Raffinierte Methoden

14. November 2012 07:24; Akt: 14.11.2012 10:38 Print

Mit Hightech gegen Bancomat-Betrüger

von A. Bättig - Skimmer manipulieren Bancomaten immer raffinierter und dreister. Doch auch die Hersteller der Geldautomaten haben einige Tricks auf Lager, um den Dieben das Leben schwerzumachen.

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In Basel haben Betrüger den falschen Kartenleser gleich in den Automaten eingebaut. Von aussen ist nichts zu sehen.... ...doch unter der Verdeckung klafft ein mit einem unbekannten Gerät herausgebranntes Loch. Hier haben die Betrüger das falsche Kartenlesegerät eingesetzt und... ...dann die Öffnung mit einem Kleber verschlossen. Doch auch mit anderen Tricks können Bankomat-Betrüger ihre Opfer um Tausende von Franken erleichtern. Besonders perfid: Eine direkt im Sichtschutz des Bankomaten versteckte Kamera zeichnet die Eingabe des Pin-Codes auf. Den Miniatur-Kameras reicht ein stecknadelgrosses Loch zum Ausspähen der Geheimnummer. Der neuste Trick ist «Cash Trapping»: Im Dezember 2011 warnt Hersteller Wincor Nixdorf vor der Masche, dass dem Kunden ein defekter Bankomat vorgegaukelt wird. Um Kreditkarten-Daten oder Bargeld zu ergaunern, manipulieren «Skimmer», wie die Diebe im Fachjargon heissen, die Bankautomaten mit raffinierten Mitteln. In diesem Fall wurde die Originaltastatur (rechts oben) mit einem Aufsatz versehen (links). Im Beispiel unten wurde gleich die ganze Frontplatte ersetzt. Hier hat sich jemand ganz viel Mühe gegeben: In eine gefälschte Frontplatte wurde sogar Elektronik für eine Statusanzeige und den Kreditkartenleser eingebaut, inklusive Akkupack. Hier sollte aber schon der Laie misstrauisch werden: Stümperhafte und lose Kartenaufsätze, die in niedersächsischen Bankautomaten entdeckt wurden. Manchmal muss man aber tatsächlich zweimal hinsehen, bis man die immer professioneller angefertigten Kreditkarten-Fänger entdeckt. Auch hier wurde eine nahezu perfekte Installation gebaut, um später Kreditkarten zu klonen. Hier installierten findige Pin-Diebe eine Miniatur-Kamera, die in einem Prospekthalter untergebracht ist und alle Tastatureingaben mitfilmt. Klar werden hier alle Kreditkarten akzeptiert: Hinter der Abdeckung filmt eine Spion-Kamera das Tastaturfeld. Das Abwehrsystem von Synfis erkennt 30 Arten von Manipulationen und stört das Magnetfeld von Skimming-Modulen. Das hat seinen Preis: Pro Automat kostet die Gegenmassnahme etwa 1500 Franken.

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Zwischen den Dieben und den Bancomatherstellern findet momentan ein regelrechtes Wettrüsten statt. Erst vor kurzem manipulierten Diebe Bancomaten in Basel-Land auf besonders dreiste Weise, wie die Sendung «10 vor 10» aufdeckte. Sie haben ein ganzes Kartenlesegerät gleich in den Automaten reingebaut und so die Kartendaten gestohlen - für den ahnungslosen Kunden war dies unmöglich zu entdecken. Denn das Geld kam ordnungsgemäss raus, nur die Daten wurden gestohlen. Diese Methode ist in der Schweiz neu. Ob es Geschädigte gab, ist zurzeit noch offen.

Bei den Tätern handelt es sich um hochprofessionelle Banden. «Die beschaffen sich sogar ganze Bancomaten, um an ihnen neue Betrugsmethoden auszuprobieren», sagt Wolfang Hamann, Produkte-Manager und Sicherheitsverantwortlicher eines grossen deutschen Bancomatherstellers.

Zwar werden die Methoden der Betrüger immer raffinierter, aber auch die Hersteller versuchen mit ausgeklügelten Hightech-Methoden zurückzuschlagen. Normalerweise hüten sich Banken und Hersteller, solche Methoden zu verraten, denn den Gangstern sollen möglichst wenige Informationen preisgegeben werden. Doch Hamann verrät gegenüber 20 Minuten Online drei dieser Abwehr-Methoden, die auch in der Schweiz eingesetzt werden:

Elektronische Sensoren: Am Gehäuse des Bancomaten werden elektronische Sensoren angebracht. Sobald der Automat manipuliert wird (wie zum Beispiel im Fall Basel durch Anbohren des Gehäuses), spuckt er kein Geld mehr aus und ist vorübergehend abgeschaltet.

Kleine Kameras: Minikameras werden am Automaten angebracht und überwachen zum Beispiel das Tastenfeld. Die Kameras zeichnen eine Manipulation des Automaten auf. Die Bank kann sofort eingreifen.

Störsender: Im Bancomaten installieren die Hersteller spezielle Sender, die Störstrahlungen aussenden. Fremde Lesegeräte werden so gestört und ausser Gefecht gesetzt.

Mit diesen Vorkehrungen kann man gemäss Hamann schon viele Skimming-Fälle verhindern. Von futuristischen Methoden wie Iris- oder Fingerabdruck-Scannern hält der Fachmann wenig. «Dadurch wären die Automaten nicht mehr leicht zu bedienen und nicht mehr kundenfreundlich.»

Karte wird bei Verdachtsfällen sofort gesperrt

Nicht nur bei der Hardware von Bancomaten gibt es immer aufwändigere Schutzvorkehrungen, sondern auch bei der Software. So überwacht zum Beispiel die Schweizer Firma SIX Transaktionen mit Schweizer und Liechtensteiner Maestro-Karten und schlägt Alarm, sobald Unregelmässigkeiten auftreten. «Wenn zum Beispiel innerhalb einer Stunde Geld in New York und in der Schweiz abgehoben wird, ist das verdächtig. Dann wird die Karte gesperrt», sagt Mediensprecher Bernhard Wenger. Zusätzlich bietet SIX seit kurzem die Dienstleistung «Fraud Control» an. Hier können die Banken für ihre Maestro-Karten diverse Sicherheitsparameter setzen und so in Ländern ausserhalb Europas Tageslimiten festlegen oder mit der Funktion «Geoblocking» den Einsatz in gewissen Regionen ganz ausschliessen. Damit kann verhindert werden, dass Diebe das Konto aus dem Ausland plündern.

Doch es braucht nicht immer High-Tech, um sich gegen die Betrüger effizient zu schützen. «Mit der Hand die Eingabe des Pincodes zu verdecken, schützt in den meisten Fällen auch gegen die allerneusten Skimming-Methoden», sagt Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalpolizei Solothurn. Ansonsten soll man den Automaten genau anschauen und Auffälligkeiten der Polizei melden. Wichtig sei zudem, seinen Kontonauszug regelmässig zu überprüfen.

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