Frauenfelder Zelle

28. August 2017 12:23; Akt: 28.08.2017 12:29 Print

Mitglieder der Mafia-Zelle kurz vor Auslieferung

Die Mitglieder der Thurgauer Mafia-Zelle werden wohl bald an Italien ausgeliefert. Ihre Beschwerden wurden abgelehnt. Noch haben sie aber eine Rekursmöglichkeit.

Diese Aufnahme von einem Treffen der Mitglieder der Mafiazelle in Frauenfeld aus dem Jahr 2011 im Boccialokal in Wängi TG haben die Carabinieri von Reggio Calabria veröffentlicht. Zuvor hatten sie zwei in Frauenfeld wohnhafte Italiener bei einem Besuch in Kalabrien verhaftet. Einer soll der Kopf der Frauenfelder Zelle sein.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Derzeit sitzen noch zehn Mitglieder der Thurgauer Mafiazelle in Auslieferungshaft. Ihre Beschwerden gegen ihre Auslieferung an Italien hat das Bundestrafgericht allesamt abgelehnt. Sie können nun nochmals Beschwerde beim Bundesgericht einreichen. Eine solche hat aber nur Gültigkeit, wenn nachgewiesen werden kann, dass ihr Fall bedeutend ist. Mindestens in zwei Fällen werden die Entscheide vor Bundesgericht angefochten, wie 20 Minuten von den betreffenden Anwälten erfahren hat.

Den mutmasslichen Mafiamitgliedern wird vorgeworfen, den Mafia-Organisationen Società Minore oder der Società Maggiore anzugehören. Die Società Minore ist offenbar jene der jüngeren Generation, der ein sogenannter Capo Giovane vorsteht. Die Società Maggiore ist die Hauptzelle der Mafia.

Mieter des Boccialokals war Capo und besass Waffen

Unter den in Auslieferungshaft Sitzenden befinden sich laut den Entscheiden des Bundesstrafgerichts viele mit führenden Rollen in der Thurgauer Zelle. Darunter ist auch einer, der an einem Treffen als Capo Società bezeichnet wurde. Damit wäre er einer der führenden Köpfe.

Bei ihm zu Hause wurden Waffen und Munition gefunden. Er war auch der Mieter der Lokalität in Wängi TG, wo die Treffen der Zelle jeweils stattfanden.

Die Thurgauer 'Ndrangheta-Zelle

«Ich stehe der Società zur Verfügung»

Ein weiterer Italiener in Auslieferungshaft soll die Funkion des Capo Locale innegehabt haben, wozu spezielle Aufgaben gehörten. Anlässlich eines Treffens soll er gesagt haben, dass er neben seiner Familie die Società bewundere. «Die Achtung, die ich für euch in mir habe, ist eure Achtung, ich bin geehrt, bei euch sein zu können ... und ich stehe der Società zur Verfügung.»

Dies sagte er als Antwort auf die Ausführungen des obersten Chefs der Zelle, der davon redet, wie lange es die Zelle schon gibt und wie lange sie hätten arbeiten müssen, um sich den Namen zu machen, den sie heute hätten. Und auch wenn man irgendwann «Ermordungen oder Folterungen» machen müsse – der oberste Chef würde sich nicht zurückziehen.

Taufritual und Beteiligung an einem Busunternehmen

Laut den Ausführungen in den Unterlagen des Bundesstrafgerichts kam es bei den Treffen auch zu einem Taufritual. Diesem wohnten die meisten bei, die sich nun in Auslieferungshaft befinden. Zudem wurde die Hochzeit der Tochter des obersten Chefs in Anwesenheit zahlreicher mutmasslicher Mafiamitglieder gefeiert.

Etwas Licht ins Dunkel bringen die Unterlagen auch bezüglich den Aktivitäten der Zelle. So war diese an einem Busunternehmen mit Sitz oder Filialen in Italien und im Raum Frauenfeld beteiligt.

Waffen ohne Kennzeichen oder Bewilligung

Ausserdem haben die Bundesbehörden bei mehreren Mitgliedern Waffen und Munition gefunden, die teilweise keine erkennbaren Kennzeichnungen aufwiesen. Zudem habe es nicht für alle Waffen eine Bewilligung gegeben. Auch habe es Bewilligungen für Waffen gegeben, die nicht mehr auffindbar waren.

Dass die Mitglieder der Zelle bereit gewesen seien, diese Waffen auch zu benutzen, gehe zudem aus den Aufnahmen hervor.

(ann)