Food-Lieferservice

04. März 2018 17:01; Akt: 04.03.2018 18:08 Print

Mitarbeiter missbraucht Handynummer für Flirt

Eine junge Frau bestellte sich Essen beim Food-Lieferservice Eat.ch und gab dabei ihre Handynummer an. Später erhielt sie eine unerwünschte Whatsapp-Nachricht.

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Ganze zehn Tage war Anabelle* (36) wegen Grippe krankgeschrieben, brachte kaum einen Bissen runter. Ende letzte Woche kehrte der Appetit zurück: Beim Food-Lieferservice Eat.ch bestellte sie sich deshalb gleich Gyros mit Pommes frites.

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Darf ein Lieferant bzw. eine Lieferantin die Handynummer eines Kunden bzw. einer Kundin für einen Annäherungsversuch benutzen?

Der Lieferant war nett – etwas zu nett, wie Anabelle befand. «Er zeigte sich sehr geschwätzig und erzählte unter anderem, dass auch er vor kurzem drei Wochen flachlag», sagt sie. Es sei «kein normales Gespräch» zwischen Mitarbeiter und Kundin gewesen, zu wenig Distanz habe der Mann dafür walten lassen. «Irgendwann meinte ich dann, dass ich mein Essen gerne warm verzehren würde, und habe so das Gespräch beendet», so Anabelle.

«Du bist nett»

Auf der Quittung, die ihr der Mitarbeiter aushändigte, stand auch ihre Handynummer – die kann man bei Eat.ch für allfällige Nachfragen angeben. «Ich hatte schon da ein mulmiges Gefühl», sagt Anabelle.

Die dunkle Vorahnung sollte sich bewahrheiten. Eine gute halbe Stunde später erhielt sie eine Whatsapp-Nachricht des Lieferanten: «Hallo Anabelle. Hat mich sehr gefreut. Du bist nett», heisst es darin.

Das Schlimme sei nicht der Inhalt der Nachricht, meint Anabelle. «Aber ich bestimme gern selber, wem ich meine Handynummer gebe, und möchte nicht einfach so von fremden Männern angeschrieben werden.» Für die junge Frau ist klar: Der Mitarbeiter hat seine Kompetenzen überschritten und seine Dienstleistung für einen Annäherungsversuch missbraucht. «Ich finde das schon ziemlich dreist», sagt Anabelle.

Verhalten des Fahrers «enttäuschend und inakzeptabel»

20 Minuten konfrontierte Eat.ch mit dem Vorfall. Die Restaurants auf der Website seien unabhängig von Eat.ch, daher seien auch keine Fahrer direkt bei der Food-Plattform angestellt, schickt das Unternehmen voraus. Von den Partnerrestaurants und deren Fahrern erwarte man aber jederzeit ein «verantwortungsbewusstes und respektvolles Handeln».

«Besagter Fahrer hat sich nicht unseren Werten entsprechend verhalten, was für uns enttäuschend und inakzeptabel ist», sagt Sprecher Dominic Millioud. Man werde den Vorfall mit dem Restaurantpartner besprechen und anschliessend «geeignete Massnahmen» einleiten.

Zurzeit arbeite man zudem daran, die Kommunikation zwischen Eat.ch, Konsumenten und Restaurantpartnern weiter zu verbessern. «Das beinhaltet unter anderem die Maskierung der Telefonnummer der Endkunden gegenüber dem Restaurant», sagt Millioud. Künftig werde das Serviceteam von Eat.ch zwischen Restaurant und Kunde vermitteln.

Sind Sie auch schon von einem Liefer- oder Kurierdienst ungewollt kontaktiert worden? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns.

Sauna-Angebot des Taxifahrers

Die unangenehme Begegnung mit dem Lieferanten war für Anabelle nicht die erste dieser Art. Anfang Januar sei sie am Flughafen in Kloten in ein Taxi gestiegen und habe ihre Adresse nennen wollen. Da habe sich der Fahrer umgedreht und gemeint: «Ich weiss, wo du wohnst, ich habe dich schon mal gefahren.» Die Adresse stimmte tatsächlich. «Danach wollte er unbedingt mit mir in die Sauna – was ich dankend ablehnte», so Anabelle. Anfragen wie diese habe sie innerhalb des letzten halben Jahres gleich drei erhalten.

Aus den unerfreulichen Begebenheiten hat Anabelle ihre Lehren gezogen: Bei Lieferdiensten wird sie ihre Handynummer künftig nicht mehr hinterlassen. Gegenüber Taxifahrern verschweigt sie zudem ihre genaue Adresse – und steigt stattdessen zwei Strassen vor ihrem Zuhause aus.


* Name der Redaktion bekannt

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 03.03.2018 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas übertrieben...

    Deswegen gleich zu den Medien rennen, finde ich dann doch etwas zu übertrieben. Sie kann ja auch einfach sagen, dass sie kein Interesse hat und gut ist.

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  • SEREDI am 03.03.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Was ist das für eine Gesellschaft geworden? Ich habe mich jeweils geehrt gefühlt und hab mich gefreut, wenn mir jemand Komplimente machte. Heute geht man zu Zeitung und verursacht wegen einem Harmlosen Kompliment eine Kündigung... schämen Sie sich Anabelle

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  • Boris am 03.03.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann auch überreagieren.

    Er hat doch nur geschrieben, du bist nett.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara am 10.03.2018 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    ab zu sommarugas lohnpolizei

    gratuliere, jetzt ist sie auch ein #metoo-Berufsopfer

  • Ex-Stalking Victim am 06.03.2018 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht ums Prinzip!

    Es geht doch darum, dass der Kurier die private Handy-Nummer einer Kundin auf sein eigenes privates Handy gespeichert, und ihr danach geschrieben hat. Egal ist was darin stand und wie es gemeint war; Fakt ist, dass der Kurier an die Nummer der Dame ohne ihr Wissen und Eingeständnis gelang (da er höchstwahrscheinlich die Nummer von der Dame direkt nicht erhalten hätte). Für die Leute, die dies als nicht schlimm bezeichnen, haben wohl keine Kenntnisse über Anstand, Respekt, Moral und Ehtik. Diese Leute sollten mal das selbst erleben, gegebenenfalls sogar gestalkt werden.

  • Der Schreiber am 06.03.2018 03:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Vorname verpflichtet

    Er sagte: Annabelle! Und Anna bellte...

  • Julia am 05.03.2018 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Stalkender Betreibungsbeamter

    Wenn das selbe von einem Beamten des Betreibungsamtes kommt, nachdem man da wegen einer unangenehmen Sache mit einem Erbe da vorsprechen musste, hört der Spass auf! Nachricht um Nachricht, man wolle Kaffe Trinken gehen, man fände einem sexy... Freundschaftsanfragen auf FB, und so weiter! Der Amtsvorsteher fand das auch nicht spassig....

  • Rolf am 05.03.2018 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte

    Ich hoffe der missbrauchten Handynummer geht es schon wieder besser!