Schweizer Asylzentrum

18. Januar 2016 19:23; Akt: 18.01.2016 21:20 Print

Mit Aufklärung und Zumba gegen Belästigungen

von D. Waldmeier - Die Sex-Mobs der Silvesternacht schockieren. Wie geht man in der Schweiz mit problematischen Frauenbildern von Flüchtlingen um? Eine Reportage aus dem Asylzentrum Landegg.

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An einer Wand im Eingangsbereich hängen gerahmte Baby-Fotos, gut und gerne 40 an der Zahl. Es sind die «Landegg-Babys», erklärt Sozialarbeiterin Monika Fehr. Sie alle haben in der letzten Zeit im Asylzentrum ob Rorschach SG das Licht der Welt erblickt. Hassan, ein Syrer, der gut Englisch spricht, ist der Vater des jüngsten Zuwachses. Er strahlt über beide Ohren, als er sich in die Schlange zur Essensausgabe stellt. Auch ein junger Eritreer hat ein breites Grinsen im Gesicht. Soeben hat er erfahren, dass er dank B-Bewilligung in der Schweiz bleiben darf.

Weit weg scheinen die Vorkommnisse der Kölner Silvesternacht, als ein enthemmter Mob von illegalen und asylsuchenden Migranten – vorwiegend aus Nordafrika – Jagd auf Frauen machte. Die Belästigungen stellen die «Willkommenskultur» auf die Probe. Diskutiert wird, inwiefern sich Personen aus dem arabischen Raum, denen Frauen nichts wert sind, überhaupt integrieren lassen.

Belästigungen während des Arabischen Frühlings

Solche Fragen beschäftigen die Betreuer des Asylzentrums nicht erst seit Köln. Luan Skenderi, dem Leiter der Unterkunft, ist eine frauenverachtende Klientel wohlbekannt: Nach dem sogenannten Arabischen Frühling, als viele Migranten aus den Maghreb-Staaten im Zentrum waren, erreichten ihn immer wieder Anrufe der SBB oder der Appenzeller Bahnen, dass Mädchen oder Frauen sexuell belästigt worden seien. «Sobald sie Alkohol getrunken hatten, herrschte Gesetzlosigkeit.»

Als Reaktion griff die Justiz laut Skenderi – anders als in Deutschland – durch: «Mehrere Razzien fanden statt und die Straftäter wurden weggewiesen.» Eine Integration der verwahrlosten Gruppe sei quasi unmöglich gewesen: «Für diese Leute war es zu spät, selbst mit verstärktem Personalaufwand hätte man nichts ausrichten können.»

Heuer sei die Stimmung trotz vereinzelter schwarzer Schafe weniger aggressiv: Es gibt noch immer viele junge Männer, doch Familien sind in der Überzahl. Die über 150 Asylbewerber stammen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak oder aus Eritrea. Gemessen daran, wie viele Leute hier auf engem Raum zusammenleben, gebe es «wenig Probleme». Das Zentrum Landegg ist überbelegt, nachdem in der Schweiz 2015 knapp 40‘000 Asylgesuche gestellt wurden. Einige der Zimmer mit Hochstellbetten müssen sich mehrere Familien teilen, zusätzliche Matratzen werden auf dem Boden ausgelegt.

Fälle von Zwangsehen mit Kinderbräuten

Die friedliche Stimmung täuscht nicht darüber hinweg, dass auch einige der Neuankömmlinge aus patriarchalischen Kulturen stammen, in denen die Rechte der Frau beschnitten werden. So kommen Kinderbräute aus Afghanistan an, die in der Heimat unter Zwang verheiratet wurden. «Wenn eine Frau um Hilfe bittet, trennen wir sie erst einmal räumlich von ihrem Mann», so Sozialarbeiterin Tsering Sewo. Zudem arbeite man mit dem Schlupfhuus oder der Opferhilfe zusammen.

Die Verantwortlichen im Asylzentrum versuchen die Asylsuchenden in den wenigen Wochen oder Monaten, in denen sie im Zentrum bleiben, mit hiesigen Werten und Normen vertraut zu machen – sei es im Deutschunterricht oder an freiwilligen Frauentischen. In der Woche des Besuchs steht das Thema Frauenrechte auf dem Programm: «Wir erzählen ihnen, welche Rechte Frauen in der Schweiz haben, dass sie abstimmen und einem Beruf nachgehen dürfen», so Sewo. Die Frauentreffen seien von den Männern auch schon misstrauisch beäugt worden.

Ziel ist es, die Position der Frau bewusst zu stärken. Wenn «Mister Luan», wie die Asylsuchenden Leiter Skenderi nennen, alle zwei Wochen das Sackgeld an die Flüchtlinge verteilt, achtet er penibel darauf, dass die Frauen ihr Geld selbst abholen kommen. Gleichzeitig werden kostenlos Kondome abgegeben. Oder aber die Frauen müssen selbständig in die Stadt, wenn sie einen Arztbesuch wahrnehmen – für viele ist das Neuland.

Zumba oder Stadtspaziergang

Ein Rezept gegen Kriminalität ist zudem der strukturierte Alltag – Langeweile soll gar nicht erst aufkommen. Schulpflichtige haben fast den ganzen Tag Deutschunterricht, Erwachsene eine Stunde täglich. Für die Asylsuchenden wurde ein Bolzplatz gebaut, es gibt ein paar Fitnessgeräte in einer Scheune, einen Spielplatz für die Kinder, Ausflüge in Museen oder auch Zumba-Lektionen. Ein Shuttlebus bringt die Bewohner gegen eine Gebühr von 50 Rappen hinunter in die Stadt. Im Haus herrscht ein Rauch- und Alkoholverbot, Gäste von ausserhalb dürfen nicht über Nacht bleiben.

Auch wenn nicht bei allen Asylbewerbern klar ist, ob sie in der Schweiz bleiben können, ist für Sozialarbeiterin Monika Fehr klar: «Die Integration muss sofort anfangen. Das ist die einzige Chance, dass die Leute sich zurechtfinden, wenn sie auf sich allein gestellt sind.»

In einer der Klassen nähen mehrheitlich kürzlich angekommene Teenager Rucksäcke für den Sportunterricht, den sie einmal in der Woche besuchen. «Es macht grossen Spass», sagt eine junge Syrerin. Dann muss sie losrennen, da sie ihre Deutschstunde vergessen hat. Sie hat so schnell Fortschritte gemacht, dass sie bereits zu den Erwachsenen darf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Bruger am 18.01.2016 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Immer schön unter den Teppich kehren

    Irgendwie kommt mit vor die Medien versuchen jetzt alles zu beruhigen. Und das Thema so schnell wie möglich verschwinden zu lassen. Fakt ist die sexuellen Belästigunge n finden jetzt noch statt und das Thema darf nicht so schnell aus der Welt geschafft werden. Und Fakt ist auch es waren Asylsuchende aus dem Arabischen Raum.

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  • Abc am 18.01.2016 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich !!!!!

    Business !!!!???? Genau, darum ist das Geschäft so interessant!!!! Aber nicht für uns Steuerzahler.

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  • Thomas am 18.01.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönrednerei

    Und wieder mal wird mit einem gezielten positiven Bericht die Situation schöngeredet, die Meinung der Bevölkerung ignoriert und nach dem nächsten Urnengang gibts wieder mal lange Gesichter,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 18.01.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönrednerei

    Und wieder mal wird mit einem gezielten positiven Bericht die Situation schöngeredet, die Meinung der Bevölkerung ignoriert und nach dem nächsten Urnengang gibts wieder mal lange Gesichter,

    • Cartman1993 am 19.01.2016 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Der Bevölkerung? Sie wissen aber schon das nur 1/3 der Wähler rechte Parteien wählen oder?

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  • Anonymousa am 18.01.2016 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und sehe, ich sende euch wie wölfe unter die schaf

    Alles gewollt und geplant. NWO lässt grüssen! Wur, die solche szenarien seit jahren voraussagen, werden ausgelacht und als verschwörungstheoretiker verspottet. Tja, mehr braucht uch dazu gar nicht zu sagen.

  • Ve am 18.01.2016 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ich habe nichts gegen eine kritische Auseinandersetzung mit der Asylthenatik, finde es jedoch schade, dass Artikel mit überwiegend positiven Berichten zu diesem Thema hier in den Kommentaren quasi automatisch schlecht gemacht werden. Natürlich läuft im Asylwesen nicht alles rund, freuen wir uns aber doch besser über gute Beispiele, die es ebenso gibt, anstatt immer nur das Schlechte zu sehen. In dem Sinne würde ich mich auch weiterhin über positive Nachrichten freuen.

    • Humphrey am 18.01.2016 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ve

      Ich weiss nicht.. Ich empfinde es halt nicht als gut wenn ich Einwanderern mit meinen Steuern die Freizeitbeschäftigung zahlen muss nur damit sich diese benehmen.

    • Diego am 18.01.2016 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      @ Ve

      Ich sehe das ganz anders; solange Menschen kritisch sind und Probleme aktiv suchen und diskutieren, verbessern und schützen sie die Schweiz. Gute Beispiele sind ja schön, aber eben auch sehr gefährlich, weil damit Gesamtproblematiken effektiv relativiert werden können, und dadurch den politischen Diskurs so stark bremsen, dass die entsprechenden Probleme grösser werden und so stark anwachsen dass sie nicht nur nicht mehr übersehen werden können, sondern u.U. auch nicht mehr bewältigt werden können. Freuen Sie sich in einem Land zu leben, das einigermassen verantwortungsvolle Bürger hat.

    • Illyrer am 18.01.2016 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Humphrey

      Ja ich denke wenn mann sie arbeiten lässt, dann zahlen sie auch steuer ;) ganz eifach

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  • Lirrum Larrum am 18.01.2016 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spende

    Wo kann ich für diese Institution direkt Güter spenden?

  • [N]urax am 18.01.2016 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkt konfrontieren und Konsequenzen klar machen.

    Man sollte die Asylsuchenden direkt mit diesem Thema konfrontieren und Ihnen mitteilen, dass es in unserem Land nicht gang und gäbe ist Frauen zu belästigen. Falls Sie das nicht kapieren und dennoch besagt Vergehen begehen, müssen Sie wohl mit den Konsequenzen leben. Ausserdem schaffen es wohl auch 95% der Schweizer Männer sich im leicht Angetrunkenen Zustand anständig zu benehmen.