Neue Limiten

14. Mai 2014 06:57; Akt: 14.05.2014 11:16 Print

Mit Tempo 65 auf der Autobahn gegen Stau

von N. Glaus - ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen will mit einer massiven Temporeduktion die Stauproblematik in der Schweiz lösen. Die Autolobby tobt.

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Die Staustunden steigen schweizweit jährlich an. So standen die Schweizer Autofahrer im vergangenen Jahr insgesamt 26'000 Stunden im Stau. Das sind über 850 Tage oder knapp 2,5 Jahre.

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Um dieses Problem zu lösen, schlägt ETH-Verkehrsexperte Kay Axhausen eine massive Temporeduktion vor: Auf Schweizer Autobahnen soll man nicht schneller als 65 bis 70 km/h fahren. Auf allen anderen Strassen soll eine Tempolimite von 35 bis 40 km/h gelten. In Singapur kenne man dieses Modell bereits, sagte Axhausen gegenüber der NZZ.

Die SP-Nationalrätin Evi Allemann findet diesen Lösungsansatz sinnvoll: «Wir wollen den Verkehr auf Schweizer Strassen möglichst verflüssigen und das Unfallrisiko verringern. Da sind Temporeduktionen der richtige Weg.» Überhaupt ist Allemann davon überzeugt, dass flexible Tempolimiten die fixen ersetzen müssten, um zu Stosszeiten das Verkehrsaufkommen besser zu regeln. Der Vorschlag sei zudem ganz im Sinne des Bundes, der die Temporeduktion auf 80 km/h auf rund 400 Autobahnkilometern plant.

Auch der Zentralpräsident des Automobil Clubs der Schweiz Mathias Ammann kann der Temporeduktion Gutes abgewinnen: «Die Beschränkung des Tempos auf 70 km/h auf den Autobahnen kann eine vorübergehende Lösung zu Stosszeiten sein.» Längerfristig würde aber auch das nichts bringen.

Tempo erhöhen statt senken

Kritisch sind jedoch die Reaktionen seitens der Autolobby. «Diesen Vorschlag kann ich nicht ernst nehmen», sagt Nationalrat Walter Wobmann (SVP). «Je länger man fährt, desto länger befindet man sich auf der Strasse. Das heisst, es gibt noch mehr Stau. In diesem Sinne wäre Tempo 140 eine geeignete Lösung.»

Auch der Generalsekretär des Verbands Strasse Schweiz Hans Koller ist überzeugt, dass Axhausens Vorschlag keine Lösung ist. «Diese Möglichkeit geht von einem gleichmässigen Verkehrsfluss aus.» In der Realität gibt es aber verschiedene Strassenverkehrsmittel wie Personenwagen, Motorräder, Lieferwagen, Lastwagen oder Sattelschlepper, die alle unterschiedliche Bedürfnisse und Geschwindigkeiten haben. Eine konsequente Temporeduktion nütze deshalb nichts.

Doppelstöckige Autobahn als Lösung

Nur indem man die Strasseninfrastruktur ausbaue, könnten Staus verhindert werden, glaubt Hans Koller, Generalsekretär des Verbands Strasse Schweiz: «Es gibt keinen anderen Ausweg, als Hochleistungsstrecken zu bauen, die nicht überall eine Ausfahrt haben. Gibt es zu wenig Platz, um die Nationalstrassen auszubauen, müssen wir diese doppelstöckig oder mit Unterführungen konstruieren.» Doppelstöckige Autobahnen gibt es beispielsweise in den USA oder in Asien. Neben dem Ausbau der Infrastruktur befürwortet Koller auch Zwischenlösungen wie die Befahrung der Pannenstreifen oder die Verkehrsdosierung bei Autobahneinfahrten zu Stosszeiten oder die Verkehrsregulierung bei Autobahneinfahrten.

Dass die Strassen in der Schweiz noch mehr ausgebaut werden, dagegen wehrt sich Allemann. «Es braucht zwingend Alternativen. Mit einem Ausbau werden Engpässe nur verschoben.» Laut der Nationalrätin müsste unter anderem der ÖV so ausgebaut werden, dass noch mehr Leute das Auto zu Hause lassen. Zudem müsste in den Städten und Agglomerationen der preisgünstige Wohnungsbau intensiviert werden, damit die Leute dort wohnen können, wo sie arbeiten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 14.05.2014 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsmassnahmen

    Es gibt nur eines, die Autobahenen und die Tunnels müssen ausgebaut und erweitert werden. Das Verkehrsaufkommen lässt sich, entgegen der Rot/Grünen Irrmeinung, nicht durch einen Baustop aufhalten. Oder glauben die wirklich, dass es besser sei, wenn der Verkehr stundenlang mit laufendem Motor vor dem Gotthard steht, anstatt flüssig durch zu rollen? Wie finanzieren? Ganz einfach: das Geld welches wir Autofahrer an den Staat abdrücken (Benzin, Steuer, Versicherungsgebühr, Viginiette, usw.) nur für die Strasse nutzen. Ausserdem bringt der Touristenverkehr auch mehr Einnahmen durch den hier getankten Treibstoff. Es braucht überhaupt keine neue Zwangsabgabe, es braucht nur willige Politiker. Und die haben wir im Moment nicht!

  • Heiri Müller am 14.05.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wir alle sind viel zu schnell

    65 km/h ist viel zu schnell für eine Autobahn. Mein Vorschlag: Innerorts 10, ausserorts 20, Autobahn 30 km/h. Züge und Trams: 15 km/h. Velofahrer dürfen ihr Velo nur noch stossen und Fussgänger dürfen nur noch rückwärts laufen und dies nur noch mit Helm.

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  • DaSt am 14.05.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Staus sind oft (geplant) hausgemacht

    Ich pendle seit 8 Jahren von Rheinfelden nach Basel (im Carpool). Seit ca. 1 Jahr,von einem Tag auf den Anderen: täglich Stau zwischen Rheinfelden Ost und Verzweigung Augst. Es ist schlichweg UNMÖGLICH, dass von einem Tag auf den Anderen soviele Autos mehr unterwegs sind (der Anschluss nach DE wurde vorher gbaut), dass die Kapazität der Autobahn überschritten wird. Was aber auffällt: Früher war mehrheitlich Tempo 120 jetzt immer nur 80! Mein Fazit:"Man" produziert den Stau absichtlich um die Autofahrer zu vergraulen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elisa am 14.07.2014 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Spätestens in 2 Monaten kommt ein anderer Experte und behauptet das Gegenteil.

  • Cellius am 15.05.2014 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Flexible Tempo Limits taugen auch nichts

    Flexible Tempo Limits brächten dann was, wenn sie auch in Echtzeit gesteuert würden. Aber wenn bereits um 14:30 auf 80 runtergeschraubt wird und die Autobahn eigentlich komplett frei ist und dieses Limit dann bis um 20:00 Abends bestehen lässt, wir der Stau nur nach hinten verschoben. Generell 65 würde diesen Effekt garantiert noch verstärken.

  • J.Bachmann am 15.05.2014 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    @Kritiker

    Ich wusste gar nicht, dass wir so viele Experten im Lande haben. Auch wenn für mich 65 km/h auf der Autobahn ein Witz wäre, ist es erwiesen, dass man mit 65 km/h anstatt 80 km/h bei Einhaltung des Mindestabstandes, der von der Geschwindigkeit zum Quadrat abhängig ist, rund 20% mehr Autos/Zeit durch den gleichen Streckenabschnitt bringt. Und genau darum geht es bei der Stauverhinderung oder -reduktion, der Erhöhung des Durchflusses. Im Endeffekt ist man also schneller am Ziel, als wenn man bei einem Flaschenhals im Stau steckt.

  • Ch.Reber am 15.05.2014 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Massnahmen Fahrzeugabstand

    Eine einfache Lösung zur Reduktion des Verkehrs: Fahrzeugabstand auf der AB (vor allem morgens Richtung Zürich) kontrollieren. Alle Verstösser aus dem Verkehr nehmen. Der Verkehr reduziert sich um 40-60% und die Sicherheit ist auch wieder hergestellt. Ausserdem hätte der Bund eine gute Einnahme für den Nationalsstrassenbau.

  • Thohasius rex am 15.05.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    eigentlich ginge es doch...

    vermehr wurde in kommentare das mitte- und linksfahren angesprochen, rechtsüberholen ist bei unseren autofahrern schlicht zu unsicher. wenn sich aber alle, wie es die LKW's tun, an das rechtsfahrgebot halten würden, gäb es schon weitaus weniger stau! zudem, mal kurz langsamer zu fahren tut keinem weh! Bsp. St.Gallen - Bern, ca. 200 km, mit 100 = 2h, mit 120 = 1h40, da aber um die zentren eh nur 100 eraubt ist (ca. 50 km) ist die optimale reisezeit bei ca. 1h45, 5min für 50km mit 20 kh/h weniger, eigentlich sollten ja alle an einem herzinfarkt sterben beim autofahren...