so Seitz. Bei unternehmerischen Entscheiden hätten die Angestellten zudem regelmässig die Möglichkeit, Feedbacks abzugeben. Seitz: «Wenn die Angestellten miteinbezogen werden, dann tragen sie den Entscheid auch ganz anders mit.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klartext am 28.04.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Das wird spannend. Auf der einen Seite haben wir die schweizerische Wirtschaft, die in immer kürzerer Zeit immer mehr fordert. Gesundheitliche Schäden von Schlafstörungen über Burnout bis Suizid sind die Folgen davon. Auf der anderen Seite stehen die Milenials, die genau gegen dieses Vorgehen auf den Tisch hauen. Vielleicht braucht die Wirtschaft das, damit sich diesen Sklaventreibend ähnlichen Zustand wieder normalisiert.

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  • Daniel am 28.04.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gebt uns richtige Jobs

    Immer nur Praktikumssklaverei und Temporär Stress, gebt uns richtige Jobs. Wir wollen finanzielle Sicherheit. Nicht von Ausbildung zu Ausbildung hecheln, nicht von Temporärjobs zu Temporärjobs, von Praktikum zu Praktikum. Und hört auf bei Studentenjobs 5-10 Jahre Berufserfahrung zu fordern oder einen Bachelorabschluss mit Bestnoten, das sind keine Studentenjobs. Kann echt nicht sein.

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  • Rafael am 28.04.2018 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Jüngere von Älteren lernen?

    Der Zug ist abgefahren. Ich (34) hatte noch das Glück. Heute verweigern die Alten den Wissenstranser - zu Recht. Denn sobald das Wissen transferiert ist, sind sie entbehrbar.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ohm am 29.04.2018 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die hüt Jugend!

    Die heutige Gesellschaft ist garantiert nicht von uns Jungen geschaffen worden! Wir müssen jetzt das ausbaden, was die älteren Generationen verbockt haben. Was ich dann noch schlimmer finde, ist das gehässige die hüt Jugend!. Wir befinden uns in der Selbstfindephase, erkunden gerade den immer schwierig werdenden Arbeitsmarkt und versuchen auf eigenen Füssen zu stehen. Aber von allen Seiten immer das Gejammere, ich kanns nicht mehr hören!

  • deutsch am 29.04.2018 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was?

    was sind genau millenials?? kann man nicht einfach heutige jugend sagen? diese trendwörter in einer zeitung passen einfach nicht.

  • deutsch am 29.04.2018 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was?

    was sind genau millenials?? kann man nicht einfach heutige jugend sagen?

  • Carlotta am 29.04.2018 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Generationskonflikt

    es hatte in jeder Generation die hart Arbeitenden und die Dummschwätzer und das wird auch so bleiben. Ausbildung und Erfahrung sind Zweierlei. Ich denke man sollte den Jungen nicht die Illusionen nehmen, jedoch während der Arbeitszeit das Handy, damit sie wieder selber denken lernen.

  • dev am 29.04.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    detailhandel und industrie ist leider noch in der

    ich lande leider immer wieder in stocksteifen kravatten firmen wo die chefs bärte tragen und keine ahnung haben davon was wir tun. zum glück kann ich als entwickler schnell wieder weg.

    • Ragnar am 29.04.2018 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dev

      Darf man als Chef keinen Bart haben? höre ich hier einer dem kein bart wächst?

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