Schweiz bezahlt

18. November 2012 04:35; Akt: 18.11.2012 04:36 Print

Millionen für Junge in Nigeria und Tunesien

Die Schweiz will mit Millionenbeträgen Ausbildungsplätze in Nigeria und Tunesien finanzieren. Allein in Tunesien sollen 1000 Lehrstellen entstehen.

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Das VBS sucht schon länger nach geeigneten Asylunterkünften. Doch der Protest aus der Bevölkerung ist jeweils gross. Im April 2012 äussert die Bevölkerung von Schmidrüti (ZH) ihren Unmut über die mögliche Einrichtung einer Asylunterkunft in der Gemeinde. Der Bund hatte die frühere Luftwaffenbasis Schmidrüti als Standort zur Unterbringung von Asylbewerbern geprüft - die Idee aber wieder verworfen. Bereits 1999 waren in der militärischen Anlage während des Kriegs in Kosovo Vertriebene von dort aufgenommen worden. Der Protest im aargauischen Dorf Bettwil war Ende 2011 schweizweit ein Thema. 140 Asylsuchende sollten im Ort mit 560 Einwohnern untergebracht werden. Geplant hatte der Bund die Unterbringung in der dortigen Militärunterkunft - ebenfalls ein früherer Standort der Luftabwehr. Bereits weit fortgeschritten war die Planung bei der militärischen Anlage auf dem Hellchöpfli (BE), als das Projekt im Frühjahr 2012 am Widerstand aus dem benachbarten Kanton Solothurn scheiterte. Beim Widerstand gegen Asylzentren wirken auch SVP-Politiker mit. Das Bild zeigt ein Transparent neben einem Plakat der SVP im September 2011 in Fischbach (LU). Geklappt hat die Umnutzung der Militärunterkunft Eigenthal im Kanton Luzern: Anfang Juni wurde die Einrichtung eröffnet. Die Unterbringung von maximal 120 Asylbewerber ist auf sechs Monate begrenzt. Im Bild vom April 2012 belegen noch WK-Soldaten die Anlage. Weniger Widerstand gibt es bei abgelegenen Standorten. Im Sommer 2011 wurden auf dem Jaunpass im Kanton Bern Asylbewerber einquartiert. Im Bild der Eingang zur unterirdischen Anlage der Armee. Bereits früher diente der Jaunpass als Standort. Im Bild von 2004 ist der Aufenthaltsraum zu sehen, als abgewiesene Asylbewerber dort untergebracht waren. Der Waschraum in der Anlage auf dem Jaunpass. Bild von 2004. Beim Brünigpass quartierte der Bund ab April 2012 Asylbewerber in der Militärunterkunft Tschorren (BE) ein. Mit schöner Aussicht - aber ebenfalls weit abgelegen: Im Ausreisezentrum Flüeli im Prättigau (GR) sind abgewiesene Asylbewerber untergebracht.

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Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat letzte Woche die private Stiftung Swisscontact mit dem Aufbau eines Berufsbildungsprogramms in Tunesien beauftragt und dafür drei Millionen Franken gesprochen. Das Programm beginnt im Dezember und dauert bis Ende 2015. «Vorgesehen ist, dass jedes Jahr ungefähr 350 Jugendliche ausgebildet werden», sagt Georg Farago, Sprecher des Aussendepartements (EDA), zu dem die Deza gehört, der «NZZ am Sonntag».

Das ergibt rund 1000 Lehrstellen für tunesische Jugendliche. «Dank der Ausbildung haben junge Tunesierinnen und Tunesier bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt», sagt Farago. So solle die Jugendarbeitslosigkeit im Land gesenkt werden. Das Programm von Swisscontact sieht vor, Lehren in Handwerks- und Landwirtschafts-Berufen anzubieten.

«Einerseits sollen Handwerker wie Schreiner, Automechaniker oder Kühltechniker ausgebildet werden, andererseits Arbeitskräfte im Agrarbereich wie in der Fischzucht, der Pouletzucht oder dem Gemüsebau», sagt Florian Meister, stellvertretender Geschäftsführer von Swisscontact, der «NZZ am Sonntag».

Heute beschränke sich die tunesische Berufsbildung fast ausschliesslich auf die theoretische Ausbildung in Schulzentren. «Diese Ausbildung nützt den Jugendlichen aber meistens nichts, weil das erlernte Wissen auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt ist. Deshalb ergänzen wir die theoretische jetzt mit einer praktischen Ausbildung.»

Schweiz startet Pilotprojekt in Nigeria

Und auch weiter südlich ist das Deza aktiv. In Nigeria wird die Schweiz ein Ausbildungsprojekt für Jugendliche mitfinanzieren. Geplant ist, an einer Berufsschule in der Nähe der Grossstadt Lagos oder im Süden des Landes, bis zu 30 junge Nigerianer zu Automechanikern auszubilden. Das bestätigt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) der «Zentralschweiz am Sonntag».

Der erste Kurs soll im kommenden September starten. Demnächst soll eine Reise mit Berufsbildungsexperten nach Nigeria stattfinden, um die Schule auszuwählen. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, sollen weitere Ausbildungen folgen, wie das Bundesamt für Migration bestätigt.

(aeg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dora am 18.11.2012 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    weniger als unglaublich

    Wir haben in der Schweiz soviele Probleme. Ist es wirklich das Wichtigste unser Geld ins Ausland zu pumpen? Nie hatten wir einen schwächeren Bundesrat als aktuell. Was wäre, wenn wir alle unsere Steuern nicht mehr bezahlen?

  • schweizer am 18.11.2012 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitsloser

    ich suche auch arbeit finde keines, plus diplom aber jetzt sehe ich das das geld in ausland flisst und ich nie ein job bekomme

  • mike am 18.11.2012 04:49 Report Diesen Beitrag melden

    auch hier

    auch hier in der schweiz ist hilfe nötig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • govani am 19.11.2012 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitslos

    erst soll uns arbeitslosen geholfen werden mit dem geld arbeitsplätze organiesiren

  • Franz meier am 19.11.2012 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH Jugend

    Und unsere Schulabgänger?

  • Hans Gmür am 19.11.2012 02:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohndumping ?

    Es kommen dann in wenigen Jahren gut Ausgebildete in die Schweiz. Sie arbeiten billiger als die in der Schweiz ausgebildeten. Ist doch gut für die Wirtschaft.

  • schweizer am 18.11.2012 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arbeitsloser

    ich suche auch arbeit finde keines, plus diplom aber jetzt sehe ich das das geld in ausland flisst und ich nie ein job bekomme

  • Peter Mueller am 18.11.2012 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Jobs sind da

    In Tunesien gibt es genug Jobs!Weil dort aber auch jeder Studieren kann und sich dann für was besseres hält will niemand in einer Fabrik Arbeiten!